Rajasthan

Teil2


Jaipur

27.06.99

Am Morgen geht's mir nicht wesentlich besser. Das Frühstück kann ich auch nicht lange bei mir halten. Da hat es mich ja ziemlich schnell erwischt. Also such ich als erstes eine Apotheke. In Delhi bin ich da nicht zu gekommen.

Gegen mittag mache ich mich zu Fuß auf in Richtung Pink City. Es ist doch alles recht weitläufig hier. Deshalb halte ich es auch nicht sehr lange draußen aus. Ich verbringe daher den Nachmittag im Hotel. Dann finde ich überraschend heraus, daß der Formel 1 GP übertragen wird. Ich hätte ja gar nicht gedacht, daß der Fernseher funktioniert. Immerhin etwas...

Indisches Fernsehen ist ja der reine Hohn. Überall freundliche, glückliche, gutaussehende Menschen. Komischerweise hab ich das noch nirgends gesehen. Es ist doch alles ziemlich erbärmlich und runtergekommen, selbst im Zentrum von Neu-Delhi oder so touristischen Städten wie Jaipur. So schlimm hatte ich mir das nicht vorgestellt...


City Palace - Jaipur

 

28.06.99

Heute geht es mir schon wieder besser. Ich behalte sogar das Frühstück bei mir.
Um 9h beginnt die Full Day Tour Jaipur und Umgebung. Der Bus ist voll, aber ich bin der einzige Westerner. Überhaupt sieht man sehr wenige andere Touristen, höchstens mal einen Haufen Japaner.

Die Tour startet in Pink City mit dem Palast der Winde und dem City Palace. Ausländer werden besonders zur Kasse gebeten: 110 Rupees.... die sich noch nicht mal lohnen. Alle anderen zahlen nur 30 Rps oder so. Der Kamera Zuschlag ist auch wieder happig.

Danach geht's zum Amber Fort, dem Höhepunkt der Tour. Vorher wird noch an einem staatseigenen Handicraft Shop gestoppt. Sieht zwar alles ganz toll aus, aber man darf nicht annähernd interessert gucken. Dann wird man die Leute nie wieder los....Ich mache mich dann Guides abwimmelnd zu Fuß auf zum Fort. Man kann auch den Elefanten nehmen, aber das kostet stolze 400 Rp pro Tier.

Das Fort ist sehr schön. Sowohl von innen als auch von außen. Die Kulisse mit dem See davor ist schon sehr malerisch. Ich habe mich von meiner Gruppe abgeseilt und laufe noch etwas durchs Dorf. Aber sehr viel weiter als bis zum ersten schattigen Soft Drink Stand komme ich nicht. Puh, ist das heiß...


Amber Fort

Es werden noch zwei weitere Forts angefahren, von denen man eine gute Aussicht auf Jaipur hat. Ist doch schon ne Riesenstadt...man unterschätzt das völlig, wenn man auf die kleinen Bildchen im Lonely Planet guckt.
Zurück in Jaipur wird noch ein Tempel besichtigt. Da man die Schuhe ausziehen muß, erweist sich das auf dem heißen Boden als ziemlich schmerzhaft.

Zum Abschluß geht's ins Planetarium, wo eine nette Sternenshow geboten wird. Allerdings nur auf Hindi, so daß ich außer Hubble und Space Shuttle nix verstehe. Irgendwie wie den ganzen Tag schon. Der Guide schien Englisch zu sprechen. Zumindest versuchte er es ab und zu. Ich hab ihn aber nicht verstanden. Zum Glück gibt's auch nette Inder in der Gruppe, die mir ab und an mal was übersetzen.

Chittaurgarh

29.06.99

Gestern abend um 22.10h ging der Zug von Jaipur los. Sleeper Class, diesmal ohne AC. Und man merkt den Unterschied deutlich. Es gibt hier 6 Betten und ich fühle mich doch etwas eingepfercht so unter dem Dach. Dann kommt auch noch ne Großfamilie, die sich zu fünft zwei Bänke teilt. Wenn der Zug fährt hält man es mit dem Fahrtwind aber noch ganz gut aus. Aber ohne Ohrenstöpsel läuft natürlich wieder gar nix.

