Begeistert von einem Artikel im DAV-Magazin wollte ich den "Trekking delle Legende" eine 9-tägige Rundwanderung in Südtirol/Trentino machen. Soviel vorweg: Daraus ist nichts geworden. Ich erwähne den Namen auch nur, um möglichst Leute von dieser Tour abzuschrecken. Sie ist m.E. für Normalsterbliche so gut wie unschaffbar. Aber trotzdem ist die Gegend mit Pale di San Martino, Sella und Rosengarten ausgesprochen sehenswert.
Die Anreise nach Cavalese verläuft problemlos. Mit dem Zug bis Bozen. Umsteigen nach Auer/Ora (30 Min.) und danach noch 45 Minuten mit dem Bus. Sobald man Südtirol erreicht, scheint die Sonne. In Deutschland und Österreich war das Wetter noch eher düster.
Cavalese ist ein ruhiger schöner Ort. Das Hotel La Stua, das ich voraus gebucht habe, ist auch recht gemütlich. Man merkt dass man in Italien ist. Zwischen 12 und 16 Uhr ist der Ort wie tot. Danach erwacht er merklich.
Ansonsten gab es hier einige interessante Fassaden und Fenster als Fotomotiv.


Von Cavalese geht es erstmal mit verschiedenen Seilbahnen hinauf ins Lagorai zum Rif. Paion. Der "offizielle" Start des Leggende Treks ist zwar am Passo Manghen, aber da kommt man nur mit dem Taxi hin.

Das erste Stück bis man auf den Hauptweg hinter dem Laghetti Lagorai trifft geht noch ganz gut (2h). Geht aber auch hier schon immer schön rauf und runter.
Das ganze nächste Stück bis zum Passo Sadole ist eine einzige Qual. Ständig steil rauf und wieder runter. Immer weiter in einer einzigen Geröllwüste, mal mit großen mal mit kleinen Steinen. Irgendwelche Steine gibts immer - keinen ebenen Strecken.
Für das Stück sind auf den Schildern 4 Stunden veranschlagt. Ich brauche 6 - normalerweise bin ich eigentlich eher schneller, als auf den Schildern. Mir tut so ziemlich alles weh. Schultern, Hüften, Füsse und Knie. Ausserdem falle ich auch noch ab und zu - die Wege sind sehr schmal - und habe mir dabei auch noch die Hand aufgerissen.
Das letzte Stück bis zum Rifugio Cauriol soll lt. Karte auf einem besseren Weg sein. Aber der ist vielleicht besser und nicht so steil, aber steinig ist er immer noch!
Die Hütte ist klein und urig. Man schläft auf dem Dachboden - zu erreichen über eine Leiter aus der Stube. Für die ganze Hütte gibt es eine Toilette und ein Waschbecken. Aber zunächst bin ich sowieso der der einzige Gast. Später kommen noch drei weitere...
Zusammengefasst muss ich sagen, dass dies einer meiner schlimmsten Wandertage meines Lebens war. Mit Seilbahn war ich ca. 10 Stunden unterwegs bis 18:30 - meist in steiniger Wildnis auf "Wegen" die eigentlich keine Wege waren. Ein entspannter Einstieg in eine mehrtägige Tour sieht auf alle Fälle anders aus. Auch landschaftlich konnte mich das Lagorai nicht wirklich überzeugen. Für meinen Geschmack etwas zu "steinig" hier...
Laut den Hüttenwirten bin ich auch nicht der einzige "verrückte Deutsche" der hier völlig entkräftet ankommt. Die kennen das schon...

