Teil 3 (Kala Pattar - Gokyo - Lukla)

Day 14

22.12.2002
(7h)

500m

  1100m

[ Thukla (4620m) - Phortse (3800m) - Dole (4040m) ]

Auch wenn es verlockend ist, werden Eric und ich nicht über den Cho La Pass nach Gokyo laufen. Er würde wohl gerne, aber ich halte es für gefährlich wegen Eis und für zu anstrengend, da es ein sehr langer Tag ist. Die Lodge in Dzongla ist geschlossen und so müsste man von Thukla aus starten. Stattdessen wollen wir in 2 Tagen außen herum laufen.

Zunächst geht es recht entspannt abwärts nach Pheriche, dann über einen kleinen Pass nach Pangboche auf dem Weg, den wir auch schon auf dem Hinweg gelaufen sind. Diesmal gehen wir jedoch nach Upper Pangboche, wo wir ein Lunch mit herrlichem Blick auf Ama Dablan genießen.

 

Wir bleiben auf der Seite des Tals und sind so auf der gegenüberliegenden Seite vom Tengboche Kloster. Derjenige der den Weg gebaut hat, muss ein Faible für Kurven gehabt haben. Es geht durch unendliche Windungen und ständig Auf und Ab nach Phortse (3800m). Bei einem Stop lasse ich dann noch meinen Sonnenhut liegen. Ich hatte auch keine Lust zurückzulaufen. Von nun an trage ich nur noch Wollmütze.

Nach Phortse geht es sehr steil den Berg hinab zu einem Fluss und auf der anderen Seite genauso steil wieder hoch. Das letzte Stück nach Dole zieht sich hin. Ich bin ziemlich erschöpft. Kurve um Kurve und Hügel um Hügel denke ich, dahinter muss es jetzt aber sein. Aber denkste! Die Sonne hat die Berge schon in das letzte goldene Licht gesetzt, als ich in Dole ankomme. Es ist 17:15 Uhr. Dieser Tag war für mich wesentlich härter als der gestrige.


Blick zurück ins Khumbu Valley von Pheriche
 

Thamserku im Abendnebel von Dole

 

Day 15

23.12.2002
(5h)

700m

  -

[ Dole (4040m) - Gokyo (4750m) ]

Gleich beim Ortsausgang von Dole wartet ein anstrengender Berg. Aber da ist man ja noch fit und frisch. Im weiteren Verlauf geht es relativ moderat ansteigend weiter. Immer am Hang entlang, Kurve um Kurve ziehend. Auf der rechten Seite sieht man jetzt die „Rückseite“ von Cholatse und Taboche und geradeaus hat man Blick auf Cho Oyu (8201m) den sechsthöchsten Berg der Welt.

Bei den Dörfern Luza und Machermo geht es jeweils bergrunter und dann wieder hoch. Aber insgesamt sind es gemütliche drei Stunden nach Phang, wo wir Lunchpause machen.

Von dort geht es in steilem Anstieg hoch zum ersten der Gokyo Lakes, der aber nur ein kleiner Tümpel ist. Der zweite ist schon wesentlich größer und am dritten liegt dann das Gokyo Village. Das Dorf liegt wunderschön am zugefrorenen See mit schneebedecktem Berg im Hintergrund. Wir bleiben in der „Cho Oyu View Lodge“, die wirklich ausgezeichnet ist. Die Familie, die es betreibt, ist sehr nett und die Übernachtung ist kostenlos, wenn man dort isst.

 


Weg nach Gokyo - Blick auf Cho Oyu
 

Day 16

24.12.2002

[ Gokyo ]

Es war ja alles so schön geplant. Heute ist Heilig Abend und ich wollte mir ein ganz besonderes Geschenk machen: den Sonnenuntergang vom Gokyo Ri. Das sollte der absolute Highlight der Tour sein.

Aber dann ging es schon am Morgen los mit schlechtem Wetter. Es ist ziemlich bewölkt. Eigentlich das erste Mal, dass es am Morgen schlecht ist. Kein gutes Zeichen! Es bleibt auch den ganzen Tag schlecht. Daher lohnt sich keinerlei Anstrengung. Gegen Mittag laufen wir kurz den Hang hinter dem Dorf hoch. Dahinter befindet sich der Ngozumpa Gletscher, der zwar riesig ist, aber dennoch relativ unspektakulär, denn er ist komplett steinig. Kein Eis zu sehen. Einer der hässlichsten Gletscher, die ich bisher gesehen habe.