Um 6.30 kommen wir pünktlich in Chittaurgarh an. Ich steuere ein Hotel an, daß direkt am Bahnhof liegt. 100 Rps mit Bad auf dem Flur. Nicht gerade toll, aber egal.

Gegen 11h mach ich mich auf dem Weg in die Stadt, zum Fort. Jenes ist etwa 6km weg und hat einen Umfang von 13km. Also ziemlich groß. Deswegen werden einem auch überall Sightseeing Touren per Rickscha angeboten. Aber darauf habe ich keine Lust. Ich lasse mich nur in die Stadt und zum Fort hoch fahren, danach laufe ich. Eintritt 50 Rps. Einen Guide brauche ich auch nicht. Bei dem wenig Englisch, das die können, erzählen die auch meist nicht mehr als im Reiseführer steht. Ich genieße es einfach nur über das Gelände zu schlendern, selbst wenn ich dann nicht weiss, wer welchen Turm wann und wieso gebaut hat...

Das Fort ist sehr schön. Ruhig, wenig Leute und bei einer leichten Brise auch recht angenehm. Es gibt innendrin einige Tempel und Türme zu besichtigen, die sehr interessant sind. Viele Touristen kommen aber wohl doch nicht hierher. Überall werde ich angestarrt. Aber sonst sind die Leute alle sehr freundlich hier und winken etc. Bin wohl sowas wie eine seltene Spezies hier.....

Udaipur

30.06.99

Um 8.15 fahr ich mit dem Bus weiter nach Udaipur (40 Rp). Der Rickscha Fahrer hatte erstmal versucht mir einzureden, daß der nächste Bus erst in zwei Stunden fährt. Und in der Zeit könnte ich ja noch ne Sightseeing Tour mit ihm machen.....nein danke...

Der Bus braucht 3 Stunden für die 115 km. Es ist schon recht schaukelig. Es wird oft gestoppt und der Bus ist immer voll. Ich und mein sperriger Rucksack sind aber wohl das größte Reisestück. Die drei Stunden im Bus haben mir eigentlich schon gereicht, um von längeren Bustouren in Zukunft abzusehen. Aber es wird sich wohl nicht vermeiden lassen. Und diese plärrige Hindi Musik, die ganze Zeit volles Rohr auf die Ohren.... oh mein Gott...was wäre ich nur ohne meine Ohrstöpsel....

Die Landschaft unterwegs ist nicht gerade aufregend. Alles ziemlich karg hier. Und die Dörfer sehen auch alle gleich aus. Kurz nach 11h ist der Bus pünktlich in Udaipur. Am Bus Stand bekomme ich auch gleich einen Rickscha Fahrer, der mich anstandslos zu meinem gewünschten Hotel fährt. Es ist nicht voll, überflutet, abgebrannt oder einfach nur "no good", was sie angeblich alle oft sagen.

Ich übernachte im Evergreen Guesthouse in der Old City direkt am See. Man hat einen ausgezeichneten Blick auf das Lake Palace Hotel, wo Teile des James Bond "Octopussy" gedreht wurden. Deswegen wird der Film hier auch jeden Abend in jedem Café gezeigt.

Mein Zimmer kostet 150 Rp mit eigenem Bad. Und der Raum ist wirklich gut. Das beste, was ich bisher hatte. Auch die gesamte Atmosphäre ist sehr nett. Alles so um einen Innenhof herum. Hübsche Dachterrasse. Und auch viele andere ausländische Touristen hier. Da fühlt man sich schon nicht mehr wie so ein einsames Alien.
Nach dem schon gewohnheitsmäßigen Verschnaufen im Hotel mach ich mich nachmittags auf zum City Palace. Ein ziemliches Gewirr von Straßen dahin. Der Palast ist sehr schön. Ich gucke mir aber heute nichts mehr an. Auf alle Fälle lasse ich morgen dann meine Kamera zuhause, denn der Camera Fee ist mal wieder Wucher.

