Day 1
22.08.2006 |
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[ Scharnitz (964m) - Karwendelhaus (1771m) ] |
Die ganze Etappe ist geprägt von Regen. Die ganze Fahrt im Zug von München nach Mittenwald regnet es. Von Scharnitz geht es schließlich los mit dem Laufen...im Regen. Zunächst am Tal der Isar entlang, dann entlang des Karwendelbachs. Es geht meist gemächlich bergauf. Nur das letzte Stück hin zum Karwendelhaus wird es etwas steiler. Die Strecke ist permanent auf Fahrwegen, daher recht langweilig. Zudem gewinnt man so nur schwer an Höhenmetern, da es immer nur Zickzack geht. Auch das Wetter spielt verrückt. Ständig wechseln sich Regen und Trockenheit ab. Sobald man die Regenjacke angezogen hat, hört es auf zu regnen und umgekehrt. Das Karwendelhaus ist sehr gut ausgestattet u.a. mit gutem Trockenraum. Hat fast schon Hotelcharakter.

Day 2
23.08.2006 |
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[ Karwendelhaus (1771m) - Schlauchkarsattel (2639m) - Hallangerhaus (1768m) ] |
Das Wetter ist heute besser aber dennoch: eine Höllentour! Direkt hinter dem Karwendelhaus geht es steil die Wand hoch, dann wieder etwas weniger steil bis man das Schlauchkar erreicht. Dieses macht seinem Namen alle Ehre: Es "schlaucht". Von weitem sieht es noch gar nicht so schlimm aus, aber es zieht sich. Der Anstieg geht nur durch Geröll. Das heißt mit jedem Schritt vorwärts wird man gleich wieder einige Zentimeter nach unten gezogen. Sehr nervtötend. Am Ende des Anstiegs wird es immer steiler und noch anstrengender. Nach 2,5h bin ich trotzdem oben. Da das Wetter ganz gut ist, hat man eine gute Aussicht auf den Alpen Hauptkamm. Auf den Aufstieg zur Birkharspitze (noch 100 Hm mehr) verzichte ich. Einige Stellen sind wohl sogar vereist und ich habe eigentlich auch schon genug.
Der Abstieg wird dann aber die eigentliche Qual des Tages. Gut 1500m geht es am Stück hinunter bis ins Tal. Fast die ganze Zeit recht steil, am Anfang auch teilweise mit Seilsicherung. Fast immer geht es über Geröll. Dieses hat den Charakter von Sumpf. So tief sinkt man hinein. Ich habe mich noch nie im Leben so gefreut wieder auf einem ebenen Fahrweg zu laufen.
Auf der Kastenalm kann man ganz gut mittag machen. Ist aber recht voll, da hier auch wieder sehr viele Mountain Biker sind. Es gibt hier allerdings nur belegte Brote.
Der Anstieg zum Hallangerhaus (noch mal 500 Hm) ist zwar etwas anstrengend, aber im Vergleich zum Rest des Tages ein Kinderspiel. Die Hütte ist recht nett gelegen, man kann noch draußen auf der Terrasse in der Sonne sitzen. Das Essen ist sehr gut, aber die Hüttenwirtin ist nicht übermäßig freundlich.




Hallangerhaus
Day 3
24.08.2006 |
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[ Hallangerhaus (1768m) - Glungezerhütte (2610m) ] |
Um 7:30 bin ich der Erste, der aufbricht. Es geht zuerst hinauf zum Lafatscher Joch (2081m). Am Anfang steil, dann recht angenehm über einen langen breiten Sattel. An dessen Ende hat man eine Aussicht auf das Inntal und die dahinter liegenden Berge.
Danach beginnt der lange Abstieg nach Hall (1500 Hm). Am Anfang recht steil, aber immer auf guten Steigen (kein Vergleich zu gestern), dann auf einem Fahrweg und schließlich sogar auf einer asphaltierten Straße. Letzteres nicht gerade angenehm. Manche haben sich am Beginn der Straße mit dem Taxi abholen lassen...gar keine schlechte Idee. Zum Glück werde ich am Ortseingang von Hall in einem Auto mit in die Innenstadt genommen. Der Weg bis ins Zentrum von Hall hätte sich nämlich auch noch gezogen.
Hall ist eigentlich ein ganz nettes Städtchen. Ich muß dort ca. 1 Std. auf den Bus warten, der mich nach Tulfes bringt. Da ich nicht unbedingt im Tal übernachten möchte, mache ich heute 2 Etappen am Stück, allerdings mit Hilfe von Bus und Seilbahn.
