Teil 2

6. Tag (20.08.1997)

Oban - Mull - Staffa - Iona - Oban

Eintrag: 20.08.97, 16:15, Iona

Um 10h geht es mit der Fähre von Oban nach Craignure, Isle of Mull. Gerade als wir den Hafen verlassen, fängt es an zu regnen. Auf Mull werden wir mit dem Bus nach Fionnphort gefahren. Der Fahrer erzählt während der Fahrt viel interessantes in seinem breiten schottischen Akzent. Leider sieht man durch den Regen nicht sehr viel. Aber die Straße ist teilweise schon atemberaubend, und dann da mit dem Bus fahren. Naja mein Ding wäre das nicht. Auf alle Fälle gibt es hier ziemlich viele seltene Vögel und Phil Collins hat sich auch um die Insel verdient gemacht.

Wir kommen am Ben More vorbei, den Gipfel sieht man natürlich nicht. Ist ja auch klar. Das Sprichwort stimmt also. Würde man den Gipfel sehen beginnt es zu regnen, sieht man ihn nicht regnet es schon. Hoffentlich stimmt das andere auch. Gefällt dir das Wetter nicht - warte eine Stunde!

Im Hafen von Fionnphort wartet schon ein kleiner Kutter auf uns, der uns zur Insel Staffa bringen wird. Auf dem Weg sehen wir sogar ein paar Seehunde. Staffa ist ziemlich beeindruckend, mit seinen Basaltfelsen, die aussehen wie Orgelpfeiffen, und den Höhlen, die tief in die Insel hineinreichen. Wir haben eine Stunde Aufenthalt und inzwischen scheint auch schon wieder die Sonne.

Die Rückfahrt nach Iona wird ziemlich schaukelig und naß. Gut daß ich diesmal drinnen sitze. Iona selbst ist ganz hübsch, aber mehr auch nicht. Da mir heute nicht nach toten Steinen ist, schenke ich es mir die Kathedrale zu besichtigen.

Außerdem mußte ich wieder ein ganzes Stück zurück rennen, um mir eine neue Batterie für meinen Fotoapparat zu kaufen. Danach habe ich mich etwas auf einen Felsen außerhalb des Ortes gesetzt und dieses hier aufgeschrieben. Eine Möwe fand das wohl ganz interessant, denn sie hat mich die ganze Zeit nicht aus den Augen gelassen. Naja ich gebe zu, ich habe sie ab und zu auch mit Brötchenresten bestochen.

Eintrag: 22.08.97, 22:00, Oban YH

Nach 2 stunden Aufenthalt auf Iona geht es zurück zur Isle of Mull. Im Vergleich zu dem was mich da erwartet, war Iona doch eher langweilig. Morgens konnte man ja kaum etwas sehen, weil alles sehr nebelig war und es geregnet hat. Ohne Regen sieht man erst die grünen Berge, deren Gipfel meist in den Wolken hängen, dazwischen immer wieder Wasserfälle, die sich in Bergschluchten ihren Weg nach unten suchen. Und dazu etwa jeden Km ein Haus, ziemlich verlassen, aber es hat durchaus seinen Reiz, vielleicht als Altersruhesitz mitten in der Einsamkeit. Aber warum so lange warten?

Zurück in Oban versuche ich mir noch ein Quartier für Fort William zu suchen, doch bisher vergebens. Ich glaube langsam, das Problem dieser Tour werden nicht die Beine, sondern die Unterkünfte. Aber bald bin ich ja in der Wildnis, wo keine Züge mehr fahren, und wohl auch nicht so viele Touris mehr sind. Außerdem habe ich noch rausgesucht, was ich morgen mit der Post nach Hause schicken will. Hoffentlich klappt das.

7. Tag (21.08.1997)

Oban - Fort William

Eintrag: 21.08.97, 20:30, Corpach bei Fort William

In Oban erwartet mich das erste Mal wirklicher Regen für die Fahrt. Ich fahre zum Post Office, kaufe ein Paket, und packe mein überflüssiges Zeug hinein. Man muß sich auch trennen können - wie ich ja schon am ersten Tag erkannt habe. Das ganze kostet £20 - aber ich hätte jeden Preis bezahlt, denn es lohnt sich: Die Taschen sind nicht mehr so vollgepfropft und das Rad fährt sich auch besser.

