Day 7/815./16.12.2002 |
[ Namche Bazar - Ruhetage ] |
Es wäre wirklich mal schön ohne Schmerzen aufzuwachen... Aber Achillesferse und Knöchel schmerzen immer noch, obwohl ich alles mit Tiger-Balsam einmassiert habe. Daher machen wir auch erst mal einen ruhigen Vormittag. Etwas durch Namche geschlendert, wo es auch so ziemlich alles an Trekking Equipment zu kaufen gibt. Ich habe eine neue Taschenlampe gekauft, da ich meine bereits am ersten Tag irgendwo verloren habe. Sameer kauft Unmengen an Toblerone und Snickers, nur um am Abend festzustellen, dass die unheimlich günstigen Toblerone seit einem Jahr abgelaufen sind. Die German Bakery in Namche macht sehr gute Zimtschnecken und Sameer findet ein paar Locals, die er beim Schach abziehen kann (er ist ein ziemlicher Crack).
Am Nachmittag erklimme ich den Hügel hinter Namche, nur um festzustellen, dass dahinter ein weiterer Hügel lauert. Aber ohne Rucksack geht das Laufen fast wie von selbst. Irgendwann gelange ich zum Syangboche Flugplatz, der eine ziemlich atemberaubende Landebahn besitzt aber wohl wenig genutzt wird.


Nach einem weiteren Hügelkette klettere ich zu einer Gompa hinauf und sehe von dort Everest (8848m) und vor allem Ama Dablan (6856m), der mit seinem ausgestreckten Daumen ziemlich atemberaubend aussieht. Ama Dablan sollte sowieso mein „Lieblingsberg“ werden. Obwohl er nicht besonders hoch ist, ist er doch enorm malerisch.
Dann bewölkt es leider etwas. Das ist das erste Mal auf dem ganzen Trek. Bisher hatten wir jeden Tag perfektes Wetter ohne Wolken. Als Höhentraining war der Ausflug auch gut. Denn ich war bestimmt auf 3900m. Nach der alten Regel „walk high, sleep low“ kann dies sicher nicht schaden.

Yak in der Nähe von Namche

Für Eric und mich noch ein Ruhetag in Namche. Sameer geht schon vor nach Tengboche und will lieber da zwei Nächte bleiben. Ich begleite ihn auf dem ersten Stück Richtung Tengboche bis nach Kyangjuma (3600m). Das ist ein sehr schöner Weg. Sehr breit zieht er sich in Kurven hoch über dem Tal mit tollen Sichten auf Ama Dablan, Everest und Nuptse (7861m), der von hier immer den Blick auf Everest verstellt.
Auf dem Rückweg gehe ich über Khumjung (3780m) und gegen Mittag zieht es wieder zu. In nur einer halben Stunde sind alle Berge von den Wolken verschluckt worden.




Day 9
17.12.2002 |
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[ Namche Bazar (3450m) - Tengboche (3860m) ] |
Mit Gepäck geht es wieder deutlich schwerer. Aber die Pause hat doch wieder neue Kraft gegeben. Es geht zunächst auf dem selben Weg wie gestern. Bis Sanasa ist es sehr angenehm zu laufen auf einem flachen sandigen Weg. Doch dann geht es runter zur Flussüberquerung und auf der anderen Seite wieder 600m den Berg hoch nach Tengboche (3860m). Man merkt jetzt bei dem Berg schon deutlich die Höhe. Das Atmen fällt deutlich schwerer als noch auf 2000m. Aber sonstige Anzeichen von Höhenkrankheit wie Kopfschmerzen oder Übelkeit hat keiner von uns.
Als ich nach ca. 4 Stunden von Namche in Tengboche ankomme ist es leider ziemlich bewölkt und neblig, so dass man nichts mehr sieht. Am Nachmittag kann man im Kloster einer Gebetszeremonie der Mönche beiwohnen, die etwa eine Stunde dauert. Es ist sehr interessant mit dem ganzen musikalischen Getöse, aber am Ende zieht es sich doch etwas...
Am Nachmittag habe ich auch zum ersten Mal meine Daunenjacke ausgepackt. Ist wirklich sehr kuschelig warm. Ich bin froh, dass ich sie mitgeschleppt habe. Gegen Abend klart das Wetter auf und man sieht Ama Dablan und Thamserku im Mondlicht. Beeindruckend!
Day 10
18.12.2002 |
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[ Namche Bazar (3450m) - Tengboche (3860m) ] |
Beim Sonnenaufgang um 6:30 ist es immer noch wunderbar klar und ich schieße einige Fotos in alle Richtungen. Auf der Fläche vor dem Kloster ist über Nacht etwas Eisschnee liegengeblieben. Die jungen Mönche nutzen es aus und fahren auf selbstgebastelten Skiern durch die Gegend.
Gegen 9 Uhr laufen wir gemütlich los. An einigen Stellen ist der Weg vereist. Es geht zunächst bergab nach Deboche und dann über den Imja Khola. Pangboche ist noch mal ein relativ großes Dorf. Ab jetzt gibt es dann nur noch „Lodge-Siedlungen“ für Trekker, wo kaum noch Einheimische wohnen. Dafür ist es im Winter einfach zu kalt hier.



