Teil 3
Als der Zug dann in Varanasi ankommt, ist es fast 15.00. Anstatt der geplanten 9.30 - alle Achtung. Gut, daß ich sonst nix vorhatte....
Dann geht's auch schon los mit den Rickschas. Ein Typ folgt mir vom Gleis aus in den Bahnhof, immer beteuernd, daß er mich zu nichts drängeln will. Er zeigt mir den Weg zur Tourist Info und zum Ausgang, was eigentlich gar nicht zu verfehlen ist. Naja aber mit zu "Quatschern" fahr ich aus Prinzip nicht. Das versteht er jetzt natürlich gar nicht. Ich finde dann einen anderen Fahrer. Aber auch dem muß ich 3x erklären wo ich hin will. Dann erzählen sie mir, daß ich nicht direkt bis ans Ghat fahren kann. Aber das weiß ich auch schon selbst.
Und dann sind da auch noch die Hotel Wallahs. Einer drückt mir andauernd seine Karte in die Hand. Als ich sie dann auf der anderen Seite der Rickscha wieder rauswerfe, scheint er zu kapieren, daß ich nicht interessiert bin. Als ich vom Rickscha Stand zum Ghat laufe (ca. 15 min),läuft auch wieder so ein Fuzzi neben mir her. Germany ist natürlich ganz toll... ob ich denn nicht in sein Hotel kommen wolle. NEIN, will ich nicht. Und das muß ich ihm auch ins Gesicht schreien, bis er es endlich kapiert.
Am Ghat lauern dann die Bootsfahrer. Daß ich mit meinem schweren Rucksack jetzt nicht unbedingt Lust auf ne Bootstour habe, scheint ihnen nicht unbedingt klar zu werden.
Letztendlich komme ich aber doch noch ins Vishnu Resthouse. 90 Rp für ein Zimmer mit Klo und Dusche. Macht nen ganz guten Eindruck, mit netter Terrasse... recht relaxing. Hier werd ich's wohl ein paar Tage aushalten. [Später hab ich Leute getroffen, die erzählt haben, sie hatten Ratten in ihrem Zimmer, naja mir hat's trotzdem gut gefallen]
Am späten Nachmittag bin ich dann an den Ghats entlang geschlendert. Vorbei am Manikarnika Ghat, wo 24h non-stop verbrannt wird. Also ich fand es ja ziemlich eklig, die Leute da an offener Luft zu verbrennen. Zugucken kann man ohne Probleme. Nur Fotografieren ist strengstens verboten.
Morgens Geld wechseln, dann per Cycle Rickscha zum Bahnhof, Tickets reservieren. Lief alles glatt. Ich fand das ja doch irgendwie ein wenig dekadent, sich von so einem armen Kerl durch die Gegend fahren zu lassen. Er strampelt sich einen ab und ich sitz gemütlich hinten drin. Auto Rickschas sind eigentlich schon besser.
Nachmittags geh ich vom Hotel in die andere Richtung bis zum Asi Ghat, wo der Fussweg erstmal zu Ende ist. Dann geht's querbeet durch kleine Gassen zum Durga Tempel, der auch Monkey Tempel heißt. Nun, Affen hab ich aber irgendwie keine gesehen. Auch sonst zwar ganz nett. Aber nicht unbedingt ein must-see.
Ich laufe weiter in Richtung Universität. Bieg dann aber falsch ab und bin auf dem Weg zum Ram Nagar Fort (auf der anderen Seite des Ganges). Man kann mit der "Fähre" rüberfahren. Angesichts dieser bereits extrem überfüllten Nußschale, laß ich das lieber.
Zurück lauf ich dann aber nicht wieder. Das wäre dann doch zuviel. Cycle Rickscha zum Main Ghat kostet 20 Rp. Doch dann passiert ES!!
Es fängt an, zu regnen. Nach 4 Wochen sehe ich das erste Mal wieder Regen ... WOW... und dann kommt's aber auch gleich mächtig runter. Sehr erfrischend, da es auch mächtig abkühlt. Aber ich wird dabei nicht weniger naß als mein Fahrer. Aber ich genieße es richtig durch den Regen zu fahren. Die Straßen sind alle leer. Die Inder kauern alle unter irgendeinem Dach. Sollten sich lieber mal über den Regen freuen....
Dinner eß ich im Garden Restaurant. Ist nicht schlecht. Nur der Service läßt auch hier zu wünschen übrig.

Am Morgen versuche ich ein Fax zu senden. Gar nicht so einfach. Da andauernd Stromausfall ist.
