Teil 1
Der Zug kommt auch um 5h in Delhi an. Aber ich scheine es nicht zu merken. Denn ich muß vom Schaffner geweckt werden. Der Rest des Zugs ist schon leer. Hastig greife ich meine Sachen und raus.
Rickscha zum Connaught Place. Von dort fahren Busse zum Airport, am Indian Airlines Office. Kostet 30 Rp. Und es sind auch ganze 2 andere Personen da... Gegen 6h bin ich schon am Flughafen. Seeehr rechtzeitig. Der Flug geht um 11.15. Viel Zeit totzuschlagen. Ich tausch noch meine 2000 Rps um. In Nainital hab ich wirklich nicht viel ausgegeben. Bekomme 50 USD dafür. Sogar ohne Umtausch Zertifikat.
Der Flug selbst dauert nur eine gute Stunde. Er ist mit Indian Airlines. Und ich bin positiv überrascht. Das Essen ist auch ziemlich gut. Und es gibt Bier!! Und zwar nicht irgendeines. Nein - festhalten - Haake Beck. Ein Bier aus Good Old Bremen!! Wie es dieser Beck's Verschnitt bloss hierhin geschafft hat?
Das Visum für Nepal bekommt man bei Ankunft ohne viel Bürokratie. Man muß allerdings 30 USD in Cash da haben. Das Visum ist für 60 Tage gültig. Vom Flughafen fahr ich per pre-paid Taxi nach Thamel. In dem Bezirk sind alle Budget Hotels, unzählige Restaurant, Bars und Shops mit allem was der Traveller braucht, oder auch nicht braucht...
Ich bleib in der Pheasant Lodge, direkt um die Ecke vom Kathmandu Guesthouse. Kostet nur 100 NRP mit shared Bath. Ziemlich einfach. Aber sauber und ruhig und trotzdem mitten im Zentrum... wie man auch immer das Zentrum von Thamel definieren mag.
Ich kaufe mir eine Map von KTM und Umgebung. Es gefällt mir hier auf Anhieb. Irgendwie ‚entwickelter' als Indien, mehr westlich orientiert. Man sieht auch verdammt viele Touristen hier. Morgen werde ich erstmal die momentane Tibet Situation abchecken. In einer Travel Agency haben sie mir schon gesagt, daß es nur als Group Tour möglich ist, was natürlich dumm wäre... andererseits aber auch nicht anders zu erwarten.
Außerdem muß ich mal 2 Noticeboards bei Trekking Organisationen abchecken zwecks Trekking Partner. Am Kathmandu Guesthouse war das sehr dürftig.
Essen im Everest Steak House. Endlich mal wieder ein anständiges Stück Fleisch. Nicht so ein Chicken oder Mutton Mist wie in Indien. Außerdem angenehm gewürzt, so daß man sich nicht gleich die Zunge verbrennt. Ach ich merk schon: Ich liebe Nepal...
Erstmals seit langem konnte ich mal wieder ohne Ohrenstöpsel schlafen. Wirklich ruhig hier. Erwartet man gar nicht in diesem hektischen Thamel. Ich gönn mir mal ein wenig Luxus. Laundry Service. Ich habe kaum noch was sauberes zum Anziehen. Denn in der feuchten Luft von Nainital war an Waschen bzw Trocknen nicht zu denken. Morgen früh erstrahle ich dann wieder in neuem Glanz.
Als erstes mach ich mich auf, die beiden Trekking Organisationen zu finden. Aber sowohl HRA als auch KEEP sind umgezogen. Jetzt beide in der Straße gegenüber dem Best Shopping Centre. Beide Boards erweisen sich aber als wenig ergiebig. Nur ein Engländer will Anfang August eventuell los. Es ist halt keine Trekking Saison. Die Leute, die ich gefragt haben, meinten aber es wäre schon möglich. Man muß nur ein wenig wasserfest sein.