Mit der Glungezerbahn geht es ca. 1100m hinauf zur Tulfeinalm (2035m). In der Mitte muß man umsteigen. Dann geht es im "Einsitzer" weiter, d.h. der Rucksack muß auf den Schoß. Bei dem schweren Rucksack und dem engen Sitz ist das nicht wirklich bequem. Dazu kommt, daß es etwas entfernt auch noch anfängt zu Donnern. Nicht gerade beruhigend... Was macht man eigentlich, wenn man in einem Gewitter in der Seilbahn (aus Metall) sitzt? Springen???
Naja ich komme trotzdem heil oben an. Von der Tulfeinalm sind es noch gut 600 Hm hinauf zur Glungezerhütte (1,75 h). Zunächst recht angenehm auf einem Fahrweg, dann aber recht steil auf einem Steig den Berg hinauf.
Die Glungezerhütte ist mit 2610m die höchstgelegene Alpenhütte Österreichs. Genauso einsam ist sie auch. Mit mir gibt es heute 3 (!) Gäste. Ich gönne mir heute auch das erste Mal eine heiße Dusche (2 Euro)...tut gut
Day 4
25.08.2006 |
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[ Glungezerhütte (2610m) - Lizumer Hütte (2019m) ] |
Nachdem es am Abend noch gehagelt hatte, liegt am Morgen Schnee! Das macht die Gratwanderung über die "seven summits" leider unmöglich, da zu gefährlich. Daher muß ich über den Gwannsteig ausweichen. Zuerst muß ich den Hang hinunter, den ich gestern hochgekommen bin. Das ganze jetzt nur durch den Schnee stapfend. Es ist aber recht einfach zu laufen. Ansonsten ist das Wetter aber ganz gut. Wolken liegen tief über dem Inntal. Oben recht klarer Himmel, frische Bergluft und himmlische Stille.
Der Gwannsteig ist recht angenehm zu laufen, aber nicht ganz ohne! Es ist recht schmal und manchmal auch noch recht glitschig (aufgrund des tauenden Schnees). Es geht tendenziell bergab, aber zwischendurch gibt es immer mal wieder ein paar Steigungen. Bei der Steinkasernalm geht es kurz auf einen Fahrweg dann beginnt der recht anstrengende Aufstieg zum Naviser Jöchl (2479m). Steile Stücke wechseln sich ab mit Phasen in denen man über Wiesen läuft. Nach ca. 4,5h bin ich da.
Danach geht’s auf gutem Steig noch etwas auf und ab. Landschaftlich sehr reizvoll. Schließlich kommt man zu einem Fahrweg, der einen nach anfänglicher Steigung unendlich lange bergab zur Lizumer Hütte führt.
Da die Hütte im militärischen Sperrgebiet liegt, und gerade "gschossen" wird wie mir ein Soldat im leuchtend orangen Leibchen zuruft, darf ich die Straße nicht verlassen. Dadurch muß ich noch eine lange Runde durch die Kaserneneinrichtungen drehen, bis ich endlich zur Lizumer Hütte komme.
Insgesamt aber ein super Tag, eine richtig schöne Wanderung, nur am Ende etwas zu lange bergab.
Abstieg von der Glungezerhütte...über dem mit Wolken bedeckten Inntal

Day 5
26.08.2006 |
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[ Lizumer Hütte (2019m) - Spannagelhaus (2531m) ] |
Das Lager in der Lizumer Hütte ist recht groß. Eine Heizung ist direkt neben meinem Bett. Vielleicht auch deshalb habe ich heute relativ schlecht geschlafen. Daher geht es heute besonders früh los. Außerdem will ich auch noch etwas weiter wandern, als die meisten in der Lizumer Hütte, die dem Traumpfad Wanderbuch folgen.
Als ich die Hütte verlasse, liegen die Berge alle im Nebel bzw. in den Wolken. Daher sieht man auch den Pluderlingsattel nicht, der heute als erstes zu bezwingen ist. Es geht zunächst angenehm das Tal entlang, dann aber doch recht steil und anstrengend. Ich bin inzwischen völlig im Neben eingehüllt. Der Weg ist dennoch durch die roten Markierungen auf den Steinen recht gut zu erkennen. Allerdings habe ich kein Gespür dafür, wie weit ich schon bin. Immer wenn man denkt man ist oben, taucht aus dem Nebel eine neue Erhebung vor einem auf. Nach ca. 2h stehe ich dann aber doch auf dem Sattel und sehe... nichts! Nicht mal den direkt unter mir liegenden Junsee sehe ich. Außerdem ist es höllisch kalt. Da ich wie immer ohne Frühstück aufgebrochen bin, mache ich oben kurz Picknick und friere mir dabei alle Finger ab.