Mittags mach ich mich auf nach Sarnath (etwas außerhalb von Varanasi). Dort hat Buddha seinen ersten Sermon gepredigt. Somit ein heiliger Ort für Buddhisten. Die Hinfahrt kostet 70 Rp mit Rickscha. Der Ort ist sehr schön. Alles sehr ruhig und von viel Grün umgeben. Das Archäologische Museum ist allerdings nicht so prickelnd. Abgesehen von der Spitze des Ashoka Pillars (Säule).
Ich seh mir noch die Burmesische und die Chinesische Monastry an. Dann lauf ich zum Bahnhof. Der nächste Zug nach Varanasi geht allerdings erst um 6.30h. Drei Stunden warten. Da hab ich jetzt aber auch keine Lust zu. Also doch wieder Rickscha. Diesmal kostet es nur 50.
Irgendwie gefällt mir Varanasi sehr gut. Obwohl es hier besonders schlimm ist mit all den Rickscha Fahrern, Geldumtauschern, Haschverkäufern und Bootsheinis... Aber man wird irgendwie gelassener mit der Zeit...
Um 17.30h mache ich eine Bootstour auf dem Ganges für eine Stunde. Kostet nur 30 Rp. Sogar weniger als der vom Goverment vorgeschlagene Preis (50)... Vom Fluß sieht alles noch einmal interessanter aus. Mal sehen, ob ich das morgen noch toppen kann, und es in der Morgendämmerung sehe. Heut morgen war ich ja schonmal zu faul dazu.
Tja hab's wieder nicht geschafft. War aber wohl nicht so schlimm, denn von Sonne ist eh wenig zu sehen. Es sieht ziemlich trübe aus.
Ich mache mich auf den Weg in die Stadt. Eigentlich wollte ich zum Golden Tempel. Also lauf ich in den schmalen Gassen so grob in die Richtung. Aber ich hab's wohl irgendwie verpaßt. Irgendwann versuch ich mich dann zum Fluß durchzuschlagen und komm nach endlosen rechts - links an der Moschee heraus. Tja da bin ich wohl ne ganze Ecke zu weit gelaufen. Also lauf ich am Fluß zurück. Ich bleib ne Weile am Burning Ghat. Ich habe Glück, es ist gerade viel los, da gerade eine lokale Berühmtheit gestorben ist. Ich schau mir das ganze Prozedere mal ne ganze Weile lang an und muß feststellen, daß ich das ganze immer noch nicht mein Ding ist. Menschen in aller Öffentlichkeit verbrennen. Man sieht richtig wie sich das Feuer langsam durch die Holzstapel frißt. Die Toten sind zwar in Tüchern verhüllt, aber man sieht doch deutlich, wie sich immer mehr Teile in schwarze Masse verwandeln.
Auf dem Rückweg finde ich dann auch den Golden Tempel. Für Nicht Hindus ist Eintritt verboten. Man kann aber von einem Balkon die goldene Kuppel beobachten. Aber eigentlich auch nicht sooo prickelnd.
Auffällig ist die enorme Armee Präsenz hier in der Gegend. Haben die Angst, daß die Leute das Gold von der Kuppel kratzen?
Heute war in der Zeitung ein Leserbrief eines Inders, der sich über die Hygienezustände kritisch geäußert hat. Nach dem Motto: In Kargil ist die Mutter Erde heilig, aber überall sonst wird sie mit Dreck beworfen. Wie recht er damit hat. Und ich dachte schon, ich wäre der einzigste, dem das auffällt. Aber was soll man auch machen, Mülleimer gibt's ja keine. Also wirft man das Zeug auf die Straße oder im Wartezimmer im Bahnhof unter den Sitz, damit es schön die Fliegen anzieht...
Anstatt Milliarden in Waffen zu investieren, sollten sie lieber eine Müllentsorgung auf die Beine stellen. Genug Leute, die nix zu tun haben, ham sie ja....
Auch daß es überall an den Ghats nach Pisse stinkt, scheint hier keinen zu stören. Ist ja aber auch kein Wunder. Es stellt sich hier ja jeder einfach an die Hauswand und pinkelt einfach... AUF OFFENER STRAßE. Schon etwas schockierend.....
Soviel dazu ... nach dem Lunch habe ich versucht ins Internet zu gehen. Beim 3ten Shop klappte es dann auch. Internet anbieten tun hier wirklich viele, aber so die Grundlagen des Computers scheinen die meisten nicht zu verstehen, z.B. das man ohne funktionierende Tastatur nicht das Passwort der Internet Verbindung und einiges mehr eingeben kann.
