Teil 3

11. Tag (25.08.1997)

Uig - Stockinish

Eintrag: 25.07.97, 20:30, Stockinish YH

Ein bescheidener Tag liegt hinter mir. Erst hänge ich in Uig rum. Ich fahre ein wenig durch die Gegend, suche einen Ort, der auf der Karte Peinlich heißt. Den Ort gibt's aber irgendwie nicht in der Realität. Naja wäre ein schönes Foto geworden.

Um 14h geht die Fähre. Vorher hänge ich noch im YH herum, lese die Times und erfahre, daß Schumi in Spa gewonnen hat. Na, immerhin etwas. Gegen 16h kommt die Fähre in Tarbert an. Ich mache mich auf den Weg gen Süden nach Stockinish und der Höllentrip beginnt.

Erst einmal geht es steil berghoch. Und ich habe das Gefühl, es geht die ganze Strecke nur berghoch. Denn immer wenn es leicht bergab geht, wird es vom Wind gleich wieder aufgehoben. Letzterer ist so stark, daß er einen fast vom Rad weht. Als es doch irgendwann bergab geht, merke ich, wie mir plötzlich hinten die Luft aus dem Reifen geht.

Mit dem ganzen Gepäck will das Fahrrad aber nicht mal mehr schieben, also alles runtergeworfen, und sieh da jetzt hat sich auch noch ein Gummi nett in meinem Rad verhakt. Dann klimpert es plötzlich merkwürdig, und um mein Glück komplett zu machen, sehe ich das eine Speiche gebrochen ist, na das kann ja eine schöne Eierei werden.

Denn der einzige Bike-Shop auf der Insel ist in Stornoway. Als ich das Rad auseinandernehme, merke ich erst, daß ich hinten fast kein Profil mehr auf dem Reifen habe, und an einer Stelle hat der Mantel ein Loch. Jetzt brauche ich wohl auch noch einen neuen Mantel.

Aber jetzt mal zu Harris. Die Insel ist merkwürdig. Alles ist steinig, wo man hinguckt, sieht man Steine. Die Häuser sehen alle gespenstisch aus. Aber die Landschaft ist schon interessant. Nur ist mir heute die Lust darauf vergangen. Was auch noch merkwürdig ist, ist daß hier überall kaputte Autos und anderer Schrott auf den Grundstücken herumliegt und vor sich hin rostet. Naja schon ein merkwürdiges Volk hier. Das Youth Hostel ist wirklich sehr „simple": Kein heißes Wasser, Toiletten auf dem Hof, aber immerhin nicht so voll.

12. Tag (26.08.1997)

Stockinish - Stornoway

Eintrag: 26.8.97, 20:00, Stornoway Hostel

Nach dem Frühstück mußte ich als meinen „Beitrag" die Waschbecken sauber machen. Na das war ja nicht so schlimm. Übler war es schon, nachts nach draußen aufs Klo zu gehen. Erst muß man sich Schuhe anziehen, und dann ist es auch verdammt kalt, nur im Schlafanzug. Also erst einmal geht es zurück nach Tarbert, in dieser Richtung macht es doch schon viel mehr Spaß. Hinter Tarbert geht's ins „Hochgebirge".

Die Berge sind hier zwar längst nicht so hoch wie auf dem Festland, aber die Straßen scheinen direkt über den Gipfel zu gehen. Ganz schlimm wird's, wenn der Wind von der Seite kommt, dann weht man fast vom Fahrrad. Überhaupt der Wind: Ich habe ja noch Glück, daß ich nach Norden fahre, einem mir entgegenkommenden neuseeländischen Paar geht es da schon schlechter. Da ich noch recht früh dran bin, nehme ich die Abzweigung nach Callanish, nach Westen.

Die Strecke, besonders aber der Rückweg wird zur reinsten Qual. Die Standing Stones sind recht sehenswert. Immerhin kostet es nix und man kann sich in der Mitte völlig frei bewegen, ganz ohne Zäune. Mit dem Fahrrad würde ich den Umweg aber nicht noch einmal machen.

Dann hätte ich auch noch die Fähre um 14h gekriegt und wäre noch heute von dieser verdammten Insel heruntergekommen. Die Insel ist ja ganz interessant, aber nicht mit dem Fahrrad. Außerdem ist der Nordteil der Insel, also Lewis, auch nicht mehr so interessant wie Harris. Es ist alles ziemlich flach mit viel Landwirtschaft, aber nichts wirklich interessantes zum Gucken.