Der Abstieg ist teilweise abenteuerlich steil und recht rutschig. Irgendwann sehe ich dann doch noch den Junsee, der bei schönem Wetter sicher sehr reizvoll ist. Immerhin klärt es jetzt mehr und mehr auf und ich kriege auch wieder Gefühl in meine Finger. Anschließend geht es eine Weile ohne großen Steigungen über die sog. Toten Böden, die aber alles andere als tot und langweilig sind. Es ist grünes hügeliges Gelände, das mich ein wenig an Irland erinnert.
Nach einem eher harmlosen Aufstieg zur Gschützspitze, beginnt ein langer quälender Abstieg ins Tal. Von oben kann man schon das Tuxer Joch Haus sehen, aber man muß erst noch mal runter und dann wieder ein Stück hoch. Meist ist es ein schmaler Steig, rechts und links Wiesen, der sich im Zickzack nach unten zieht. Man kommt so etwas wieder auf 2000m hinunter und muß dann wieder auf 2300m zum Tuxer Joch Haus hinauf. Dort bin ich nach 6h und mache erstmal Pause. Die Terrasse ist sehr schön mit Ausblick auf Olperer & Co. Man befindet sich jetzt im Gebiet der Sommerskigebiete, überall gehen Skilifte über die Gletscher.
Ein viel beunruhigender Anblick ist jedoch der Anstieg zum Spannagelhaus. In steilen Serpentinen windet sich ein Fahrweg nach oben. Angesichts der gemütlichen Terrasse fällt es nicht leicht sich dafür zu motivieren. Ich widerstehe auch dem Lockruf der Seilbahn und laufe los. Dummerweise gibt es natürlich erst noch einen Abstieg von ca. 200 Hm. Dann quäle ich mich die Serpentinen hoch. Auf Straßen zu laufen, ist absolut nicht mein Fall. Ich verliere dann auch die Lust und werde immer langsamer.
Zum Glück geht irgendwann ein Steig ab, der steiler also "kurz und schmerzlos" ist. Die Hütte ist ganz nett und es sind wieder nur 3 Gäste da. Überraschenderweise sind es dieselben 3 wie auf der Glungezerhütte. Sobald man die festgeschriebenen Pfade des München-Venedig Wegs verläßt, sind die Hütten recht leer, was mir persönlich besser gefällt als der Rummel in den anderen Hütten.





Day 6
27.08.2006 |
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[ Spannagelhaus (2531m) - Pfitscher Joch Haus (2275m) ] |
Das Wetter ist heute besonders schlecht. Die Nacht über hat es heftig geregnet, d.h. weiter oben hat es viel geschneit! Und heute muß ich ganz nach oben. Die Friesenbergscharte ist mit 2904m der höchste Punkt der Tour. Obwohl ich erst um 8:00 aufbreche, bin ich heute der erste, der den Aufstieg in Angriff nimmt. Das kann man leicht erkennen, denn der Schnee liegt noch unberührt vor mir. Es gibt daher auch keine Orientierungshilfe durch andere Fußspuren.
Es geht zunächst leicht bergab auf gutem Pfad, dann geht es ins Geröll. Der Weg ist markiert durch rot-weiße Zeichen auf Steinen. Nur leider sind die auch manchmal verschneit. Es macht aber sowieso keinen Unterschied, ob da jetzt ein Pfad wäre oder nicht, man muß sowieso durch den Schnee stapfen. Der grobe "Weg" ist bis oben zur Scharte aber dennoch einigermaßen gut markiert. Im Zweifel kann man aber auch immer auf die Scharte zuhalten, die ist recht markant. Wie zwei Pfeiler markieren sie den schmalen Durchgang. Wenn man den Durchgang erreicht ist das recht unspektakulär, zumal die Sicht ja heute wieder gleich null ist. Der Durchgang ist so breit, daß ich mit Rucksack gerade so durchpasse. Nach vorne und hinten bleibt auch nicht viel Manövrierfähigkeit, so daß ich den ungemütlichen Ort sofort wieder verlasse.
Der Aufstieg war ansonsten nicht besonders schwer (1,75h), der Abstieg ist dagegen wohl der technisch anspruchsvollste Teil der Tour. Der Pfad ist komplett verschneit und es ist so steil, daß mit Seilsicherung und Eisenklammern gearbeitet werden muß. Und das alles bei der Kälte. Zum Glück habe ich Handschuhe dabei (die beiden anderen Jungs aus der Hütte hatten keine, das muß weh tun...)