Danach schlender ich weiter durch die Straßen, über eine Brücke zur gegenüberliegenden Seite des Sees. Von dort hat man eine gute Sicht auf den City Palace und die Old City. Auf dem Weg dahin, geht es durch unendlich viele kleine Gassen. Überall spielen Kinder und überall höre ich "hellohelloohelloohelloooo", danach ein "yourname" oder "country". Mag ja mal ganz nett sein. Aber auf die Dauer nervt das. Vielleicht sollte ich mir ein T-Shirt drucken mit Name, Nationalität usw. und auf der Rückseite noch "NO Rupee, NO Chocolate, NO Pen". [später in Nepal hab ich solche T-Shirts gesehen]

Man kann hier nicht mal 5 Minuten seine Ruhe haben. Da ist man dann irgendwie schonmal genervt. Und die Leute verstehen es auch nicht, daß man irgendwann keine Lust mehr hat über sein Land zu reden und einfach nur mal irgendwo sitzen möchte. Naja, in einem so stark bevölkerten Land wohl kein Wunder. Zum Dinner geh ich aufs Rooftop des Hotels. Sehr schöne Atmosphäre. Ruhig und super Aussicht auf das beleuchtete Lake Palace Hotel. Dazu geht die Sonne über den entfernten Bergen unter - malerisch...


Lake Palace Hotel - Udaipur

 

01.07.99

Was für ein Erwachen. Mal kein Gehupe und sonstiger Lärm. Sondern herrliche Stille. Ja, das Hotel hat schon was für sich. Dann schönes Continental Breakfast. Alles für 3 Mark. Alles so schön billig hier...
Vormittags geh ich zum City Palace. Kamera laß ich wohlweislich zuhause. So kostet es nur 25 Rp, sonst 75 Rp. Für eine Videokamera nehmen sie sogar 300! So schön es auch von außen ist, innen will ich eh nicht fotografieren. Guide brauche ich auch nicht, obwohl das natürlich so "impossible" ist. Nunja, an den meisten Teilen stehen Sachen in Englisch. Und so genau interessieren mich die Sachen nun auch nicht. Es reicht mir, daß es toll aussieht...und das tut es.

Nachmittags mach ich mich auf zur Railway Station. Dabei geht's durch einen Park, wo's auch einen Zoo gibt. Die Tiere sind aber nicht so dolle... tun einem eher leid. Über Umwege finde ich auch den Bahnhof. Ganz ohne Rickscha. Fragen tut man besser auch nicht. Dann wird man eh nur vollends verwirrt und 3 Leute zeigen vermutlich in 6 verschieden Richtungen.

Am Bahnhof habe ich mein Ticket von Jodhpur nach Varanasi (immerhin 24 Std.) auf 2-Tier AC upgegradet. Das kostet zwar 50 DM mehr, aber das ist es mir wert bei der langen Tour. Zurück laufe ich auch noch. So groß ist die Stadt eigentlich nicht. Alles ist gut zu erreichen. Recht beschaulich. Gefällt mir ziemlich gut hier.
Ich besorg mir noch Pillen gegen Halsschmerzen. Ich glaube ich hatte noch nie eine so gut ausgerüstete Apotheke. Aber dafür geht's mir auch wieder gut. Bis jetzt haben alle Pillen gut gewirkt. Ein Hoch auf Imodium!


City Palace - Udaipur

02.07.99

Am Morgen laufe ich zum Fateh Sagar, dem zweiten großen See. Am Moti Magi gibt es ein nettes Steingarten, aber alles in allem nix besonderes. Ich verspüre auch nicht das Verlangen auf die Insel Nehru Park überzusetzen. Sieht nicht so prickelnd aus. Also zurück.
Ich ändere noch meinen Flug nach Bangkok auf 21.07, also eine Woche früher. Dharamsala und der Dalai Lama müssen also erstmal ohne mich auskommen. Es hätte eh gut sein können, daß es um diese Zeit da unendlich regnet. Außerdem habe ich für Sonntag einen Bus nach Jodhpur gebucht.
Am nachmittag mache ich eine einstündige Bootstour (150 Rp). Man hat dabei eine gute Sicht auf die Stadt und den Lake Palace. Mal sehen, vielleicht gehe ich ja nochmal zum Essen rüber. Außerdem gibt's einen 20minütigen Stop auf Jagmandir Island.
Für 18h habe ich einen Trip zum Monsoon Palace (Sunset Point) gebucht. Ich bin der einzige. Zahl aber trotzdem nur 60 Rp. Da haben sie wohl Verlust mit gemacht. Der Sonnenuntergang ist heute leider nicht so gut. Aber es ist trotzdem ganz schön.