Um 17.20 geht mein Zug nach Agra. Wieder 2nd AC, weil's so schön bequem bzw. teuer war. Der Zug fährt diesmal sogar pünktlich los. Ich hab diesmal Glück und bin in einem "Foreign Tourist"-Abteil. Ein japanischer Freak fährt auch nach Agra. Da können wir uns gegenseitig aufwecken. Ist ziemlich lustig, wenn er versucht Englisch zu sprechen...

Tja das mit dem Sonnenaufgang am Taj Mahal war wohl nix. Denn der Zug hat mal wieder Verspätung. Statt 4.35h war er nach 6.00h da und es war schon ziemlich heller Tag. Tja Indian Rail... Aber ich bin ja froh, daß ich überhaupt angekommen bin. Einen Tag vorher gab es auf der selben Strecke ein schweres Zugunglück...
Wie es der Zufall so will, hat sich mein japanischer Freund dasselbe Hotel wie ich ausgesucht: Hotel Kamal. Zimmer mit Bad kostet 150 Rp. Das Bad ist ziemlich sauber, Western Toilet und gut funktionierender Dusche.
Als erstes mach ich mich dennoch auf zum Taj Mahal. Jetzt also der Höhepunkt der Reise *tataaa*: Und er ist es wirklich. Es ist schon bombastisch, wenn man es zum ersten Mal sieht. Da heute Freitag ist, kostet es auch nix - wie praktisch.
Die Sicherheitskontrollen sind auch krass. Man darf kein Essen mit hinein nehmen, keine Zigaretten, kein Feuerzeug und vieles mehr. Tja meine Tüte Kekse fällt dann leider in den Müll.

Ich laufe so 1 ½ h rum und dann geh ich frühstücken und ausruhen. Gegen mittag zieh ich wieder los. Beim UP Tourism besorg ich mir eine Karte. Ist ne ganz schöne Ecke zu laufen, aber was solls. Rickscha Wallahs sind hier wirklich sehr nervig und aufdringlich. Einer fährt mindestens 15 Minuten neben mir her. Die Leute scheinen es echt nicht zu kapieren, daß andere ihre Füße zum Laufen benutzen und nicht zum Radfahren.
Also laufe ich weiter. Als nächstes zum Agra Fort Bahnhof und erkundige mich nach Zügen nach Fatehpur Sikri. Danach zur Jama Masjid Moschee. Da werd ich aber rausgeschmissen, weil ich eine kurze Hose anhabe. Da zieh ich die zum ersten Mal auf der ganzen Reise eine kurze Hose an, und gleich Banane. Naja hätte ich mir ja auch denken können.Immerhin konnte ich noch ein Foto vom Verbotsschild machen.

Danach zum Red Fort. Ist aber eigentlich nicht so prickelnd. Der oktogonale Tower ist ganz nett, der Rest ist ein Haufen Torbögen. Hat man alles irgendwie schon mal gesehen. Am Fort will mir ein Inder ein geschnitztes Teil anbieten. Erst will er es gegen meine Uhr tauschen. Alter Scherzkeks... aber die Uhr scheint hier sehr begehrt zu sein, war nicht das erste Mal. Dann fängt er an mit 600 Rp. Vorher wollte er sogar Dollar haben. Ich amüsiere mich köstlich, wie er sich immer weiter unterbietet. Am Ende landet er bei 50 (!) . Aber den Kram will ich nicht mal geschenkt haben. Die Agraner scheinen auch einen Tick für SM zu haben. Denn andauernd verkaufen sie hier Peitschen.
Um 17h bin ich wieder am Taj und bereite mich auf den Sonnenuntergang vor. Nun ist es erheblich voller als noch am Morgen. An DEM Fotopunkt, wo sich jeder fotografieren lassen will (Die Bank auf der Plattform mit spiegelndem Wasser im Hintergrund) türmen sich jetzt gruppen-foto-geile Inder und werden sofort unruhig, wenn jemand zu lange braucht. Als ich heute morgen da war, hatte ich fast freie Bahn.
Im Nachmittagslicht zeigt sich das Taj von einer ganz anderen Seite. Es ist einfach interessant nur dazusitzen und zu sehen, wie sich die Farben verändern. Das Problem ist nur, daß wenn man irgendwo sitzt bald eine Horde junger Inder kommt und um einen rum-eiert und einen ANSTARRT.
Ich komm mir teilweise vor wie im Zoo. Das Wort Privatsphäre kennen die hier wohl wirklich nicht. Ich muß aber sagen es sind nur die männlichen, die so schlimm sind. Frauen sind oft netter - vor allem - sehr viel zurückhaltender. Was sie sehr sympathisch macht.