Aber auch so ist es schwierig, oft rutsche ich auch auf dem Hosenboden herunter. Ich bin heilfroh, als ich wieder halbwegs sicheres Gelände erreiche. Wenn ich mir einige der Traumpfad Wanderer so anschaue, die nicht alle so richtig fit aussehen, möchte ich mal wissen, wie die das überstehen...
Unten sieht man Friesenbergsee und –hütte, aber ich bleibe oben auf einem Teilstück des Berliner Höhenwegs der zur Olperer Hütte führt. Rein "wegtechnisch" ist das bisher das beste Stück der Tour. Es geht lange am Hang entlang, auf genügend breitem Weg oder über große Steine. In der Olperer Hütte mache ich mittag. Gut daß diese Hütte bald abgerissen und neu aufgebaut wird, besonders toll fand ich sie nicht.
Hinter der Olperer Hütte geht es rapide (aber nicht so anstrengend) bergab zum Schlegeis-Stausee. Größer kann der Kontrast kaum sein. Erst einsam durch den Schnee gestapft, dann mitten hinein in ein Tagestouristen-Ausflugsziel, wo von der Grossfamilie bis zur Rentnergruppe alles zu finden ist.
Neben den ganzen sauber gekleideten Tagestouristen, komme ich mir mit meiner vollständig braunen Hose (war mal hell beige) und meinem sonstigen verwahrlosten und abgekämpften Erscheinungsbild etwas fremd vor. Andererseits kann ich bei dem, was ich heute schon erlebt habe, nur müde auf sie herablächeln.
Das letzte Stück zum Pfitscher Joch Haus (2h) ist recht angenehm zu laufen, nur der Schlussanstieg schlaucht etwas. Das Pfitscher Joch Haus hat eher den Charakter eines Ausflugslokals mit einem Self Service Restaurant wie in einer Kantine. Aber immerhin gibt es heiße Dusche kostenlos und solange man will...

Grenze Österreich-Italien
Schlegeisspeicher

Day 7
28.08.2006 |
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[ Pfitscher Joch Haus (2275m) - Stein (1491m) ] |
Am Morgen strahlend blauer Himmel. Wer hätte gedacht, daß ich das noch mal erlebe. Ich entscheide mich über den Landshuter Höhenweg nach Stein zu laufen. Eine recht kurze Etappe. Der direkte Weg wäre noch kürzer gewesen. Immerhin steht morgen noch eine schwierige Schlußetappe an (dachte ich da noch).
Der Landshuter Höhenweg ist ganz gut zu laufen und man hat schöne Blicke hinunter ins Pfitscher Tal und hinüber zum Anstieg des nächsten Tages der Gliederscharte.
Ein Stück vor der Landshuter Hütte geht es ins Tal nach St. Jakob. Da auf dem Weg passiert es dann. Mir kommt eine älteres Pärchen mit zwei Hunden entgegen. Sie weichen schon übermäßig aus, was mich vielleicht hätte stutzig machen sollen. Aber nichtsahnend gehe ich grüßend an ihnen vorbei als einer ihrer Hunde durchdreht und auf mich los geht. Der Mann kann ihn nicht halten, obwohl er angeleint ist. Es gibt eine kleine Rangelei, der Hund geht an meine Wade, ich erwische ihn wenigstens auch etwas mit meinem Trekking-Stock, dann bringe ich mich in Sicherheit. Erst nach einer ausgiebigen gegenseitigen Beschimpfung sehe ich Blut an meiner Hose (komischerweise kein Loch) und merke daß mich der Hund ganz gut erwischt hat. Er hat ein schönes kleines Loch in meine Wade gerissen, das allerdings nicht besonders weh tut. Ich schleppe mich dann weiter ins Tal (das ganze ist leider erst auf der Hälfte des Abstiegs passiert) und beschließe dann sicherheitshalber zum Arzt zu gehen. Das bedeutet das Ende der Tour. Von Stein fahre ich mit dem Bus nach Sterzing und dann nach dem Arztbesuch direkt nach Hause...
Im Endeffekt wäre es wohl besser gewesen, vom Pfitscher Joch Haus direkt nach Pfunders zu laufen. Das sollte auch ohne Probleme an einem Tag machbar sein.... so kam es an einer häßlichen Bushaltestelle inkl. Kuhmist innendrin zum Ende der Tour. Alles in allem war es aber schon schön, auch wenn das Wetter nicht immer mitgespielt hat. Es war auch besser, als es manche Fotos widerspiegeln. Die Tour ist also durchaus empfehlenswert, man sollte aber schon eine gute Kondition mitbringen.
Blick ins Pfitscher Tal vom Landshuter Höhenweg
Unglückliches Ende der Tour...die wahrscheinlich häßlichste Bushaltestelle der Welt