Gegen 15h komme ich in Stornoway an. Ich lasse meine gebrochene Speiche reparieren, was mich £5 kostet. Stornoway ist erstaunlich groß und zum ersten Mal entdecke ich so etwas wie Leben auf dieser Insel. Sonst ist es nämlich alles gespenstisch ruhig. Wenn Sonntag wäre, hätte ich das ja noch verstanden, aber es ist mitten in der Woche. In Stornoway gibt es eigentlich nichts sehenswertes. Das Castle ist aus der Nähe betrachtet recht häßlich, hat nur einen schönen Park. Das beste an dieser Stadt ist die Fähre zum Festland. Das Hostel ist ganz o.k., es kostet £8, das Problem ist nur, daß das Office erst um 20h geöffnet wird.

13. Tag (27.08.1997)

Stornoway - Gairloch

Eintrag: 27.8.97, 18:30, Gairloch Hostel

Ich habe es geschafft. Ich bin um 5h aufgestanden und war um 5:30 am Ferry Terminal. Die Ferry geht zwar erst um 6:15, aber den Leuten hier scheint es Spaß zu machen, die Leute warten zu lassen. Die Fähre ist ziemlich leer und so kann ich mich gut ausbreiten und noch ein wenig pennen. Das Aufstehen hat sich immerhin gelohnt, da ich so einen schönen Sonnenaufgang über dem Meer gesehen habe. Gegen 9h kommt die Fähre in Ullapool an. Ich halte mich hier nicht lange auf und nehme die A835 nach Süden. Ziemlich viel Gegenwind. Kurz vor Braemar zwei ziemlich fiese Berge aber ich treffe hier ein paar Radfahrer, die sich alle oben auf dem Berg erstmal ausruhen müssen.

Kurz vor der Abzweigung auf die A832 liegen die Wasserfälle von Carrieshalloch. Den Touristenautos zufolge müßte hier eigentlich was zu sehen sein. Aber ganz so toll ist es dann doch nicht. Auf der A832 geht es noch ein paar Kilometer nur bergauf. Dafür geht es dann auch ein paar km bis Dundonnel nur bergrunter. Es geht den Little Loch Broom entlang und in die Gruinard Bay, wo ein paar ganz schöne Strände sind.

Das Wetter ist allerdings nicht so toll. Es hat zwar den ganzen Tag nicht geregnet, aber die Sonne scheint auch nicht. Es ist bewölkt aber trotzdem recht warm, aber das wichtigste: es ist verdammt windig. Da die Straße am Anfang einen Bogen nach Norden macht, kommt er am Anfang noch von hinten. Aber als es dann gen Süden auf Poolewe zugeht, kommt der Wind sturmartig von vorne, so daß es ab und zu einfach keinen Sinn macht weiterzufahren.

Die Inverewe Garden kurz vor Poolewe sehe ich mir nicht an. Ich sehe es nicht ein £4,50 für ein paar tropische Pflanzen auszugeben, wobei es vielleicht sensationell erscheint, daß so etwas hier wächst. Aber das ist mir eigentlich auch egal, ich fahre doch nicht nach Schottland um Palmen zu sehen. Auf dem kurzen Stück von Poolewe nach Gairloch ist es noch mal ganz schön bergig und nur ein an mir vorbeiziehender anderer Radler weckt noch einmal meinen Ehrgeiz, mich Wind und Bergen nicht geschlagen zu geben.

In Gairloch übernachte ich im Achtercairn Hostel in einer Appartement Anlage, es kostet nur £7 und was sehe ich als ich die Tür aufmache: 2-Bett-Zimmer, das ist ja schier unglaublich. Am Anfang war es noch ziemlich gespenstisch, weil ich ganz alleine da war, aber eben ist eine französische Großfamilie angekommen. Mit meinem wenig Französisch konnte ich aufschnappen, daß sie Probleme damit haben, daß es nur zwei Duschen gibt. Die haben Probleme...

14. Tag (28.08.1997)

Gairloch - Dornie

Eintrag: 28.8.97, 20:00, Dornie

 

Ich hatte tatsächlich das ganze Zimmer für mich alleine und auch von den Franzosen wart nichts mehr gesehen. Also habe ich das ganze Hostel für mich alleine gehabt. Gegen 9h mache ich mich auf den Weg, denn ich habe heute viel vor, bis nach Dornie, ca. 100 Km, und ich rechne mit Gegenwind. Das erste Stück in Richtung Süden ist recht angenehm zu fahren, bis man zum ersten Mal auf den malerisch gelegenen Loch Maree blickt.