Taj Mahal von nah und fern, tag und nacht....

17.07.99
Am morgen leih ich mir ein Fahrrad für den ganzen Tag. Laut LP eine gute Art rumzukommen. Nun das haben sie bei anderen Städten auch schon geschrieben. Aber das war mir angesichts eines ziemlichen Verkehrschaos immer zu heikel. Aber hier in Agra ist der Verkehr nicht so schlimm.
Als erstes fahr ich zum Himad-du-dunlah - auch genannt Baby Taj - dank einer gewissen Ähnlichkeit. Da ich ja heute vor Rickscha Wallahs sicher bin, erscheint eine neue Spezies der Gattung der indischen Nervensägen: Leute die auf mein Bike aufpassen wollen - gegen Gebühr versteht sich. Tun so als hätten sie die öffentlichen Laternenpfeiler gepachtet. Naja ich vertraue da lieber meinem Spiralschloss aus good-old-Germany.
Weiter geht's in Richtung Norden zurück über den Yamuna und auf den "National Highway No.2". Nun, viel besser als alle übrigen Straßen ist der aber auch nicht... Ganz in meinem Element, mit zwei Rädern unter meinen eigenen Füßen, geht's immer geradeaus. Am Dayal Bagh Tempel fahr ich aber erstmal vorbei. Ich dachte es wäre weiter und eh ich mich versah, war ich schon fast in Sikandra bei Akbar's Tomb. Das ganze liegt in einem netten Park, sehr ruhig. Das tut gut nach dem ganzen hektischen Verkehr. Auch ansonsten ist das Tomb recht imposant. Auf dem Rückweg komme ich dann doch noch zum Dayal Bagh Tempel. Ist aber nicht so prickelnd. Der ganze Tempel ist eine Baustelle seit 1904. Und wird in diesem Jahrhundert wohl auch nicht mehr fertig. Welch Wunder. Ich habe heute auch niemanden arbeiten sehen. Mehr als 100 Jahre, wow. Da wundert es doch, daß sie das Taj Mahal in 22 Jahren gebaut haben. Wahrscheinlich waren die Leute damals noch etwas fleißiger.

Affe mit Kind an Akbars Tomb
Zurück fahr ich immer nach Süden an der MG Road, bis ich irgendwann an der von den Briten angelegten ‚Mall' ankomme. Kurzer Abstecher nach Sadar Bazar, wo viele westliche Geschäfte sind. Muß ich aber nicht unbedingt haben..
Dann weiter die Mall runter. Und irgendwann hechel ich dann in den wohl-klimatisierten Pizza Hut. Mal wieder was westliches. Sauberes Klo, sauberes Alles, und funktionierende AirCon ... klasse.
Danach folge ich Schildern zum ‚Taj Nature Walk'... was auch immer das sein mag. Auf alle Fälle macht der Weg einen unnötigen Bogen. So seh ich aber immerhin die ganzen Nobelschuppen, die sich hier aneinander reihen.
Irgendwann komme ich dann doch am Eingang an - so ziemlich der einzigste Mensch in der Umgebung. Es kommt trotzdem gleich wer, der mir den Garten zeigen will. Doch ich weigere mich hartnäckig. Das kann er gar nicht verstehen, wo er doch gar kein Geld will.
Im Park ist sonst kaum ein Mensch. Ich finde einen Aussichtspunkt aufs Taj. Ein kleines Türmchen. Sehr schön. Dazu schattig und windig. Ich leg mich erstmal hin. Irgendwann kommt ein Gartenarbeiter. Setzt sich neben mich auf den Boden und starrt mich 10 Minuten an. Als ich zurück starre, geht er wieder.
Nach Duschen und Ausruhen geh ich um 6h aufs Dach des Hotels und schau mir von dort den Sonnenuntergang an. Mach mal wieder tausend Fotos vom Taj Mahal, nach jeder Himmelsverfärbung. Es ist eine Sucht, das Taj zu fotografieren. Jeder Winkel jeder Sonnenstand schreit geradezu danach, fotografiert zu werden....
Auf den Dächern laufen eine Menge Affen rum, die sich alle gerne streiten, oder vielleicht zeigen sie sich auch, daß sie sich mögen. Außerdem stehen auf den Dächern überall Leute, die selbstgebaute kleine Drachen steigen lassen.
Taj Ganj Area - da hat Pepsi wohl keine Chance....