Sonnenuntergang am Monsoon Palace


Waschen am Lake Pichola - Udaipur

 

03.07.99

Letzter Tag Udaipur. Es gibt eigentlich nicht mehr viel zu tun. Gegen mittag ziehe ich in Richtung Dudh Talai los - ein Hügel auf der anderen Seite der Stadt. Ist aber auch nicht so weit, wie es von unten aussieht. Den Berg hoch kommt man etwa in 15 min. Von oben hat man eine gute Aussicht in alle Richtungen, besser als vom Monsoon Palace, weil's nicht so weit weg ist. Und keine andere Menschenseele da. Ist ja klar. Man kann ja auch nicht mit der Rickscha hoch fahren...

Da denselben-Weg-zurücklaufen ja langweilig ist, geh ich auf so einer Mauer-Treppe, die steil den Berg runterführt, wieder zurück. Naja ein offizieller Weg war das vielleicht mal vor 100 Jahren. Das Ding gehört zu der Ruine, die oben noch steht.Aber irgendwie komme ich doch unten an - zwischen ein paar Häusern. Und werde von einigen Leuten etwas komisch angeguckt...

Am nachmittag kaufe ich Postkarten im Pack und die Schreiberei beginnt.
Außerdem kaufe ich mein erstes Souvenir. Ein Riesen Elefant auf Stoff gemalt oder gedruckt. Handgemacht oder nicht. Egal, sieht trotzdem cool aus. Macht sich bestimmt gut über dem Bett. Kostenpunkt 30 DM. Bestimmt immer noch überteuert, aber was soll's. Der Verkäufer hat so nett gejammert, daß das ja schon 'Off-Season-Discount' wäre und bald sowieso keine Touristen mehr kommen, wenn mal die ersten A-Bomben fallen. Naja hoffentlich warten sie damit bis ich weg bin.

Hier werden auch viele kleine Puppen verkauft. Die sind auch ganz hübsch und gar nicht so teuer. Aber was soll ich wirklich damit. Außerdem nehmen sie zuviel Platz weg.
Abends wieder mal im Evergreen GH gegessen. Ist zwar nicht so dolle, aber immerhin schön bequem. Gestern war ich im Rose Rooftop Restaurant. Da war das Essen besser, aber der Service miserabel. Ich war der einzige Gast. Man hatte ne nette Aussicht auf den City Palace und aus dem Tempel nebenan kam Live Musik.

 

Jodhpur

04.07.99

Um 8.30h geht's los nach Jodhpur. Private Bus ist schon mal etwas besser als der letzte. Nur "2x2" und deshalb auch schon voll "Deluxe". Naja wie man's nimmt...über Luxus kann man streiten. Kostet immerhin nur 90 Rp. Aber die 7 Stunden nach Jodhpur sind ganz schön schlauchig. Das wird hoffentlich meine letzte Bustour in Indien gewesen sein. Aber Züge fahren hier - entgegen dem LP - leider nicht.

15h Ankunft in Jodhpur. Sobald die Rickscha Wallahs mein weißes Gesicht ausgemacht haben, schlagen sie sich beinahe, um mich fahren zu dürfen. Schwierig überhaupt aus dem Bus rauszukommen. Da ich gerade keine Peilung habe wo ich bin, ist es auch ganz praktisch. Ich lasse mich zum Govind Hotel fahren. Weit war's nicht. Hätte ich wohl auch laufen können. Ich zahle 130 für Zimmer ohne Bad. Naja ich bin nicht völlig begeistert von der Top-Empfehlung des LP. Ziemlich anonymes Loch. Aber die Dachterasse hat eine super Aussicht auf das Fort. Nur hält man es da in der Sonne leider nicht aus...