Das Wetter ist mal wieder ziemlich gut, schon so früh am Morgen. Bis nach Kinlochlewe wird es wieder richtig windig, natürlich von vorne. In Kinlochlewe bleibe ich auf der A832 Richtung Westen. Den Weg über Torridon schenke ich mir, denn er ist weiter und glaube ich auch bergiger. Hinter Kinlochlewe beginnt das Glen Docherty, tückischer Berg und knallharter Gegenwind, so daß man auch bergrunter nicht über 30 Km/h kommt. Aber von oben hat man eine tolle Aussicht.

In Achnasheen geht's nach Osten, und mit ein wenig Rückenwind geht es ganz gut. Im Glen Carron geht es recht flott bis Strathcarron. Auf dem Weg bis Stromeferry („No Ferry") sind zwei super steile Berge, die man nicht mal runter fahren kann, weil man ständig bremsen muß. Hinter Stromeferry kommt das wohl bis dahin längste Bergauf-Stück. Der Berg nimmt und nimmt kein Ende, aber ist nicht so steil. Das wird dafür mit einer rauschenden Abfahrt belohnt.

In Dornie schlafe ich in einem Bunkhouse, schön am See gelegen, 4 Betten und Küche auf engstem Raum in einer Art Gartenlaube. Bis jetzt bin ich allerdings alleine, vielleicht bleibt es so.

(1 Stunde später)

Ich glaube es bleibt so. Gerade habe ich das berühmte Eilean Donan Castle bei Beleuchtung angesehen, sehr nett. Tagsüber war ich auch schon mal da, außen drumherum laufen ist sogar umsonst. Wenn man sich ein paar Schlafzimmer ansehen will, kostet es £3, na ja wer's braucht.

Ansonsten kann man es abends draußen kaum aushalten bei den vielen Mücken. Ich bin auch schon ziemlich zerstochen. Aber die Stiche sind ziemlich winzig und jucken auch nicht so wie in Deutschland.

15. Tag (29.08.1997)

Dornie - Inverness

Eintrag: 29.8.97, 22:30, Hoho Hostel, Inverness

Der Tag fängt gut an. Überraschenderweise kriege ich sogar Frühstück. Gegen 9h mache ich mich auf den Weg. Das erste Stück bis Shiel Bridge ist leicht zu fahren, danach beginnt der Gegenwind und es wird weniger nett.

Außerdem fängt es an zu regnen. Dann der erste Schock: Platten, im Regen, kein Parkplatz in Sicht, also in die Wiese, da die Straße doch ziemlich befahren ist. Diese stellt sich aber eher als Sumpf heraus und daher wimmelt es nur so von Mücken.

Kaum steht man irgendwo für eine Minute, ist man schon von einer Wolke von Mücken umgeben. Sie kommen sogar unter den Pullover. Wer mich gesehen hat, wie ich auf der Wiese herumspringe und um mich schlage, mußte denken ich bin verrückt. Wenn ich es nicht besser wüßte, denke ich, ich hätte Masern, so rot gepunktet bin ich. Es ist zum verrückt werden. Das ganze dauert ca. eine ½ Stunde. Danach fängt es plötzlich an, heftig zu regnen. In der Hektik vergesse ich den kaputten Schlauch mitzunehmen. Das fällt mir aber erst ein paar Meilen später auf. Egal, bei dem Wetter fahre ich auch nicht mehr zurück, zudem berghoch. 20 Minuten nach meinem ersten Platten nimmt meine „Tour de Scotland" dann mit einem lauten Knall ein jähes Ende.

Der Mantel, der ja schon ziemlich hinüber war, hat nun endgültig den Geist aufgegeben. Hätte ich mal in Stornoway einen neuen gekauft, aber ich dachte ja er hält. Ich schiebe ca. eine ½ Stunde zurück zum Cluanie Inn. Ich stehe vor einem Problem: 10 Km nach hinten und 10 Km nach vorne nix als Pampa.

Wie ich erfahre ist der nächst Bike-Shop in Inverness. Es ist 12:30. Angeblich fährt hier um 2:50 ein Bus vorbei. Also noch genug Zeit um zu der Stelle zurückzulaufen, um meinen Schlauch zu holen. Aber ist es doch ganz schön weit. Laufen ist halt nix für mich. Dann habe ich mir auch noch irgendwie den Knöchel verknaxt. Gegen 2.30 bin ich wieder da, und warte und warte...aber kein Bus kommt. Der nächst soll um 5:20 kommen, also hänge ich noch 2 Stunden hier herum, langsam wird es kalt.