Ist es nicht irgendwie des menschlichen Daseins unwürdig, in Badelatschen durch die Gegend zu laufen? Also mir ist das ja schon oft aufgefallen, aber heute war das Maß voll, daß ich es mal zu Papier bringe. Da schlurfen doch die ganzen Touris in Fatehpur Sikri auf 500 Jahre altem Boden rum, als würden sie vom Schlafzimmer zum Klo laufen ... schrecklich. Nun die denken vermutlich, wie hält es der Typ nur in diesen dicken Stiefeln aus. Aber so Trekking Boots sind schon optimal, insbesondere wenn man nicht von jedem A nach B ne Rickscha nimmt.
Nun aber zum heutigen Tag: Ich mache mich früh auf zum Agra Fort Bahnhof um den Zug um 8h nach Fatehpur Sikri zu nehmen. Als ich am Bahnhof ankomme, heißt es 1 Stunde Verspätung. Kommen tut er dann 1 ½ h später. Ich stürz mich hinein, um einen Platz zu ergattern. Nun das wäre nicht nötig gewesen. Der Zug ist ziemlich leer. Nach langer Wartezeit geht's dann endlich los. Aber ups die Richtung ist irgendwie falsch. Es geht zurück über die Yamuna zur Yamuna Bridge Station. Und da wird's dann auch nochmal lustig. Erst geht's wieder vorwärts, um irgendwohin Waggons abzukoppeln. Dann wieder zurück. Dann wird die Lok von hinten nach vorn gefahren, was alles Stunden dauert. Dann geht's wieder zurück zum Agra Fort Bahnhof und sage und schreibe 3 Stunden später um 11.00h geht's los. Die Fahrt selbst dauert nur ne Stunde und kostet ganze 8 Rp.
Wenn man in Fatehpur Sikri ankommt, wird man erstmal von Millionen Guides belabert. Sie zeigen einem dann alle ihre pseudo offiziellem Ausweise und versuchen sehr seriös zu wirken... echt amüsant. Aber auch diesmal geh ich lieber allein. Beim UP Tourism gibt's ne Broschüre mit allem Wissenswerten. Das reicht mir. Dafür genieße ich lieber die Ruhe und spazier alleine über das Gelände. Auch wenn ich dadurch kostbare Informationen verpasse. Ich glaub, ich war so ziemlich der einzige da, der keinen Guide hatte.
Zuerst schau ich mir aber die Mosque noch außerhalb des Geländes an. Hinein kommt man durch ein imposantes Portal. Drinnen ist u.a. das Grab des Propheten der Akbar Söhne prophezeit hat, die dann auch gekommen sind. Aus Dank hat er gleich seine Hauptstadt hier angesiedelt. War aber nicht von langer Dauer. Denn schon bald wurde es die Geisterstadt, die es noch jetzt ist. Eigentlich habe ich mir das Gelände größer vorgestellt. Aber es ist trotzdem sehr interessant...

Um 15h sitze ich aber schon wieder im Bus zurück nach Agra (15 Rp). Dauert eine Stunde. Vom Bus Stand laß ich mich wieder zum Pizza Hut fahren, weil's so schön war, und zieh mir ein Meal for Two rein....
Das Essen in der ganzen Taj Ganj Area ist nicht so der Bringer. Da muß man wohl in andere Ecken gehen. Gutes Essen hatte ich am ersten Tag in der Nähe vom Fort Bahnhof. War sogar ne Bar angeschlossen. Sehr praktisch. Zu einem guten Essen gehört halt auch ein Bier.
Eigentlich beschäftigen mich ganz andere Gedanken: Wie soll die Reise weiter gehen? Ich habe zwar das Flugticket für den 21.7 nach Bangkok. Aber irgendwie ist mir nicht mehr nach Thailand. Ich würde lieber in die Berge. Erst ein bißchen auf ner Hill Station in Indien relaxen und dann nach Nepal und dort im Himalaya trekken. Naja, ich muß morgen mal sehen, was mich die Cancellation des Fluges kosten würde. Ich habe mir auf alle Fälle schon mal den LP Nepal gekauft und schmiede Pläne...
Damit gerüstet geh ich zum Taj Nature Walk um von dort den Sunset zu beobachten. Ist wirklich ne coole Location. Und überhaupt keine Touristen hier, nur Einheimische. Klar, steht ja auch nicht im LP.
Die Stelle ist optimal, weil von hier die Sonne hinter dem Taj untergeht. Es ist schon immer wieder beeindruckend. Ich hab jetzt bestimmt schon 100 Fotos vom Taj geschossen. Naja ein wenig übertrieben, aber fast....