Danach eine Episode in der Post: Eigentlich wollte ich nur meine Postkarten abschicken. Ist zwar Sonntag. Aber da sitzen 5 Leute rum. Einer tut was. Und das auch noch ziemlich langsam. Von allen Seiten drängeln Inder. Dann erzählt er mir, daß es 8 Rp kostet. Mal neun wären 72 Rp. So weit ok. Doch dann zeugt er mir ein ganzes Blatt mit 1 Rp Marken. Meint er, ich klebe 8 Marken auf eine Karte. Dann ist ja kein Platz mehr für Text... Ich schüttele nur noch den Kopf, aber er lacht nur. Bereit mächtig drauf zu zahlen, will ich dann 10er-Marken nehmen. Die hat er dann angeblich nicht. Wir tauschen noch ein paar Nettigkeiten aus und ich verlasse fluchtartig diese Post.

Naja jedenfalls bin ich von Jodhpur schonmal bedient. Die Stadt gefällt mir überhaupt nicht. Das Fort sieht zwar von der Ferne ganz nett aus. Aber unten in der Stadt ist irgendwie Mega Smog. Und das Wetter ist auch wieder besch... heiß. Udaipur war da wohl ne Ausnahme vom Klima her. Und jetzt schlägt die Wüste unbarmherzig zurück. Morgen versuche ich den Tag-Zug für übermorgen zu buchen. Damit ich nicht noch bis spät abends hier rumhängen muß. Diese hier viel angepriesenen Village Safaris interessieren mich auch nicht so besonders. Dafür habe ich heute mal gut gegessen im Kalinga Restaurant. Zwar etwas teurer aber immer noch mehr als erschwinglich.
Nebenan ist auch noch ne Bar, wo ich mir erstmal ein Bier genehmige. All das geht im Hotel Govind nicht. 1. Gibt's da nur Müsli (Vegetarisch) 2. Ist Alkohol verboten.


Aussicht vom Fort auf die typischen blauen Häuser Jodhpurs
 

05.07.99

"Tüt", "Tröt" und "Tataaa" - das Chaos hat mich wieder. Wie soll man da nur ausschlafen können. Der Verkehr ist einfach das reinste Chaos - und ohne hupen geht da nix. Und wer die schönste Hupe hat, hat vermutlich Vorfahrt. Ja es gibt schon melodische Hupen mit Melodie. Die müssen dann auch noch einmal öfter angewendet werden .... einfach nur so...

Morgens: Zug umbuchen auf Tag Zug. Sleeper gibt's da leider keinen. Nur erste Klasse. Teurer aber nicht besser. Dann Postamt. Zweiter Versuch. Wow, es gibt doch noch Leute, die Ahnung haben (bezeichnenderweise eine Frau)
Dann Bank: Wenn man dachte Deutschland wäre bürokratisch, dann hat man Indien noch nicht gesehen. Das Wort "Service" kennen die hier nicht.

Gegen mittag mache ich mich auf zum Fort. Vorbei am Clock Tower und einem Markt. Dann durch die schmalen Gassen der Altstadt in Richtung Fort. Irgendwo gibt es einen Fussweg hoch zum Fort. Es geht ganz schön berghoch. Und dann noch diese Hitze.
Um 13.30 komme ich oben an. Bis 14.30 machen die Mittagspause. Der Typ am Tor läßt mich trotzdem durch. Obwohl er gar nicht verstehen kann, daß ich das Museum nicht besuchen will. So kostet der Palast nix. Wieder 100 Rp gespart. Mich interessiert eh nur die Aussicht und der Palast von außen. Museen haben mich noch nie begeistert.

Vom Fort hat man eine klasse Aussicht auf die Altstadt mit den ganzen blauen Häusern. In der Ferne sieht man auch den Umaid Bawan Palace. Sehr imposant. Jetzt ein Hotel, aber leider nicht meine Preisklasse.
Auf dem Rückweg gehe ich noch am Jaswant Thunda Memorial vorbei. Ganz nett. Kostet 10 Rp.
Ich kann auch auf dem Rückweg den Rikscha Fahrern widerstehen und laufe. Ich muß mich ja irgendwie an die Hitze gewöhnen, wenn ich in ein paar Tagen auf Wüsten Safari gehen will.
Diesmal Dinner im Govind Roof Top Restaurant. Die Pizza ist zwar etwas mickrig aber ganz ok.


