Nach dem Frühstück im B&B braucht fast den ganzen Tag nix mehr essen. Um 10.15 nehme ich den Bus nach Broadford (Skye). Die Juhe ist gebucht. Der Osteransturm scheint vorbei zu sein. In Fort William hält mich auch nichts mehr. Der Ben Nevis lockt zwar, aber das Wetter und die Jahreszeit lassen es wohl nicht zu. Schließlich liegt doch noch ne Menge Schnee, und das ist mir dann doch ein wenig heikel. Immerhin fahren hier noch Leute Ski!
Die Busfahrt geht entlang am wirklich sehr schönen Loch Lochy (bestimmt auch mal einen Walk wert die Gegend). Schließlich wird auch der Cluanie Inn passiert - der unrühmliche Endpunkt meiner Schottland Fahrradtour vor 2 Jahren. Immer noch herrscht Groll. Aber die Landschaft ist auch hier viel schöner als ich es in Erinnerung habe. Naja war halt ein übler Tag damals.
Um ca. 13.00 bin ich in Broadford. Die Juhe macht einen sehr netten Eindruck und ich buche gleich für 2 Tage. Danach rüste ich mich erstmal mit Kartenmaterial aus. Im Ort hat sich auch einiges getan. Es gibt jetzt einen riesigen Co-op. Tja die Zivilisation breitet ihre Klauen aus. Ist wohl über die Skye Bridge geschlichen. Für viele ja sowieso der Anfang vom Ende. Und es stimmt schon, eine Insel die man einfach per Brücke erreicht bringt nicht den kompletten Insel Flair.
Eigentlich sollte das ja heute ein ruhiger Tag zum relaxen werden- Nunja wurde es eher nicht. Um 8.00 mache ich mich auf zum Cycle Hire. Das kostet £8 für ein recht gutes Mountain Bike. Sobald ich den Hof verlasse, fängt es an zu nieseln. Ein schlechtes Omen.
Ziel ist Elgol (15 Meilen entfernt) und von dort eventuell per Boot zum Loch Coruisk. Der Typ meinte es dauert 2 Stunden dahin. Naja müde lächelnd radele ich vom Hof, 15 Meilen, also bitte, gerade mal 24 Km. Sollten ja wohl kein Problem sein. Denkste - waren sie doch.
Schon bei den ersten kleinen Hügeln merk ich es in den Beinen. Tja, da bin ich wohl doch etwas außer Form. Hab ja auch seitdem ich in Manchester bin, nicht mehr geradelt. So mühsam quäle ich mich um die Runden. Aber als ich dann fast da war - der Wind hatte inzwischen kontinuierlich zugenommen (natürlich von vorne) - gab ich auf. Habe ca. 20 min hinter einem Felsen gewartet, um wenigstens etwas Schutz zu haben. Aber der Regen ließ einfach nicht nach und das bei dem Wind. Also wieder zurück.
Danach erstmal das Superstore aufgesucht, da es ja morgen erstmal für 3 Tage in die Wildnis geht - ohne Shop etc.
Um 10.10 geht der Bus nach Sligachan, naja ist eher ein Kleinbus. Sobald ich die Bushaltestelle in Sligachan verlasse, fängt es auch schon an zu regnen. Und es sollte auch noch eine Weile so weitergehen.
Zunächst geht es für 500m entlang der Straße nach Dunvegan. Dann zweigt der Weg nach links ab (sogar ausgezeichnet mit Glenbrittle). Der Weg ist ja soweit ganz schön, mit plätschernden Bächen, Wasserfällen in Hülle und Fülle.... nur: irgendwie ist der ganze Weg ein Bach, mal ganz abgesehen von den reissenden Wildbächen, die überquert werden müssen. Da kann man dann seine wasserfesten Schuhe auch vergessen, wenn das Wasser von oben reinläuft. Und dann noch der Regen, der Wind und der schwere Rucksack, in dem essen für 3 Tage ist. Meine Stimmung sinkt...
Zu allem Überfluß habe ich mich auch noch verlaufen. Da ich keine Zeit hatte, bei dem Wetter die Karte rauszuholen, bin ich an einer Abzweigung vorbeigelaufen und habe mich ganz umsonst einen Berg hinaufgequält.
Dafür konnte ich aber, als sich die Wolken für kurze Zeit zurückgezogen haben, ganz in der Ferne den Loch Coruisk sehen - sehr malerisch. Aber ansonsten das Hauptproblem. Es ist zu diesig, die Wolken hängen zu tief. Man kann noch so schöne Berge erklimmen, aber man sieht von oben einfach nix.