Während ich da so auf dem Hochsitz hocke, kommen immer wieder Gruppen von jungen Leuten - auch Studenten, wie sich oft in Gesprächen herausstellt. Wenn ich so irgendwo sitze, unterhalte ich mich ja auch gerne (es sei denn sie starren mich nur minutenlang an)... aber wenn ich irgendwo lang laufen und jemand sagt schon fast in Befehlston "sit down, i wanna talk to you"...nee, das erntet bei mir nur Kopfschütteln...
Heut steh ich um 05.00 auf und krabbel aufs Dach. Um den Sunrise zu bestaunen, doch leider ist nicht viel zu sehen. Es ist total bewölkt und von Sonne ist nichts zu sehen. Also geh ich ne halbe Stunde später wieder ins Bett. War wohl nix mit Sonnenaufgang am Taj. Gegen 10h check ich aus und mach mich auf den Weg zum Agra Cantt Bahnhof.
Der Zug geht pünktlich um 12h und ist nach 3 ½ Stunden in New Delhi. Ich bring meinen Rucksack zum Cloak Room und lauf dann zum Connaught Place E-Block zu Aerotrek Travels. Die Cancellation des BKK Flugs kostet 1700 Rp. Geht ja noch. Der Flug nach Kathmandu kostet 107 USD. Die Leute sind sehr hilfsbereit und nett bei Aerotrek. Danach zieh ich zum McDonalds.. nach 4 Wochen mal wieder... das muß sein...
Ich will heute noch nach Kathgodam fahren und von da nach Nainital - einer Hill Station. Früher von den englischen Kolonialisten und heute von Touristen besucht, um der Hitze zu entkommen. Als ich zum Railway Booking Office komme, ist es schon fast 19h. Hoffentlich krieg ich noch einen Platz im Sleeper nach Kathgodam. Es klappt... um 23h geht's los von Old Delhi Rlway Station...
Vorher schlender ich noch ein wenig durch DIE Traveller Meile - Main Bazar, damit ich es wenigstens auch mal gesehen habe. Danach komme ich in den Genuß meines zweiten Regens in 4 Wochen... und es kommt ganz schön was runter. Ich surf ein wenig im Internet und kaufe mir eine Decke. Denn es geht mir nicht so dolle... leichtes Fieber, Kopfschmerzen und ein allgemeines Schwächegefühl.
In der New Delhi Railway Station kann ich mich gerade noch zur Toilette retten. Ich glaub ich nehm jetzt besser dauerhaft Immodium. Hilft ja alles nix... steh ich halt dauerhaft unter Drogen, was solls...
Die Rickscha Fahrer spinnen auch alle. Wollen alle 50-75 Rp für die Fahrt zur Old Delhi Railway Station weil angeblich Nacht Zuschlag ist.... so ja nich... Nach einiger Zeit fährt mich doch einer für 30 Rp.
Der Zug ist um 22h schon da. Ich muß feststellen, daß ich außen liege. Zwar nur 2 Betten übereinander. Aber dafür sind die Betten auch erheblich kürzer. Na toll, also Beine ausstrecken ist da nicht....
Die Nacht im Zug war meinem Gesundheitszustand nicht gerade förderlich. Ziemlich unbequem. Ich schlafe kaum... Dementsprechend geht es mir auch nicht besser, als der Zug um 6.30 in Kathgodam einrollt. Von einem Bus ist nix zu sehen. Ich fahre daher mit einem Shared Taxi nach Nainital. Der Minibus ist etwas voll. Ich sitze noch mit einem anderen Fahrgast und dem Fahrer zu dritt vorne. Eingeklemmt zwischen Handbremse und Gangschaltung. Immer wenn der Fahrer schaltet, greift er mir zwischen die Beine.... nun, ich hab's ohne sexuelle Belästigung überlebt...
Auf der Strecke ist die Landschaft schon klasse. Irgendwie schon mehr wie zuhause. Hat was von Schwarzwald oder Schweiz. Auch das Wetter ist vertraut ... es regnet in einer Tour. Aber dafür ist es angenehm kühl.
In Nainital steuere ich das Hotel Gauri Niwas an. Ich bekomme ein Zimmer mit eigenem Bad und s/w TV für 150 Rp. Macht nen guten Eindruck... Room Service gibt's auch.
Als erstes hol ich mal mein langes Hemd und den Fleece ganz unten aus dem Rucksack raus. Wer hätte gedacht, daß ich die nochmal brauche.