Das ganze nutzt aber auch nicht viel, denn die ersten 30 km regnet es konstant und heftig. Beim Loch Creran muß ich eine ca. 10 km lange Schleife um den See fahren, obwohl das gegenüberliegende Ufer doch zum Greifen nah ist. Ein Einheimischer sagt mir, ich solle die Eisenbahnbrücke nehmen, aber das ist mir dann doch nicht so ganz geheuer.

Auf der anderen Seite der Bucht liegt das Castle Stalker - mitten auf einer Insel im Meer. Von da geht's weiter nach Glencoe, dem Ort des großen Massakers - aber die Landschaft ist trotzdem wunderschön. Die Straße ist jetzt allerdings nicht mehr so schön zu fahren, da sie ziemlich voll wird. Bis jetzt habe ich vergeblich versucht mir in Fort William ein Quartier zu suchen, alles voll. So spiele ich schon mit dem Gedanken, bis nach Mallaig weiterzufahren. Bis jetzt bin ich ja auch gut voran gekommen.

In Fort William lächelt mich auf einmal ein rotgelbes 'M' an, und ich stürze hinein, endlich bekanntes Essen. In Corpach, 2 Meilen außerhalb von Fort William in Richtung Mallaig, finde ich dann doch noch Platz in einem Hostel und kann für heute aufhören zu fahren nach ca. 80 km - nachdem ich bei McDonalds wieder aufs Rad gestiegen war, lief es auch nicht mehr so rund.

Das Hostel liegt direkt am Bahnhof und kostet 8,50. Nachmittags fahre ich noch einmal in die Stadt ins Glen Nevis. Der dazugehörige Berg ist allerdings in den Wolken verschwunden. Hier wird kräftig damit geworben, daß hier Teile von „Braveheart" gedreht wurden. Muß ich jetzt doch unbedingt mal sehen den Film...

8. Tag (22.08.1997)

Fort William - Armadale

Eintrag: 22.08.97, 20:00, Armadale Castle

Das Hostel von gestern (Old Smiddy Bunkhouse) war echt gut, da es nicht so groß und daher auch persönlicher war. Dafür schläft man auch zu dritt nebeneinander in seinen Schlafsäcken - auf großen Etagenbetten - wenn dieser Italiener nicht dauernd zu mir herübergerutscht wäre - kein Problem.

Heute morgen gings dann los in Richtung Mallaig. Bis Glennfinnan war die Straße richtig gut zu fahren, vor allem nicht zu viel Verkehr. In Glennfinnan besteige ich kurz den Turm, ist aber nicht sonderlich interessant. Dafür fährt aber gerade eine Dampflok über die Brücke (später bekannt aus Harry Potter).

Die Landschaft beginnt jetzt atemberaubend zu werden. Das ist allerdings auch mit vielen Bergen verbunden und das alles bei ständigem Gegenwind, teilweise entmutigend. Der höchst Berg ist besonders unfair. Erst quält man sich hinauf und dann ist auf der Abfahrt eine Mega Baustelle, so daß man da auch nicht richtig fahren kann.

Zwischendurch fährt auch noch die Dampflok durch die ohnehin schon tolle Landschaft. Vor Arisaig kommt noch ein schönes dichtes und dunkles Waldstück bis man in Arisaig um die Kurve biegt, weiße Strände sieht und an die Karibik erinnert wird. Das Wetter spielt heute übrigens total verrückt. Es wechselt ca. alle 30 Minuten.

Als ich in Mallaig ankomme, regnet es, und als ich in Armadale auf Skye die Fähre verlasse, scheint die Sonne und es ist heiß. Und auch jetzt kann man noch gut draußen sitzen. Ich schlafe hier im YH, die allerdings erst um 17h aufmacht. Dafür machen die Geschäfte - besser gesagt das eine - schon um 6h zu, deswegen muß ich mir eine Pizza kaufen und zum Frühstück habe ich auch nix. Für morgen habe ich schon ein Zimmer in Portree bestellt.