Im Fort - Jodhpur

 

Jaisalmer

06.07.99

Nicht viel passiert heute. Den ganzen Tag im Zug gesessen und so langsam eingesandet. Tja man merkt, daß man in die Wüste kommt. Erste Klasse hat schon was für sich. Ich habe 4 Plätze und einen Tisch ganz für mich alleine. Aber die Fahrt ist auch ganz schön lang...und langweilig....

Am Bahnhof in Jaisalmer wird es echt krass. Die Bahnhofshalle ist von der äußeren Welt durch eine Art Gitter getrennt. Und sobald ich die Bildfläche betrete, zerfleischen sich die Leute hinter dem Gitter fast, um mich in ihre Rickscha bzw ihr Hotel zu locken. Die Fahrt ist immer "umsonst" - wenn man denn zum Hotel ihrer Wahl fährt. Schließlich lande ich einer Rickscha, die mich zum Hotel Swastika bringen soll. So weit so gut. Tut sie natürlich nicht. Sie fahren mich zu irgendeinem Golden Palace Hotel, was natürlich ganz toll ist. Außerdem sind auch gerade viele Deutsche da, angeblich ... bla bla. Wenn ich sage ich komm aus Timbuktu, sind wahrscheinlich auch viele Timbuktesen (?) da. Bei solchen Methoden bleibe ich im Prinzip nicht. Da kann das Hotel noch so gut sein. Es war auch irgendwie nicht sehr zentral gelegen glaube ich.

Also fahren wir zum Swastika weiter, was der Typ natürlich gar nicht verstehen kann.  Leider stellt sich heraus, daß das Swastika gerade renoviert wird. Also lauf ich zu Fuß los in Richtung Hotel Fort View. Verlauf mich zunächst, komm dann aber doch noch an. Ich bekomme ein super Zimmer mit Aussicht auf's Fort für 150 Rp. In der Saison ist das natürlich wesentlich teurer. Aber er ist ziemlich froh, daß er überhaupt einen Gast hat. Natürlich kann ich auch gleich eine Safari buchen, aber damit warte ich erstmal noch. Ist ein wenig schlecht, daß ich alleine bin. Das treibt den Preis in die Höhe. Und außerdem habe ich auch keine Lust das ganze alleine zu machen.

07.07.99

Am vormittag war ich erstmal auf der Suche nach einer Safari. Thar Safari und noch so eins gegenüber und das Tourist Info hatten allerdings alle keine anderen Buchungen vorliegen. Das ist natürlich doof...
Danach lauf ich noch zum Gadi Sagar See und entspann da erstmal im Schatten. Ist ganz nett da, mit vielen kleinen Tempelchen am und im Wasser.
Zurück im Ort schau ich bei Sahara Travels rein, bei "Mr Desert" - in zweiter Karriere Fotomodell und Indiens Malboro Man. Er ist ziemlich cool und sehr nett. Er hat für morgen schon eine Buchung. 2 ½ Tage - genau das was ich gesucht habe. Kostet 950 Rp, Wasser extra. Da schließe ich mich an.

Mühsam schlepp ich mich zurück ins Hotel. Die Hitze macht mich ganz schön fertig. Gegen 18h mach ich mich auf zum Sunset Point. Sunset gibt's zwar noch nicht und dauert wohl auch noch ne Weile. Aber die Aussicht auf Stadt und Fort ist bilderbuchmäßig.


Aussicht vom Sunset Point

Jetzt sitze ich im Restaurant Trio und freue mich, daß ich es mal wieder geschafft habe, den ganzen Tag keine Ricksha zu benutzen. Das Trio ist zwar etwas teurer, aber hoffen wir mal, daß es gut ist....Das war es.... excellent. Bestes Essen in Indien so far....

08.07.99

Um 9.00 hab ich meinen Rucksack bei Sahara Travels abgeliefert. Danach Frühstück. Diesmal woanders, aber auch nicht besser ... das kriegen die hier wohl nicht hin. Mein einziges gutes Frühstück hatte ich bisher in Udaipur.
Am Vormittag schau ich mir die Patwan Haveli an und lauf ein wenig durch die Gassen der Altstadt ... sehr interessant. Vor allem wahnsinnig viele Kühe auf den Straßen. Havelis waren die Häuser von reichen Indern - oft Kaufleuten. Heute allerdings oft verfremdet zu Teppich Shops. Aber immer noch sehr schön. In einige kann man auch reingucken.