Erste Planänderung. Die zweite Etappe des "Trekking delle Leggende" durchs Lagorai schenke ich mir. Das Lagorai konnte mich nicht wirklich für sich gewinnen.
Ich laufe auf einer Strasse ins Tal nach Ziona di Fiemme (1,5h). Von dort fahre ich mit dem Bus nach Predazzo und dann weiter zum Passo Rolle. Ich laufe 1h zum Baita Segantini. Sehr schöne Aussicht aufs Pale di San Martino. Die Aussicht teilt man aber auch mit Hunderten Tagesausflüglern. Eigentlich wollte ich hier übernachten. Aber es gibt gar keine Zimmer. Merke: "Baita" = Keine Übernachtung.
Die Alternativen sind 15 Minuten zurück, oder 3 Stunden nach vorne. Zurück gehen ist immer schlecht ;-) Also geht es weiter bis zum Passo di Valles und zum gleichnamigen Rifugio.
Erst mal geht es 300m runter, dann 350m hoch und zum Schluss wieder 200m recht steil runter. Das Rif. Passo di Valles macht einen recht guten Eindruck. Dusche und Rasur tun auch ganz gut.
Das Wetter wird schlechter. Ich laufe bis zum Passo di San Pellegrino (3h). Erst auf einem Fahrweg, dann geht es über Wiesen weiter. Die einzige Markierung sind oft Steinmännchen. Dann wird es auch noch neblig, so dass man fast orientierungslos wird.
Vom Pass gehe ich zum Rif. Fuciade (1h). Dort angekommen ist es aber voll. Es ist Samstag und der Weg wird von Unmengen italienischer Tagestouristen bevölkert. Da die meisten Hütten hier privat sind, nützt auch ein Alpenverein-Ausweis nichts. Die Hütten müssen einen nicht aufnehmen.
Also gehe ich zurück zum Pass. Es fängt jetzt auch noch in Strömen an zu Regnen. Ich nehme einen Bus nach Moena und von da weiter nach Canazei, welches ein ganz schöner Ort ist.
Schlagartiger Wetterumschwung. Strahlend blauer Himmel am Morgen. Ich nehme den Bus hoch zur Sella Joch Hütte. Der Weg dorthin ist schon traumhaft. Freier Blick in alle Richtungen: Rosengarten, Sella Massiv, Marmolada.
Der Weg vom Sella Joch zur Plattkofel Hütte ist auch klasse (Friedrich August Weg). Allerdings ist der Weg heute (Sonntag) auch von Tausenden Tagestouristen bevölkert. Leider gibt es sogar Handyempfang. Das nutzen die Italiener ausgiebig...
Der Weg ist dennoch sehr gut zu gehen. Kaum steile Stellen. Nach der Plattkofelhütte wird es auch leerer bis zur Seiser Alm Hütte. Danach wird es jedoch noch einmal richtig steil bis hoch zur Tierser Alpl Hütte. Extrem steil! Aber die Hütte liegt oben einfach traumhaft.
Am Abend gibt es noch ein Harfen-Konzert auf der Rosszahnscharte (ca. 10 Minuten von der Hütte). Absolut fantastisch! Die glasklaren Klänge vor dem Abendrot und der Silhouette der Berge. Das gibt es wohl nur einmal im Jahr. Wenn man die Chance hat, das zu erleben, sollte man es unbedingt tun.
Auf dem Weg zur Seiser Alm Hütte...
Ein weiterer anstrengender Tag mit vielen Auf- und Abs. Beine und Rücken sind inzwischen recht fit. Nur die Knie schmerzen noch...
Direkt von der Hütte geht es steil hoch zum Molignonpass. Teilweise muss man mit den Armen arbeiten. Manchmal gibt es auch eine Seilsicherung.
Kaum ist man oben, blickt man in einen beeindruckenden Talkessel. Dumm ist nur, dass man erst steil runter und dann wieder hoch muss. Wieder oben, kommt man zur Grasleitnerpass Hütte. Schöne Aussicht von oben.
Das nächste Stück bis zur Vajolethütte geht auf besserem Weg leicht bergab. Einfacher Weg = Viele Tagestouristen!
Nach dem Mittagessen in der Vajolethütte geht es wieder recht steil hoch zur Rotwandhütte. Das Stück dauert nochmal ca. 3 Stunden. Insbesondere der Aufstieg zum Zigalade Pass hat es in sich. Die Rotwandhütte ist gut gelegen und recht gemütlich.
Heute gehe ich nur noch ein relativ kurzes Stück um den Rosengarten herum zur Kölner Hütte wo ich mit der Seilbahn ins Tal fahre.
Ich bin zwar jetzt auch wieder auf dem Trekking delle Leggende und könnte weiter ins Latemar laufen. Aber so richtig habe ich keine Lust mehr auf große Strecken. Die Gegend ist zwar sehr schön, aber empfehlen kann ich es eher für Tagestouren als für große Rundtouren. Und der "Trekking delle Leggende" ist in der vom DAV beschriebenen Form überhaupt nicht zu empfehlen - es sei denn man sucht ein Leistungssport Erlebnis...