Der Bus kommt tatsächlich. Doch dann der Schock. Auf die Frage, ob ich mein Fahrrad mitnehmen kann, sagt der Fahrer erst einmal „No". Dann, nachdem er mir etwa eine Minute etwas erzählt hat, von dem ich kein Wort verstanden habe, fragt er plötzlich „Where is your bike", kommt heraus, macht eine Klappe auf und auf einmal scheint es kein Problem mehr zu sein. Die Fahrt nach Inverness kostet £6,50 und der Bus ist gut voll. Der Rest der strecke wäre nicht sonderlich bergig gewesen und die Landschaft wird auch langsam langweiliger je flacher die Berge werden.

Nach einer Weile kommen wir zum Loch Ness, eigentlich nichts besonders, wahrscheinlich mußten sie die Nessie-Geschichte drum spinnen, um den See halbwegs attraktiv zu machen. Gegen 6:30 kommen wir in Inverness an, nach ein wenig Suchen finde ich mein Hostel. Das HoHo-Hostel liegt mitten in der Fußgängerzone, ziemlich groß und gut eingerichtet, kostet £8,50. Morgen werde ich mein Rad reparieren und dann zu den Highland Games nach Drumnadrochit fahren, wenn alles klappt.

Eigentlich wollte ich ja heute da übernachten, aber so kann's gehen. Im Moment habe ich das Problem, daß ich kein Geld mehr habe und nur noch einen £100 Reisescheck, den ich aber am Wochenende kaum einlösen kann. Das Geld geht ja auch weg wie nix. Alles ist ziemlich teuer, auch die Lebensmittel, besonders das Bier. Eine Dose anständiges Bier kostet 2,50 bis 3,- DM, ein Träger kostet 10,-, ein Six-Pack Beck's kostet 15,- DM. Da kriegt man in Deutschland zwei für.

Außerdem sehe ich momentan ziemlich übel aus, mit meinen ganzen Mückenstichen, mit den sonnenverbrannten Nasen und Ohren, wo die Haut abpellt dazu noch eine aufgeplatzte Lippe.

Immerhin habe ich jetzt ein paar Tage Ruhe vor mir. Ich muß mich erst einmal an den Gedanken gewöhnen, morgen nicht auf mein Rad zu steigen, mit einem Ziel vor Augen. Und das gute Gefühl, das man hat, wenn man es geschafft hat, trotz teilweise Quälerei. Aber die sind schnell wieder vergessen. Na ja ein wenig anders hatte ich mir ja das Ende meiner Tour schon vorgestellt.

16. Tag (30.08.1997)

Inverness - Drumnadrochit - Inverness

Eintrag: 31.8.97, 19:30, Zug: Inverness - Edinburgh

Gestern hatte ich keine Lust mehr zu schreiben. Erst einmal bin ich durch die halbe Stadt gelaufen zu einem Bike-Shop. Mantel und Schlauch haben zusammen £19 gekostet. Nachdem ich alles zusammengebaut habe, mache ich mich auf den weg nach Drumnadrochit. Die Strecke ist ziemlich stark befahren und, wie erwartet: Gegenwind. Ich habe keine Lust mehr. Nach einer frustrierenden Weile komme ich an.

Die Highland Games kosten £1 Eintritt. Es gibt vielerlei Wettkämpfe, von denen viele aber nur pure Leichtathletikdisziplinen sind. Außerdem fahren ein paar Verrückte mit Rennrädern auf dem Rasen im Kreis. Gut, daß es noch nicht geregnet hat. Interessant sind aber nur die wilden Männer - die allerdings gar nicht so wild aussehen - die alle möglichen Dinge hoch oder weit werfen. Einige Dinge sehen aus wie alte Bügeleisen, andere wie Kugeln mit Gefängnisketten wie in alten Filmen.

Höhepunkt ist allerdings das „Tossing the Caber", wo versucht wird mit Anlauf einen Baumstamm so hoch zu werfen, daß er senkrecht wieder auf dem Boden aufkommt. Wie das aber genau bewertet wird, weiß ich allerdings nicht. Zwischendurch spielt immer wieder mal eine Kapelle mit schönen Uniformen. Die Dudelsack-Musik geht mir aber auf die Dauer doch ganz schön auf die Nerven. Gegen 17h ist alles vorbei. Danach fahre ich noch zum 2 Meilen entfernten Urqhuart Castle, das fotogen am Loch Ness liegt.