Nunja nach einer „Abkürzung“ (total durch den Matsch) komme ich wieder auf den richtigen Weg. Bald kommt auch schon die rettende Straße in Sicht. Aber bevor man da hinkommt: Der absolute Höhepunkt. Der bisher breiteste und tiefste Bach. Obwohl recht schön - mit Wasserfall - doch recht schmerzhaft. Alles was gerade anfing wieder leicht anzutrocknen - komplett naß....
Nach ein wenig Laufen auf der Straße, hält ein Auto neben mir an, fragt ob er mich mitnehmen soll. Ich nehme dankend an. Die Juhe ist noch zu als ich um 15.00 ankomme. Es ist eine von diesen „limited“ Juhes, die erst um 17h aufmachen. Auch ansonsten nicht zu vergleichen mit Broadford, kleine Küche, 28er (!) Schlafsaal anstatt 4er.
Kaum bin ich da, wird auch das Wetter besser. Hoffen wir mal, daß es so bleibt morgen.
Nun das mit dem Wetter wird wohl nix. Schon die ganze Nacht über hat es gestürmt. So gegen 10h breche ich trotzdem auf. Der Weg beginnt direkt gegenüber der Juhe. Ziel ist der Sgurr na Banachdich (3166 ft).
Es geht zunächst entlang eines kleinen Baches gemächlich den Berg hinauf, an einigen Stellen etwas glitschig, aber ok. Nach ca. ½ Stunde wird dann der Pfad verlassen. Jetzt geht es recht steil den Berg hinauf. Naja das Heftchen „Selected Walks on Southern Skye“ sagt es sei 'worth the effort'. An einem schönen Tag vielleicht. Aber außer trüber Milchsuppe links und rechts ist leider nichts zu sehen.
Ich bin dann immer mühsamer zu deutenden Trampelpfaden gefolgt. Die Richtung ist ja klar: hoch. Fragt sich nur wie weit. Irgendwann wird dann der Bach überquert und es geht steil hoch auf einer Geröllpiste nach oben. Man rutscht doch öfter mal weg. Das Problem ist aber eher, daß man nicht sieht wo man eigentlich hinläuft. Nach einiger Zeit komme ich zu einer etwas flacheren Stelle. Dies ist dann wohl die 'Ridge'. Von hier aus geht es dann weiter hoch zum Gipfel. Irgendwann nach erheblicher Kraxelei ist man dann ganz plötzlich oben. Noch ein Stück nach rechts und der Gipfel ist erreicht. Mein erster Munro!!!
Welch Stolz einen da überkommt. Das hält aber nicht allzulange an, da es beginnt einem überall abzufrieren. Es ist ziemlich eisig hier oben. Dazu noch der Wind, an einer stelle liegt sogar noch Schnee. Ach ja und die Aussicht. Einfach 'atemberaubend'. Ich würde mal schätzen 50m in jede Richtung. Mehr auf keinen Fall.
Nun auf zum Abstieg. Munter rutsche ich vor mich hin. Irgendwann merke ich, hmm, irgendwie ist das nicht der Weg, den ich hergekommen bin. Naja das ungute Gefühl bestärkt sich mehr und mehr. Es gibt gar keine halbwegs sichtbaren Trampelpfade und es ist verdammt steil. Es gibt auf alle Fälle einen enormen Adrenalin Kick, wenn man auf einem Berg steht und sich fragt, wie komme ich da nur lebend und in einem Stück wieder runter. Naja irgendwie ging's dann doch. Teilweise echt haarig. Im Sommer wäre das wohl nicht so schlimm. Aber so, durch den Regen sind die Steine alle glitschig und somit gefährlich.
Höhepunkt war wohl die Kraxeltour durch eine nahezu senkrechte Schlucht eines Baches. Wenn schon Wasser dann halt richtig. Das sind so die Sachen, die einen bestimmt lange an diesen Urlaub erinnern werden.
Irgendwann klärte es dann noch etwas auf für einen kurzen Moment. Und ich wusste nun auch wo ich war, nämlich ein Tal weiter südlich. In der Ferne auf der anderen Seite des Tals war sogar ein Pfad auszumachen. Also wieder ein neues Ziel im Auge. Dieser Pfad ist sogar auf der Karte und führt vorbei an einem wunderschönen Wasserfall und kommt an der Glenbrittle Hut raus.