Haveli - Jaisalmer

Street Life in Jaisalmer

Danach zum Fort. Ich fühl mich eigentlich nicht so dolle. Ich muß aber die Zeit bis 15.30 noch totschlagen. Am Eingang des Forts ist eine Art Museum. Eintritt 30 Rp. Lohnt sich aber nur wegen der Aussicht. Die Sachen sind öde. Danach lauf ich noch ein wenig im Fort rum, mach aber öfter Pausen. Ich denk die ganze Zeit, daß mir mein Frühstück wieder hochkommt ... tut's aber nicht ...

Ich setz mich in den Schatten und les erstmal Zeitung. Wieder die neuesten Nachrichten von unseren heroischen Helden an der Front, die Hügel um Hügel zurückgewinnen. Welch ein Patriotismus... Ungestört lesen ist aber natürlich nicht drin. Die normalen Leute kann man ja ganz gut ignorieren, indem man einfach nicht von seiner Zeitung hochschaut. Nervig sind nur die Musikanten, die einen dauernd umzingeln und was auf ihrer selbstgebastelten Fiedel vordudeln. Die Instrumente werden natürlich auch verkauft... aber was soll man damit. Ich hab das Gefühl hier sind mehr Fiedler als Touristen...


Jaisalmer Fort

 

Camel Safari

Um 15.30 ging's los. Zuerst per Jeep nach Badabagh (sehr sehenswert), Grabstätte für Mitglieder der königlichen Familie. Dann weiter noch immer per Jeep nach Ludorva (nicht so sehenswert), der ehemaligen Hauptstadt der Gegend, bevor es Jaisalmer wurde. Übrig geblieben ist noch ein Jain Tempel.


Badabagh

Dann zum Kamelstützpunkt. Es ist also soweit. Ich besteige mein erstes Kamel. Mit mir zusammen sind noch 2 Franzosen und ein Paar aus Israel (für 1 ½ Tage) - wir ziehen 2 ½ durch. Jeder hat ein eigenes Camel. Dazu noch zwei Kameltreiber - Vater und Sohn - und ein Ersatzkamel. Die Treiber sprechen ein wenig Englisch und sind sehr nett.

Für den ersten Tag geht's nur 1 Stunde in die Sam Sanddünen. Es kommt Sahara Feeling auf. So muß eine Wüste sein. Das ist aber nur ein sehr kleiner Abschnitt der Thar Wüste. Der Rest ist eher eine Steppe mit einigermaßen viel Grün sogar. Aber die Dünen sind den Ausflug schon wert. Und der Sonnenuntergang - sagenhaft! Zum Dinner gibt's Reis, Gemüse und Chapati... spartanisch aber gut.


Sam Sand Dunes

Sonnenuntergang in der Wüste

 

09.07.99

Die Nacht war ziemlich windig und leider überhaupt nicht kalt, bzw. die Decken waren zu dick. Aber schlafen direkt unter einem so bombastischen Sternenhimmel das hat schon was. Morgens dann mit Sonnenaufgang aufwachen ... Cool!

Beim Frühstück hab ich allerdings keinen Hunger. Die Israelis verabschieden sich schon jetzt, weil sie meinen es wäre zu heiß. So heiß ist es aber eigentlich gar nicht. Es weht meist eine angenehme Brise.

Am vormittag stehen 4 Stunden Reiten auf dem Programm. Wenn man langsam reitet ist es auch noch recht bequem. Übel wird's nur wenn die Viecher galoppieren. Da wird man ganz schön durchgeschüttelt. Dementsprechend tun Oberschenkel und Hintern auch gehörig weh. Hoffen wir mal, daß es unsere zwei Treiber am nachmittag etwas ruhiger angehen lassen.

Bevor es weitergeht, aber erstmal eine ausgedehnte Mittagsruhe in Mussordi mit Lunch. Insgesamt von 12h bis 16h ... naja erstmal entspannen und der Mittagshitze aus dem Weg gehen. Sobald wir irgendwo ankommen, kommt auch gleich das ganze Dorf und versammelt sich um uns. Uns Touris starren die Kinder an, während die Älteren aufs heftigste über etwas diskutieren ... was auch immer sie da reden mögen...