Bei dem kleinen Ausflug entdecken wir auch noch einen Saddhu, der dort am Hang unter einem Felsen und einer großen Plane lebt. Wie sich das für einen ordentlichen Saddhu gehört natürlich halb nackt. Vom Lodgebesitzer erfahren wir, dass er seit 8 Monaten dort ist. Ob er den Winter auch noch überleben wird?

Gegen Nachmittag wird das Wetter immer schlechter und es beginnt sogar zu schneien . Es wird also eine Weiße Weihnacht. Darauf hätte ich allerdings gerne verzichtet.


Klohäuschen vor dem zugefrorenen Gokyo See
 

Day 17

25.12.2002

500m

  1100m

[ Gokyo (Fifth Lake) ]

Die Nacht war wohl eine der kältesten, die wir je hatten. Das Wasser in den Flaschen friert ja im Zimmer eigentlich schon seit Tengboche, aber heute war es noch mal eine Ecke kälter (so –10 Grad?). Gut dass ich einen ordentlichen Schlafsack habe, da macht mir das kaum etwas aus.

Am nächsten Morgen sah es wieder ganz gut aus, aber die Wolken am Cho Oyu hätten uns warnen müssen. Wir sind zum Fünften See aufgebrochen in der Absicht von dort auf „Knobby’s View“ (5553m) zu laufen. Der Weg geht über Geröll und entlang am Gletscherrand, vorbei am schönen Vierten See zu eben jenem fünften See (4990m). Vom Gletscherrand („Scoundrel’s View“) hat man eine sehr gute Sicht auf Everest und Lhotse. Man sieht mehr vom Berg als vom Kala Pattar, weil der Winkel günstiger ist. Allerdings ist es schon leicht bewölkt, als wir gegen 11 Uhr da ankommen und tiefer im Tal sah man noch mehr tiefhängende Wolken kommen, so dass wir bald in einer nebligen Waschküche standen.

Zudem froren mir die Hände ab.  Es war grauenhaft. Ich ziehe meine Daunenjacke an und versuche meine Hände in den Taschen zu wärmen. Natürlich sind wir dann umgekehrt ohne den Berg zu besteigen. Das hätte kaum Sinn gemacht. Auf dem Rückweg begann es dann auch noch zu schneien und ich war total erschöpft und entkräftet.


4th Lake Gokyo
 
Everest vom 5th Lake


Fifth Lake

Alles in allem bin ich abgesehen vom Wetter auch sonst aber etwas enttäuscht von der Gokyo Gegend. Nach den Beschreibungen im Guide Book hatte ich mir das alles etwas malerischer und spektakulärer vorgestellt. Sicher ist es schön hier, aber nicht so atemberaubend wie viele sagen.

 

Day 18

26.12.2002
(5,5h)

600m

  1350m

[ Gokyo (4750m) - Gokyo Ri (5340m) - Dole (4040m) ]

Am zweiten Weihnachtstag war dann das Wetter aber wieder besser. Es ist über Nacht Schnee gefallen, so dass alles weiß ist – auch der See. Gegen 7:15 starten wir zum Aufstieg des Gokyo Ri (5340m). Aber wir sind nicht die ersten. Andere haben schon eine Spur durch den Schnee gelegt. Der Aufstieg dauert insgesamt 1 ¾ Stunden für mich. Eric ist natürlich wieder schneller. Insgesamt empfinde ich es als nicht so anstrengend wie den Kala Pattar. Es ist ja auch gut 250m niedriger und wir sind inzwischen noch besser akklimatisiert.


Aufbruch zum Gokyo Ri - Hintergrund Cho Oyu
 

Auf dem Gipfel des Gokyo Ri

Der Gipfel ist bei einem Wirrwarr aus Gebetsfahnen erreicht. Die Aussicht ist sehr gut aber meiner Meinung nach nicht so bombastisch wie vom Kala Pattar. Man sieht hier zwar mehr von Everest als vom Kala Pattar, aber dafür hat man dort den Gletscher, der auch wirklich ein Gletscher ist und ist natürlich dichter dran.