Um 11.30 geh ich aus dem Bett, um zuhause anzurufen. Danach wieder ins Bett. Da bleib ich dann auch bis 16.00h, da es mir nicht wesentlich besser geht... Gegen 17.00h bewege ich mich dann aber doch mal. Es hat inzwischen aufgehört zu regnen und sieht ganz gut aus.
Der Ort liegt malerisch um den See herum. Die Gipfel rundherum sind aber alle in den Wolken. Gefällt mir auf Anhieb gut hier. Ich kaufe mir noch ne Karte der Umgebung und laufe einmal um den See rum zurück zum Hotel. Auf der großen Fläche am anderen Ende des Sees findet ein Fußballspiel statt. Daß es hier sowas gibt.... Nunja die Meister ihres Fachs sind sie aber nicht gerade. Aber es zieht eine ziemlich große Menschenmasse an. Die Leute sind hier auch ok. Ich wurde bisher nur einmal angesprochen als mir jemand einen Pferde-Ausritt andrehen wollte.

Am morgen check ich mal das Tourist Office. Was gescheites haben die aber auch nicht. Jedenfalls an Karten nichts besseres als ich schon habe. Lunch esse ich im Capri Restaurant. Da kein Strom da ist, gibt's nur kalte Küche. Ist aber gut... Danach laufe ich hinter dem Standard Hotel den Berg hoch. Nach einigen Kurven kommt man zu einer Tibetanischen Gompa mit vielen Gebetsfahnen. Viel sieht man allerdings nicht, da es ziemlich diesig ist. Aber es wird besser, je später es wird.
Als ich am nachmittag nach einer ausgiebigen Mittagsruhe wieder aus dem Hotel komme, ist sogar blauer Himmel. Ich laufe in Richtung ‚High Altitude Zoo'. Nehm aber irgendwie die falsche Abzweigung. Aber der Umweg wird doch eine sagenhafte Aussicht belohnt. Nach einiger Zeit merke ich dann auch, daß ich falsch bin. Wieder zurück, finde ich dann auch den Zoo. Ist aber schon zu. Also die Karte ist wirklich alles andere als dolle. Da erinnert man sich wehmütig an die guten OS Maps aus Schottland, wo jede Hecke eingezeichnet ist.
Zum Dinner gehe ich ins Embassy Restaurant. Es sieht sehr gepflegt aus und macht auf Style. Aber alles nur Fassade. Skeptisch werde ich schon als das Essen blitzschnell da ist. Dementsprechend schmeckt es nämlich auch. Ziemlich eklig das Chicken. Aber ich war halt hungrig...
Morgens wieder dasselbe Bild: Regen und Nebel, daß man nicht mal das andere Ufer des Sees sieht. Also bleib ich erstmal auf dem Zimmer, guck TV und les und plane...
Gegen Mittag geh ich dann los. Esse im Nanak Restaurant nen Burger und lese Zeitung. Da war heute sogar ein Bericht über die deutsche Nationalmannschaft vor dem Confederations Cup drin. Die hatten wohl gerade nix über Cricket zu schreiben. Obwohl es ja sonst für die kein Problem ist, Seiten mit diesem Sport zu füllen.
Gegen 13.30h lauf ich los in Richtung Naina Peak. Auf dem Hinweg links rum. Es ist ganz schön steil und anstrengend. Es dauert 2h bis ich oben bin. Der Gipfel liegt bei 2600m. Immerhin ein Anstieg von 600m. Die Aussicht ist nicht so prickelnd, da es sehr nebelig ist. Aber wenn mal ein Loch in der Wolkendecke aufreißt, ist die Sicht phantastisch. Wieder runter ist nicht weniger anstrengend und geht ganz schön auf die Knie. Irgendwann komme ich wieder auf die Straße. Und da wie eine Fata Morgana: Ein Soft Drink Stand. Ein Geschenk des Himmels, mein Wasser ging nämlich zur Neige. Von dort ist es auch nicht mehr weit zum Snow View. Also die Maßstäbe auf der Karte mal wieder total daneben.
Man merkt gleich, daß hier mehr Touristen hinkommen. Nämlich daran, daß sich ein Soft Drink Stand an den nächsten reiht. Vom Aussichtsturm ist aber leider außer Wolken nichts zu sehen. Bei gutem Wetter soll man ja von hier den Himalaya sehen können. Naja nicht so schlimm. Werd ich schon noch in Nepal genug von sehen.