Kamele brauchen auch ihre Pausen

 

Am nachmittag geht's zum Glück nur noch eine Stunde zum Geisterdorf Kuldhara. Es sind keine Touristen da und auch sonst keine Menschenseele aber eine Kasse gibts trotzdem. Kostet 10 Rp und ist ganz nett. Man lernt doch die Vorzüge der Zivilisation schätzen, wenn man sie nicht hat. Wie z.B. eine Dusche. Deswegen freue ich mich schon als ich ein wenig Wasser in einem See finde und wasch mich erstmal. War auch nicht giftig, hat mir der Kameltreiber hinterher gesagt.

Wir übernachten auf einem Plateau oberhalb eines ausgetrockneten Flußbetts. Unten im Sand können angeblich Cobras und Skorpione sein. Aber die kommen nicht auf den Stein hier hoch. Naja wollen wir's hoffen.

10.07.99

So die Nacht wurde überlebt. Es kamen keine Tierchen angekrabbelt. Zumindest hab ich sie nicht bemerkt. Zum Aufwachen gibt's erstmal ne schöne Morgenröte - nicht schlecht. Halb Acht geht's los. Für 3 Stunden erstmal im gemütlichen Tempo nach Amarsagar, wo es einen Tempel und einen ziemlich versifften See gibt. Außerdem macht ein Inder extra für uns seinen Brettervorschlag auf und verkauft uns eine lauwarme Coke für viel Geld... aber man wird weniger wählerisch nach 2 Tagen Wüste...


Amarsagar

Insgesamt sind es heute nur 15km, gestern waren es 30km. Nach dem Lunch - wie immer dasselbe (Reis, Gemüse und ausgezeichnete Chapatis) - geht's weiter. Nur etwas mehr als eine Stunde nach Jaisalmer. Langsam nähert man sich auf dem gemächlichen Kamel dieser imposanten Festung in der Wüste. Heute geht's die ganze Zeit langsam voran, da der Untergrund sehr steinig ist. Naja uns allen ist es recht. Das tut Beinen, Hintern und jetzt auch Rücken sehr gut.

Gegen 15h sind wir zurück bei Mr. Desert. Das Gepäck ist auch noch da. Was will man mehr. Ich geh ne Runde Internet surfen und dann zum Dinner wieder ins Trio. Endlich wieder Fleisch und vor allem endlich mal wieder was anderes - obwohl das einfache Essen auch sehr gut war.

Also die Safari hat sich auf alle Fälle gelohnt. Und wenn man's länger macht gewöhnt man sich bestimmt auch an das Kamel. Um 22.30 nehm ich den Zug nach Jodhpur.

11.07.99

Der Zug fuhr ne Stunde später los und war voll mit Soldaten, die wohl bald ihr Vaterland in Kaschmir verteidigen dürfen. Ich hab aber auch gut geschlafen. Deswegen gingen die 8 Stunden auch gut rum. Um 6.00 bin ich wieder in Jodhpur - meiner "Lieblingsstadt". Immerhin gibt's im 1st Class Waiting Room ein Bad mit Dusche. Und es ist schon verdammt deluxe, wenn man es mit dem Dreckloch in Jaisalmer vergleicht. Da hat es ziemlich übel gestunken. Trotzdem war ein Soldat nach dem anderen drin. Die erste Dusche nach 3 Tagen tut verdammt gut. Kommt der Sand wieder aus den Poren.

Ich frühstücke im Kalinga Restaurant. Um 9.00 geht's weiter. 24 Stunden non-stop nach Varanasi. Aber auch dieser Zug fährt ne Stunde später los. Scheint zur Gewohnheit zu werden. Das Ticket kostet 1500 Rp (75 DM). Ist dafür aber auch 2nd AC mit nur 2 Betten übereinander und wesentlich vertrauenerweckenderen Passagieren. Der Zug hat's aber voll drauf. Bei jedem größeren Stop hat er eine Stunde Verspätung mehr.