 


Gyanchung Kang (7952m) - der höchste Nicht-Achttausender der Welt


Neben Everest sieht man vom Gokyo Ri noch Lhotse, Nuptse, Cholatse, Taboche, eine kleine Ecke von Pumo Ri, Cho Oyu und zum ersten Mal Makalu, mit 8463m der fünfthöchste Berg der Welt. Bei Sonnenuntergang muss es ein wirklich tolles Bild sein, aber nachmittags hat es ja bis jetzt immer geschneit. Das Licht zum Fotografieren ist am Vormittag leider nicht so optimal. Aber wir bleiben trotzdem fast 2 Stunden oben auf dem Gipfel und düsen dann in rekordverdächtigen 20 Minuten wieder den Berg hinunter.

 

Panorama vom Gokyo Ri

 

Nach einem letzten Lunch in der Cho Oyu View Lodge marschieren wir gleich weiter abwärts. Von nun geht es nur noch runter. In zwei Tagen nach Namche und dann noch einer nach Lukla.

Der Abstieg nach Dole ist sehr entspannend. Ein richtig schöner Weihnachtsspaziergang. Es geht weitesgehend gemütlich bergab. Insbesondere die Szenerie um den zweiten See herum ist sehr malerisch mit Cholatse/Taboche und Thamserku als Hintergrund eines wunderbaren Panoramas.

Nach 3 ½ Stunden sind wir in Dole und ich merke dann doch Knie und Fußgelenke. Immerhin sind wir heute ca. 1350m abgestiegen vom Gipfel des Gokyo Ri (5340m) nach Dole (4040m).

Das war dann das Ende der Highlights. Von nun an geht es nur noch zurück nach Kathmandu. Zurück in die Zivilisation. Zurück an die Arbeit. Es ist klar, dass einem das nicht so viele Flügel verleiht, wie die Aussicht auf Everest & Co.


Gokyo mit Ngozumpa Gletscher - im Hintergrund Cholatse


Gokyo Valley beim 2nd Lake
 
Und natürlich wie überall viele Yaks...
 
 

Day 19

27.12.2002
(4,5h)

300m

  850m

[ Dole (4040m) - Namche Bazar (3450m) ]

Zunächst geht es bergrunter nach Phortse Tenga und von dort ca. 300m hoch nach Mong. Dieser letzte Berg ist noch mal ganz schön anstrengend, vermutlich weil ich auch mental nicht mehr auf Bergauf-Laufen vorbereitet war. Ein fieser Berg so kurz vor Schluß.

Danach geht es dann aber nur noch bergab nach Namche. Dabei treffen wir wieder eine überraschende Gestalt. Der flüchtige Italiener Fabio, den wir eigentlich schon in Kathmandu vermutet haben, hat sich entschlossen, doch noch nach Gokyo zu gehen und kam uns jetzt entgegen. In Gokyo wird er dann auf Sameer treffen, den wir gestern auch noch in der Nähe von Machermo getroffen haben.

Das restliche Stück nach Namche ist sehr angenehm zu laufen und nach insgesamt nur 4 ½ Stunden sind wir da. Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen heute mal wieder eine Dusche zu nehmen (die letzte war in Nunthala), aber irgendwie kommt es jetzt auf den einen Tag bis Kathmandu auch nicht mehr an.

 

Day 20

28.12.2002
(7h)

350m

  950m

[ Namche Bazar (3450m) - Lukla (2850m)]

Der Berg vor Namche, der beim letzten Mal noch alles abverlangt hat, ist jetzt nicht mehr so schlimm. Die Knie schmerzen aber trotzdem gewaltig, als ich unten an der Brücke ankomme.

Der Rest des Wegs ist bekannt und nicht sonderlich spektakulär. Hinter Chaplung geht es dann nicht rechts nach Jiri, sondern links hoch nach Lukla. Dies sieht ziemlich leergefegt aus. Nicht besonders einladend.

Wir bestätigen unseren Flug und hoffen, dass morgen ein Flieger kommt. Heute gab es acht Flüge.


Die "riesige" Landebahn von Lukla. Rechts am Bildreand ist eine Wand. Unten wie man sieht eine Schlucht.
 

Abschied vom Khumbu...aber wer weiss...
 

Day 21-23

29.31.2002

[ Lukla / Kathmandu ]

Das Wetter sieht am Morgen nicht gut aus. Wir checken trotzdem am Flughafen ein, aber bekommen gesagt, dass wir ruhig noch mal frühstücken gehen können. Bei dem Wetter fliegt hier nichts. Den ganzen Tag passiert nichts. Kurzfristig gab es mal ein Gerücht, dass ein Flieger kommt, aber bei dem Wetter wäre das ein Himmelfahrtskommando. Teilweise war der Nebel so dicht, dass man das Ende der Landebahn nicht sehen konnte. Das gegenüberliegende Tal konnte man den ganzen Tag nicht sehen. Gegen 14:30 Uhr werden die Flüge endgültig gecancelled. Wir können unser Gepäck wieder abholen.