Zurück gehe ich dann durch Pine Gardens und immer bergrunter zurück ins Tal. Gegen 18h bin ich wieder zurück im Hotel. Dinner esse ich im Capri Restaurant. Es gibt auch Bier. Kostet satte 100 Rp, da es erst mit dem Mofa geholt wird. Ist schon komisch wie das Bier serviert wird. Sowohl Glas als auch Flasche werden in Papier Servietten eingehüllt. Damit auch ja keiner sieht, daß hier Alkohol getrunken wird. Naja nicht gerade unauffällig...

Heute schlaf ich bis halb 11. Muß wohl am Bier gelegen haben.
Für 12.30 habe ich mich für die Lake Tour angemeldet. Kostet 80 Rp. Das Wetter ist durchwachsen. Aber die Sicht in die Täler runter ist gut. Ich habe den Königsplatz erwischt. Vorne im Bus neben dem Fahrer. Von hier hat man die beste Sicht. Man sieht auch als erster, wenn's in den Abgrund geht. Dafür kann man sich dann wohl auch nix mehr kaufen. Manchmal muß man schon den Atem anhalten auf diesen engen kurvigen Straßen...
Die Tour steuert insgesamt 3 Seen an. Die Seen an sich sind aber nicht so prickelnd. Es ist mehr die Fahrt dahin, die interessant ist. Die lohnt sich wirklich. Grüne Hügel mit Terrassen und Häusern, wo man sich fragt, wie kommen die da bloß hin? Um 18.30 ist der Bus wieder in Nainital. Ein Trip der sich gelohnt hat.
Zum Dinner geh ich ins Wood's Restaurant im Hotel Alka. Etwas teurer aber immerhin ganz gutes Essen.
Um 10h check ich aus dem Hotel aus. Ich hab nen langen Tag vor mir und weiß nicht so recht was ich mit meiner Zeit anfangen soll. Gegen 10.30 starte ich zum Tiffins Peak - auch Dorothy's Seat genannt. Es geht recht steil berghoch. Und obwohl die Distanzen und Wegführungen auf der Karte mal wieder nach dem Prinzip Zufall sind, finde ich den Weg. Am besten folgt man immer dem Pferde Mist. Ich glaube ich bin der einzige der hier zu Fuß unterwegs ist. Alle anderen Leute kommen mir hoch zu Ross entgegen...
Der Weg ist aber auch alles andere als gut. Er besteht aus lauter großen Steinen. Die irgendwie in die Landschaft geworfen wurden, aber überhaupt nicht zueinander passen und somit das laufen ziemlich erschweren.
Den Gipfel auf 2200m hat man erreicht, wenn man die blecherne Hindi Musik der Soft Drink Stände hört. Da das Wetter heute besch... ist, ist die Aussicht gleich null.
Im nicht enden wollenden Nieselregen marschiere ich weiter. Es ist erst 11.30h. Irgendwie scheint die Kilometerangabe mit 4,5km nicht so ganz zu stimmen, denn soviel bin ich in einer Stunde bestimmt nicht gelaufen. Bis zu Land's End soll es nur ½ km sein. Also lauf ich los, es nahezu um die nächste Kurve erwartend. Ich lauf und lauf... seh aber nix. Hab ich wohl übersehen denk ich. Falsch gedacht. Nach einer ganzen Weile komme ich zu einer Soft Drink Bude mit angeschlossener Aussichtsplattform, was Land's End darstellt. Wenn man mehr als 50m sehen würde, bestimmt ganz toll. Aber so könnte heute überall Land's End sein. Es stellt sich heraus, daß die Distanz nicht ½ sondern 2 Km beträgt. Der Weg führt dann weiter zurück in Richtung Nainital. Um halb 2 bin ich wieder zurück.
Eigentlich viel zu früh. Ich ess erstmal was im Nanaks. Das Wetter regt auch nicht dazu an, irgendwas zu unternehmen. Also geh ich ins Hotel, hol meinen Rucksack und ab zur Bus Station. Ich krieg nen Bus um 3h nach Kathgodam. Das ganze dauert insgesamt 75min und ist wie immer haarsträubend. Beinahe hätten wir einen überholenden Mopedfahrer vom Kühler kratzen können.
Ich habs überlebt und hänge jetzt hier im Waiting Room ab und muß die Zeit bis 20.45 überbrücken. Dann geht der Zug nach Delhi, der hoffentlich halbwegs pünktlich morgen um 5h da ist. Mein Flug nach Kathmandu geht um 11.15..
Das war dann wohl der letzte Eintrag in Indien. Die letzte Woche hier in den Bergen war auf alle Fälle sehr entspannend, nach den anstrengenden und manchmal nervigen Wochen vorher. Aber ein Erlebnis war es allemal...