Also nochmal überlebt. Morgen werde ich mich wohl lieber in flacheren Regionen aufhalten.
Die Wettervorhersage verheißt nichts gutes: Regen. Und ganz besonders schlimm - na wie sollte es anders sein - auf Skye.
Trotzdem mache ich mich auf den Weg. Warm eingepackt und schon mal vorsichtshalber alles wichtige in Plastiktüten eingewickelt. Langsam habe ich nämlich die Befürchtung, daß meinen Geldscheinen sonst die Puste bzw. Farbe ausgeht.
Ich marschiere runter zum Campingplatz. Doch da hört dann überraschend der Regen auf. Jetzt geht's an einem Pfad entlang in Richtung End of the World. Naja ganz so weit sollte ich leider nicht kommen. Der ganze Weg glich ja schon eher einem Wildbach, aber dann kommen noch die richtig heftigen, die mit Wasserfällen ins Tal donnern.
Um zum Punkt zu kommen: Gleich beim ersten machte es *plumps* und ich lag im Wasser. Zu allem Überfluß spülte mich die Strömung auch noch 1-2 Meter weiter in Richtung Meer. Na toll. Alles naß ... triefend. Außerdem auch noch den Oberschenkel aufgeschlagen. Das wird ein schöner blauer Fleck. Tja irgendwie hat mich da wohl meine Sprungkraft im Stich gelassen. Ein Bein hatte schon den rettenden Stein erreicht, aber das andere wollte wohl nicht mitziehen. Und zack weggerutscht und reingefallen. Naja was solls weitergehts. Komischerweise friere ich gar nicht. Die große erkältung kommt wohl erst morgen [kam zum Glück nicht]. Oder bin ich inzwischen schon gegen sowas abgehärtet nach 1 ½ Wochen Wildnis.
Der zweite Bach dieser Art hat sogar eine Brücke, wow. Der dritte leider nicht. Ich laufe hoch und runter, finde aber so recht keine passende Stelle. Da ich keine Lust habe wieder reinzufallen, kehre ich lieber um. Hätte ich wohl besser schon am ersten gemacht. Aber hinterher ist man immer schlauer.
Bei meiner nächsten Annäherung an den Todesbach bin ich besonders vorsichtig. Nach einer ganzen Weile berghoch laufen, finde ich auch eine Stelle, an der ich rüber komme und nur mit den Füßen im Wasser stehe. Was lehrt uns das? Naja denke ich später drüber nach.
Da es noch recht früh ist und das Hostel noch zu, mache ich einen Abstecher durch den Wald hinter der Juhe und zurück auf der Straße. Nicht spektakulär aber immerhin eben und trocken. Auf der Straße werde ich von den Wardens im Auto überholt, gefragt ob ich mit will. Aber heute brauche ich noch keinen Lift. Eher morgen früh, um aus dem Nest rauszukommen. Busse fahren nämlich im Moment nicht, da Ferien sind.
Heute gibt's nicht viel zu schreiben. Ich habe von einem älteren Ehepaar einen Lift nach Broadford bekommen. Dann um 11h mit dem Bus nach Kyle of Lochalsh (£2) und dort umsteigen in den Zug nach Inverness, da keine Busse fahren heute. Zugfahren ist aber doch teuer. £14 kostet die Strecke. Morgen geht's dann wieder mit dem Bus weiter.
Immerhin wieder Großstadt, ich übernachte im Eastgate Backpackers, £8,90. Nette Atmosphäre. Außerdem esse ich das erste mal seit 2 Wochen nicht aus der Dose oder Spaghetti sondern koche mal richtig, Chicken Sweet and Sour.
Heute dann um 13.30 ab Inverness nach Thurso, dem Ausgangspunkt für die Orkneys. Vormittags habe ich das erste Mal seit einer Woche die Sonne wieder gesehen. Als ich um 17.00 aus dem Bus steige, regnet es wieder. Die ganze Strecke von Inverness hierher hat nicht unbedingt viel zu bieten. Und Thurso eigentlich auch nicht. Ich übernachte im Thurso Hostel, kostet £8 aber dafür Einzelzimmer. Irgendwie ist das hier ein Studentenwohnheim mit angehängtem Hostel, nicht so einladend ansonsten von der Atmosphäre her. Viele Touristen scheinen sich hierhin auch nicht zu verirren.