Rein gehe ich allerdings nicht, da es da eh nix zu gucken gibt. Und Nessie habe ich auch nicht gesehen. In der Hoffnung auf Rückenwind trete ich den Heimweg an. Aber der Wind hat leider gedreht. Das ist nicht fair. Zurück in Inverness gehe ich noch zum Bahnhof, aber der Schalter hat schon zu um 20h.

17. Tag (31.08.1997)

Inverness - Edinburgh

Am nächsten Morgen gehe ich wieder zum Bahnhof, um zu erfahren, daß der Zug um 13h, mit dem ich eigentlich fahren wollte, schon voll ist für Fahrräder. Aber es ist ja überhaupt kein Problem in Großbritannien ein Fahrrad mitzunehmen (Zitat Britische Fremdenverkehrszentrale). Der einzige Zug mit dem ich fahren kann, fährt um 18:30 und ist erst um 22.10 in Edinburgh. Mit dem Bus fahren geht auch nicht, weil die generell keine Räder mitnehmen. Ganz toll, was macht man den ganzen Tag in einer öden Stadt wie Inverness, in der es nicht viel zu gucken gibt.

Erst einmal kaufe ich mir die Sunday Times, die es von der Dicke locker mit der WamS aufnehmen kann und setze mich in die Bahnhofshalle und lese, ca. 2 Stunden, dann laufe ich ein wenig herum und diniere bei McD, schaue mir das Castle an und um 14h gehe ich ins Kino: „Men in Black", ganz nette Aliens-Effekte, von den Dialogen, verstehe ich aber nur Fetzen. Aber ist ja auch nicht so wichtig.

Danach geht's in Hostel zurück, um Fahrrad und Gepäck zu holen. Als ich gerade gehen will, werde ich gefragt, ob ich schon die News wüßte. Lady Di ist heute bei einem Autounfall gestorben, ziemlicher Schock für die Engländer, wo sie doch gerade wieder wegen ihres politischen Bekenntnisses in den Schlagzeilen war. Komisch und gerade hatte ich in der Zeitung einen Artikel über ihr bisheriges unglückliches Leben gelesen.

Als ich mein Fahrrad bepackt habe, schiebt es nicht, na ich hatte ja schon eine Ahnung, als ich heute morgen das Rad etwas schief im Fahrradständer stehen sah. Ich schiebe mühsam zum Bahnhof und sehe mir das Rad da genauer an. Erst denke ich das Rad ist lose, aber es so eine große Acht drin, das glaubt man kaum. Da muß sich irgendein Idiot in der Nacht einen Spaß daraus gemacht haben, mein Rad durchzubiegen. Das ist der Nachteil, wenn das Hostel in der Innenstadt liegt und das Rad nachts draußen steht. Schade daß am Bahnhof so viele Leute herum waren, sonst würde ich wohl mal kurz Amok laufen. Dann ginge es mir jetzt bestimmt besser. Ich habe absolut keine Lust mehr, ich will nur noch hier weg, die ganze letzte Woche war eine Serie von Pannen.

Das ganze wird wieder eine Menge Geld kosten, vielleicht kann ich es morgen noch so weit hinkriegen, daß ich bis nach Deutschland komme. Und ich hatte mich auf einen schön entspannten Tag in Edinburgh gefreut und jetzt ist alles versaut, hoffentlich ist wenigstens das Hostel noch offen, sonst drehe ich durch.

18. Tag (01.09.1997)

Edinburgh

Eintrag: 1.9.97.97, 20:30, Edinburgh

Das Hostel hatte noch offen und es ist sogar gut. Ich mußte zwar ganz bis hinters Castle das Fahrrad schieben, dafür liegt das Hostel aber auch gut, im Gegensatz zum YH, das am A.... der Welt liegt. Nach dem Frühstück nehme ich mein Rad auseinander und versuche es zu reparieren, aber so eine Acht habe ich noch nicht gesehen. Ich versuche, ein paar Speichen zu drehen, aber es hat keinen Zweck.

Danach beginnt meine Odyssee auf der Suche nach einem Ersatzrad. Denn zu reparieren ist da auch nichts mehr. Der Weg führt mich bis hinter die Meadows, einer schönen Parkanlagen. So sieht man auch mal andere Teile der Stadt. Was bemerkenswert ist: Die Stadt lebt, auch außerhalb des Zentrums, überall ist viel los, ohne daß es chaotisch ist. Ich bin am Überlegen, ob ich mein Auslandsjahr nicht doch hier machen soll. Schön ist es ja schon. Aber die Uni ist auch leider ziemlich weit außerhalb und außerdem versteht man die Leute hier so schlecht.