Frühstück hatte ich übrigens mit frischen Croissants.... mmmhh... ja, das ist schon ziemlich zivilisiert hier. Es gibt ziemlich viele German oder French Bakeries mit Croissants, Baguette, Donuts oder "german" brown bread. Ja da fühlt man sich wohl...
Gegen mittag geh ich zum Durbar Square mit seinen unzähligen Tempeln. Sehr schön. Nur das Wetter ist nicht so angenehm. Es nieselt in einer Tour. Deswegen halte ich es auch nicht solange aus. Für den Royal Palace wollen sie 250 NRP Eintritt, happig!!! Das ist es mir bei dem Wetter nicht wert. Vielleicht ein anderes Mal...
Am Ende der New Road entdecke ich einen Park. Also marschier ich einfach mal los. Es ist der Tunikhel/Ratna Park. Aber eigentlich nur ne riesige grüne Wiese. Nix spektakuläres. Immer geradeaus kommt man wieder nach Thamel und ich ess ein verspätetes Lunch im La Dolce Vita. Recht gute Pizza.
Ich genieße das Continental Food. Zum Dinner bin ich im Old Vienna Inn und esse Wiener Schnitzel (!). Sogar die Speisekarte ist zur Hälfte auf deutsch und vorne steht "Speisen und Getränke" drauf. Und es gibt Sauerkraut und Knödel - wow - wie im Paradies . im bajuwarischen... Das Essen scheint mir auch zu bekommen. Denn mein Magen läuft auch wieder in normalen Bahnen seitdem ich in Nepal bin.
Nach einem erneut exzellenten Frühstück im "Hot Bread" mit Sandwich und Croissant mach ich mich auf zur Chinesischen Botschaft. Es ist etwa eine ¾ Stunde laufen. Daß das Visa Office heute zu ist, wußte ich ja, aber ich dachte es wäre wenigstens jemand da, der Infos gibt. Aber denkste. Ziemlich verrammelt alles. Das einzig lebende ist ein Guard mit Wumme... also morgen nächster Versuch.
Von der Botschaft laufe ich zum Pashupati Tempel. Durch einige Gassen, wo bestimmt sonst nicht viele Touris rumlaufen. Aber dank meiner Karte finde ich es auf Anhieb. Nicht-Hindus dürfen allerdings nicht hinein, aber von einer Terrasse auf der anderen Seite des Flusses hat man eine gute Aussicht. Am Fluß werden auch Verbrennungen durchgeführt. Aber längst nicht so spektakulär wie in Varanasi.
Die Treppen weiter hinauf kommt man zum Goraknath Tempel. Aber ist weniger interessant. Dann wieder bergrunter zum Gateshwan Tempel. Aber auch nicht so prickelnd, jedenfalls von außen. Weiter kommt man als Westerner leider auch hier nicht. Trotzdem ist es ein schöner Walk. Hinter dem Tempel gibt es (entgegen dem LP) eine Fußgängerbrücke. Von hier kann man schon die Stupa von Bodnath sehen. Ich schlängle mich so durch die Straßen dorthin. Es ist die höchste Stupa in Nepal. Und überall wachen Buddhas Augen. Ringsherum sind noch einige buddhistische Gompas, von denen ich mir ein paar ansehe.
Ich esse tibetische Momos (eine Art Ravioli) im Stupa View Restaurant. Die Aussicht ist wirklich klasse und das Essen auch...
Danach laufe ich an der Straße entlang zum Gokara Tempel (etwa 45 min). Lohnt sich aber eigentlich nicht. Der Tempel ist recht unspektakulär und die Statuen drumherum, nun ja...
Auf dem Rückweg versuche ich den im LP beschrieben Weg über Kopan zurück nach Bodnath. Den Anfang finde ich auch noch. Die Abzweigung zur Kopan Monastery verpasse ich aber wohl, denn nach einem netten Walk durch Wiesen lande ich schon bald in einem Dorf. Und das zieht sich dann so hin, bis ich wieder in der Nähe der Stupa in Bodnath rauskomme. Wieder an der Main Road angekommen, lasse ich mich in ein Taxi fallen, daß mich für 100 NRP wieder nach Thamel bringt. Wieder im Hotel, habe ich eine Nachricht von Ben, der auch den Annapurna Trek bis Jomson laufen will. Abends esse ich mit ihm im Everest Steak House. Wie sich herausstellt, hat er letztes Jahr auch in Manchester studiert... tja die Welt ist klein. Gemeinsam haben wir jetzt noch Kontakt zu einer Irin und einem Brit... mal sehen was daraus wird...