Am nächsten Tag dasselbe Spiel. Aber das Wetter ist so schlecht, wir gehen gar nicht erst zum Check In. Stattdessen hängt man den ganzen Tag in der Lodge rum, spielt Karten oder guckt BBC World, das es hier erstaunlicherweise gibt.

Gegen 16 Uhr geht man wieder zum Airline Office, um sich auf die Liste für den nächsten Tag eintragen zu lassen. Wir sind aber für den nächsten Tag nur im vierten Flieger, da alle Leute, die ein Ticket für morgen haben, Priorität haben vor den Leuten, die hängengeblieben sind. Und heute sind zwei große Gruppen angekommen. Immerhin werden Touristen vor Einheimischen bevorzugt. Wir bezahlen ja schließlich auch den fünffachen Preis (ca. 90€).

Am Silvestermorgen ist das Wetter besser und es besteht ernsthaft Hoffnung. Es kommen dann auch im ersten Batch drei Maschinen der Airline. Der Flughafen ist wirklich ein Spektakel. Vor allem geht alles Ruckzuck. Die Flieger brauchen für Ausladen und Einladen gerade mal 10-15 Minuten.

Im zweiten Batch können wir dann auch endlich Lukla verlassen. Erleichterung! Der Flug dauert nur ca. 30 Minuten und wir fliegen über all die Berge auf dem Weg nach Jiri, die uns in der ersten Woche einiges abverlangt haben.

Das war es dann endgültig. Ein toller Urlaub. Teilweise anstrengend, aber wenn man dann auf den Viewpoints steht und Everest & Co. in ihrer majestätischen Pracht sieht, vergisst man jeden Schmerz. Wobei man sagen muss, dass der Everest an sich ja kein besonders schöner Berg ist. Gut, es ist der höchste Berg der Welt, aber es gibt Berge, die wesentlich imposanter aussehen. Meine Favoriten waren eher Ama Dablan, Nuptse und das Cholatse-Taboche-Gespann.

Probleme gab es eigentlich auf dem ganzen Trek abgesehen von körperlicher Erschöpfung und Schmerzen in Knien und Gelenken keine. Wobei auch dies in der ersten Woche am schlimmsten war. Danach ist der Trek eher "einfacher". Die Höhe, die es ja vielen doch schwer macht, war für Eric und mich kein Problem. Wir sind es ja in der Akklimatisation auch ruhig angegangen.

Die Kälte war auch kein Problem dank gutem Schlafsack und Daunenjacke. Ein einziges mal habe ich wirklich gefroren an den Fingern (am Fifth Lake). Aber ich hatte ja auch nur recht dünne Lederhandschuhe mit. Das war vielleicht eher sub-optimal ;-) Da das Wasser oberhalb von Namche halt immer sehr kalt ist, wäscht man sich und seine Klamotten eher selten, aber daran habe ich mich schnell gewöhnt. Theoretisch kriegt man zwar in vielen Orten eine "Hot Shower", aber wer weiß wie viele Bäume dafür sterben müssen...

Mit Maoisten gab es wie gesagt keinerlei Kontakt und daher auch kein Problem. Die Menschen waren wie auch schon das letzte Mal in Nepal großartig. Es tut einem nur leid für sie, dass momentan so wenige Touristen da sind...

In Katmandu habe ich dann zuerst eine heiße Dusche genommen und meine Klamotten zur Wäsche gegeben. Danach erst mal ein anständiges Stück Fleisch zum Essen. Das hat mir gefehlt. Am Silvesterabend feiere ich mit Eric und noch anderen Leuten, die wir auf dem Trek und beim Warten in Lukla getroffen haben, in der Tom&Jerry Bar in Thamel ins neue Jahr 2003.

Die restlichen drei Tage in Kathmandu verbringe ich mit Faulenzen, gut Essen, Souvenirs Kaufen und ein wenig Sightseeing in Bodnath und Swayambhunath. Ein entspannter Ausklang eines tollen Urlaubs.


Bodnath
 
 
Swayambhunath (Monkey Temple)