9.Tag (23.08.1997)

Armadale - Portree

Eintrag: 23.08.97, 20:00, Portree

Diese Nacht war erstaunlich gut, trotz des Schlafraums mit mindestens 20 Leuten drin. Immerhin hat keiner geschnarcht. Dafür hatte ich heute kein Frühstück und mußte mit Snickers und Tee vorlieb nehmen. Mit dem bißchen im Magen mache ich mich auf den Weg. Das erste Stück bis Broadford ist sehr schön und sehr hügelig. Leider nieselt es die ganze Zeit und es ist empfindlich kalt.

In Broadford laufen mir Katja und Dani wieder über den Weg, die ich schon in Fort William im Hostel getroffen habe. Die sind also mit dem Zug auch noch nicht weitergekommen als ich. An einer Kreuzung beim Sligachan Hotel hat man eine gute Aussicht über die Cuillins Hügel.

Auf dem Weg nach Portree kommen noch zwei etwas schwerere Berge, aber auch die sind zu schaffen. Nach ca. 68 km bin ich schon ziemlich früh in Portree. Ich übernachte im Independent Hostel. Es kostet £8,50 und sieht ganz gut aus. In Portree gibt es bis auf den netten Hafen nicht viel zu gucken, immerhin haben hier die Geschäfte länger offen, auch am Samstag, so daß ich nicht wieder hungern muß.

Wie schon gestern sind auch in diesem Hostel fast nur Deutsche, schon irgendwie merkwürdig. Die Planung der nächsten Tage gestaltet sich schwieriger als erwartet. Da die Fähre ab Uig um 5:15 morgens fährt, kommt sie für mich wohl nicht in Frage. Außerdem will ich morgen noch irgendwo das Formel1-Rennen sehen...

10. Tag (24.08.1997)

Eintrag: 24.08.97, 20:30, Uig YH

Portree - Uig

Das mit der Formel1 war wohl nix. Hier in Uig gibt es doch tatsächlich keinen Pub mit TV, der offen hat. Abgesehen davon gibt es hier ohnehin sehr wenig.

Aber von vorne: Heute morgen bin ich von Portree in Richtung Staffin entlang der Küste gefahren. Überraschenderweise war heute schon um 9h blauer Himmel - normalerweise war es um diese Zeit immer noch grau. Also fahre ich schnell los. Schon von weitem kann man den „Old Man of Storr" sehen, eine beeindruckende Felsformation mit einem großen Obelisken - was das mit einem alten Mann zu tun hat, ist mir allerdings schleierhaft.

Weiter an der Küste gibt es einige Aussichtspunkte, von denen man in tiefe Schluchten und auf steile Klippen gucken kann. Die Strecke ist sehr hügelig und ich komme nur schleppend voran. Dafür stelle ich mit 62 km/h einen neuen Top-Speed-Rekord auf.

An der Nordspitze von Skye liegt noch eine Ruine, von der allerdings wirklich nicht mehr viel übrig ist. Deshalb halte ich auch nicht an. Außerdem sind hier auch viele Touris. Daher ist das Fahren auch nicht so schön auf der engen Straße, da man ständig Autos passieren lassen muß. Hinter der Burg kommen außerdem noch zwei fiese Berge und zusätzlich gibt's noch vollen Gegenwind, immer sobald man in Richtung Süden fährt. Naja es ist ja nicht mehr weit.

Um 13h komme ich im YH an, die Reception ist aber erst ab 17h wieder geöffnet und einen Fernseher gibt's leider auch nicht, Mist. Also fahre ich wieder runter zum Pier - das YH liegt leider auf einem ziemlich steilen Berg genau auf der anderen Seite der Bucht - aber auch dort kein TV, also setze ich mich ein wenig an den Hafen und warte - immerhin scheint die Sonne. Sonst ist in dem Kaff auch nix los, zumal heute Sonntag ist, deswegen gehe ich wohl früh ins Bett.