Als ich mein Fahrrad endlich wieder fit gekriegt habe ist es schon 14h und es regnet. Was tut man, wenn es regnet... man geht ins Museum. Ich gehe ins Museum of Modern Art, 1. weil's mich halbwegs interessiert und 2. weil's umsonst ist. Das Museum liegt etwas außerhalb, aber ich habe ja ein Bike. Dafür bin ich auch schön naß. Aber es ist ganz interessant, viele bekannte Namen mit eher langweiligen Bildern und viele coole Bilder von (zumindest mir) unbekannten Namen.

Danach sehe ich mir noch den Royal Botanic Garden (auch kostenlos) an, schöne Parkanlagen, blühen tut allerdings wenig. Auf dem Rückweg erklimme ich nochmal den Carlton Hill, von dem man eine schöne Aussicht auf die ganze Stadt hat. Leider macht sich wieder mein verstauchter Knöchel bemerkbar, das will nicht weggehen. Na ja es wird Zeit, daß ich mal die Beine hochlegen kann.

19. Tag (02.09.1997)

Edinburgh - Newcastle

Eintrag: 2.9.97, 18:00, Newcastle YH

Gegen 10h verlasse ich das Hostel, fahre mit dem Rad die Royal Mile hinunter bis zum Holyrood Palace. Dort im Hof ein Blumenmeer zum Gedenken an Diana. Reingegangen bin ich ja schon letztes Mal nicht, und so auch heute. Danach erklimme ich noch Teile von Arthur's Seat, aber nicht ganz bis oben, weil mein Fuß da nicht mitspielt. Auf dem Weg nach oben werden Erinnerungen an meine Inter-Rail Tour vor 3 Jahren wach, wenn mal all dieselben Plätze noch mal sieht: den Park, wo wir so schmählich gegen Italien beim Fußball verloren haben.

Um 14h geht mein Zug nach Newcastle. Diesmal läuft alles glatt, abgesehen davon, daß es ziemlich teuer ist (immer noch £30). Das YH in Newcastle ist etwas außerhalb und ich verfahre mich ein wenig und fahre dann auch noch vorbei, weil es sehr leicht zu übersehen ist. Das YH ist voll, aber ich habe ja reserviert, immerhin liegt es schon Richtung Hafen, so daß es morgen nicht mehr so weit ist. Im YH gibt's einen Fernseher und es gibt dauernd nur Diana, auf die Dauer auch langweilig...

20. Tag (03.09.1997)

Newcastle - Hamburg - Bremen

Eintrag: 15.10.97, Bamberg

Ab hier müssen mein Erinnerungen ausreichen, da ich auf dem Schiff keine Lust zum Schreiben mehr hatte. Der Weg zum Hafen war ziemlich ätzend. Aber diesmal bin ich knallhart den Straßenschildern gefolgt, und habe mich nicht von Radwegen in die Irre locken lassen. Der Nachteil war nur, daß es eine stark befahrene 'autobahnmäßige' dreispurige Straße war. Außerdem hat es noch geregnet. Das Einschiffen lief ohne Probleme. Diesmal hatte ich eine Kabine im vorderen Teil des Schiffes, was den Vorteil hatte, daß es nicht so laut war.

Im Duty Free Shop kaufe ich mir Bier und Englische Weingummis. Eine klasse Kombination, findet mein Magen auch. Trotzdem schleppe ich mich noch ins Kino. Es gibt „Con Air" und „The 5th Element". Am nächsten Morgen sind wir schon in der Elbe. Mittags sind wir da. Ich fahre bis zum Hauptbahnhof, und kriege gerade noch einen Zug, obwohl ich keine Reservierung für mein Rad habe. Aber man glaubt es kaum, in Deutschland ist man flexibel, obwohl das Fahrradabteil eigentlich schon voll ist. Da können sich die Engländer noch eine Scheibe von abschneiden.

Jetzt das Resümee: Würde ich die Tour noch einmal machen? Ich denke schon, wenn ich die Uhr zurückdrehen könnte. Ein zweites Mal allerdings so schnell nicht. Jetzt will ich erst mal etwas anderes sehen. Die Route würde ich vielleicht ändern, indem ich auf die Inseln verzichte, da man da doch ziemlich viel Zeit verliert. Aber auf alle Fälle würde ich versuchen nur von Süden nach Norden zu fahren, andersherum macht einen der Wind verrückt...