Vormittags: Rickscha zur Chinesischen Botschaft. Ich hatte ja einiges erwartet, aber nicht, daß ich schnell drankomme. Das war aber auch die einzige Freude, denn obwohl die Leute recht nett waren, weiter gebracht hat mich das nicht. Individuelle Visa gibt's nur für China, nicht aber für Tibet. Dafür muß man in eine Gruppe. Auf die Frage, ob ich denn von Tibet weiter nach China kann ohne nach Nepal zurückzukommen, meint der Typ "es wäre möglich, aber er weiß nicht wie" und überhaupt soll ich mich doch besser an eine Travel Agency wenden ... nun ja... das ist der staatlich kontrollierte Tourist Rip-Off in Perfektion.
Um 12h treffe ich mich mit Ben. Wir gehen zum Swayambhunath Temple, 2km westlich. Ist nicht weit, nur die Stufen den Berg hoch - auf den letzten Metern - haben es in sich. Die Stupa ist aber sehr schön. Auch wenn sie gerade dabei sind, daß Dach neu zu decken. Von unten sieht es so aus, als wären das nur goldene Decken oder so was ähnliches, was die Spitze bedeckt. Und alles natürlich wieder unter Buddhas wachenden Blick - in jede Himmelsrichtung. Von oben hat man auch ne tolle Aussicht auf ganz Kathmandu.
Wir gehen zurück Richtung Town zum Durbar Square. Heute ist es etwas besser, da es nicht regnet. Wir schauen auch noch in den Tempel der lebenden Göttin, die uns aber nicht mit ihrer Anwesenheit beehrt. Fotografieren ist natürlich verboten, sonst könnten die Kinder, die vor der Tür die Postkarten der Göttin verkaufen ja nicht leben. Muß auch ein hartes Leben sein so als Gott...
Wir schauen uns noch Freak Street an, das ehemalige Hippie Zentrum Kathmandus. Aber viel ist hier nicht übriggeblieben. Wenig los hier.... manche mögen ja die Ruhe dem hektischen Thamel vorziehen, aber mir wäre das zu öde...
Die Irin wird - wie sich herausgestellt hat - nicht mitkommen. Sie meint, sie packt das nicht. Dann machen wir auch noch nen Versuch den ominösen Paul, der sich nicht meldet, zu finden. Und siehe da, er ist da. Er ist noch interessiert, den ganzen Zirkel zu machen...super. Wir beschließen, daß es Samstag - in 2 Tagen - losgeht.
Abends gehen wir zusammen in die New Orleans Bar. Wirklich netter Schuppen. Essen ist auch spitze .. und später am abend gibt's Live Musik vom Besitzer und anderen "Freiwilligen". Paul arbeitet hier in einem Krankenhaus für ein paar Monate. Wie scheinbar viele andere auch. Jedenfalls treff ich davon heute abend viele.
Als der Pub zumacht, gehen wir noch in den Club Underground. Ist ok da, wenn man für 5 Wochen keine Disco mit westlicher Musik gesehen hat...
Zum Glück hab ich für heute keine Pläne gemacht. Nur Shopping steht an. Ich kaufe mir einen Fleece Schlafsack (damit habe ich jetzt zuhause drei Stück in allen Variationen), Regen Cape für mich und meinen Rucksack, Wasserflaschen und die National Park Permit für die Annapurna Region (1000 NRP). Trekking Permits braucht man nicht mehr. Die sind jetzt im Visa enthalten.
Ich checke noch ein paar Travel Agents wegen Tibet. Sieht schon besser aus. Auf alle Fälle sollte ich mir wohl mal ein China Visum besorgen und dann irgendeine Mini Tour machen. Das waren dann auch schon alle Aktivitäten für heute. Abends Dinner mit Paul und Ben im Hotel Panda und heute mal früh ins Bett
Zum Frühstück gleich ne schlechte Nachricht. Paul kommt nicht mit. Er hat irgendwie Probleme mit dem Hospital, wo er arbeitet und außerdem kein Geld... naja vielleicht hat er auch einfach keine Lust. Er scheint jedenfalls nicht gerade energisch an seine Probleme ranzugehen. Nun, dann eben nur zu zweit. Und ich werde dann wohl auch nur bis Jomson laufen und rausfliegen. Es sei denn, ich finde auf dem Weg noch andere Leute, woran ich aber eher nicht glaube.
Am Morgen hatte ich mir ein Fahrrad für den ganzen Tag gemietet, um die Sachen etwas außerhalb zu erkunden. Von Thamel geht es erstmal in Richtung Süden. Nach Bhaktapur ist es weniger als eine Stunde. Es geht aber schon ab und zu rauf und runter. Aber mit Mountain Bike kein Problem. Nur die Busse nerven. Die müssen natürlich immer dann bremsen/halten, wenn es gerade bergrunter geht... und überholen gibt hier immer nen Adrenalin Kick. Ich glaube man ist mit dem Fahrrad fast schneller als mit dem Bus. Ab und zu kommen auch Schilder - sogar in Englisch - so daß es nicht so schwierig ist, den Weg zu finden. Ich orientiere mich immer an den Flüssen, die überquert werden.
In Bhaktapur muß man 300 NRP zahlen um in die Stadt zu kommen. Man kann das wohl vermeiden, wenn man nicht auf der Hauptstraße reinkommt... aber was solls, ist ja für einen guten Zweck. Und die Tempel sind es auch wirklich wert erhalten zu werden. Vom Durbar Square geh ich zum Toumadhi Tole, wo der bekannteste Tempel steht, der 5-stöckige Nyatapola Tempel. Der Aufgang wird von steinernen Tierfiguren flankiert. Ich nehm nen kleinen Snack im gleichnamigen Café, das völlig überteuert und auch nicht schmackhaft ist. Aber es sitzt eh nur jeder wegen der Aussicht hier... und die ist wirklich phantastisch...
Danach folge ich im weitesten Sinne der Walking Route, die im LP beschrieben ist. Es gibt zwar nix spektakuläres zu sehen. Aber dennoch sehr interessant. Relaxte Atmosphäre. Keine Autos in den schmalen Gassen. An vielen Stellen ist Getreide auf großen Tüchern zum Trocknen ausgelegt. Auch ist gerade Schulschluß, so daß es recht lebhaft ist mit lauter Gruppen von Kindern - alle schön rausgeputzt in ihren Schuluniformen... Als ich zum Tachupal Tole komme, entscheide ich, daß ich genug gelaufen habe und geh zurück zum Fahrrad.
Als nächstes steht Patan an. Fast denselben Weg wieder zurück. Dann irgendwann abbiegen. Ca. 30 min mit dem Rad. Ich lande direkt auf dem Durbar Square. Die Tempeldichte ist hier enorm. Aber irgendwie ist es hektischer. Mehr Touristen, mehr Leute, die Touristen Mist verkaufen wollen und mehr Verkehr. Also Bhaktapur hat mir da besser gefallen. Aber es ist trotzdem sehenswert. Besonders der Golden Temple ist sehr schön.
Um 16h bin ich wieder zurück. Ich kaufe noch ein paar Sachen. Um 18h Dinner mit Ben im KCs... ist wirklich sehr gut.
Den Großteil des Gepäcks lasse ich in der Pheasant Lodge, 3 NRP a Day... nicht wirklich Geld... der Sack, den ich abgebe, ist auf alle Fälle schwerer als der Rucksack, den ich mitnehme.
Ich geh früh ins Bett, denn der Bus morgen geht schon um 6.30h...