Das Stück von Pangboche bis zur Weggabelung Pheriche (4280m)/Dingboche (4350m) ist relativ flach und einfach zu laufen. Bäume gibt es keine mehr. Es ist sehr karg. Mit den tiefhängenden Wolken hat es etwas gespenstisches.
Am Abend wird es wieder klar und Sameer und ich versuchen uns an Nachtaufnahmen von Taboche Peak (6367m), der sehr schön vom Mond angestrahlt wird.


Day 11
19.12.2002
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[ Dingboche (Ama Dablan Lakes Daytrip) ] |
Heute machen wir wieder wie empfohlen einen Ruhe- bzw. Akklimatationstag. Wir machen einen Ausflug zu den Ama Dablan Lakes (ca. 4700m), was sich als ein ganz schönes Abenteuer herausstellt. Zunächst geht es im Tal weiter Richtung Chukkung, bevor man auf einer schmalen Holzbrücke den Fluss überquert. Die Seen sind im Prinzip hinter dem Grat, den man von Dingboche aus sieht. Wege sind allerdings auf der Karte oder im Buch nicht verzeichnet. Wir entscheiden uns „links“ rum den Aufstieg zu wagen. Das führt zu einer relativ steilen Klettertour durch teilweise kniehohes Gestrüpp. Und hinter jedem Gipfel taucht wieder ein neuer Gipfel auf, bis man schließlich eine Art Plateau erreicht, auf dem auch die Seen liegen, die allerdings recht mickrig sind. Die Aussicht von oben auf Nuptse, Lhotse und Island Peak ist aber trotzdem lohnenswert. Ama Dablan ist fast direkt vor der Nase und in die andere Richtung gibt es einen weiten Blick ins Khumbu Valley mit Taboche (6367m) und Cholatse (6440m).


Für den Rückweg wollen wir die einfachere Variante nehmen: Flach den Berg entlang. Es gibt sogar einen Pfad, der langsam bergab führt. Nur verliert dieser sich und man muss am Ende große Eiszungen überqueren. Das ist ziemlich abenteuerlich...
Am Abend geht es mir nicht gut. Es sind keine AMS Symptome. Ich habe eher das Gefühl, eine Grippe ist im Anmarsch...
Day 12
20.12.2002
(3,5h
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[ Dingboche (4350m) - Lobuje (4940m) ] |
Es kommt zu einem ersten Split in der Gruppe weil wir uns nicht einig sind wie es weiter gehen soll. Sameer ist ziemlich bummelig und Eric ist ziemlich schnell und ambitioniert. Ich bin irgendwo dazwischen...
Also macht jeder erst mal seine eigenen Pläne. Sameer will unbedingt auf den Chukkung Ri und auch danach gemütlicher gehen. Ich will nach Thukla und Eric will nach Chukkung und dann eventuell auch nach Thukla.

Ich starte also erst mal alleine in Richtung Thukla. Das Stück ist sehr angenehm zu laufen immer oben auf dem Berggrat entlang. Unten im Tal kann man den Weg sehen, der von Pheriche nach Thukla führt. Es ist ziemlich windig und so kommt zum ersten Mal meine Gore-Tex Jacke zum Einsatz.
Bis nach Thukla (4600m) sind es nur 1 ½ Stunden und eigentlich wollte ich ja dort bleiben. Aber nach einem Blick auf die Räumlichkeiten, die sich als sehr mies erweisen, entscheide ich mich, noch bis Lobuje weiterzulaufen. Das ist noch mal 350m höher, aber ich denke, dass ich schon recht gut akklimatisiert bin. Das erste Stück ist das schwierigste, denn es geht steil den Berg hinauf. Oben auf dem Pass sind eine Reihe von Memorial Tafeln für Sherpas, die auf dem Everest gestorben sind. Ausserdem gibt es Tafeln für den Geschwindigkeits- (16 Stunden) und Aufenthaltsdauer- (21 Stunden) Rekordhalter.

Panorama mit Pumo Ri (7165m), Lingtren (6749m), Khumbutse (6665m) & Nuptse (7861m)
Vom Pass aus entfaltet sich ein malerisches breites Tal, das links wie rechts von schneebedeckten Bergen gesäumt wird. Zur Linken Pumo Ri (7165m), Lingtren (6749m) sowie Khumbutse (6665m) und zur Rechten Mera Peak (5820m) und Nuptse (7861m). Everest versteckt sich mal wieder in einer Ecke. Nach gemütlichem Laufen durch diese spektakuläre Landschaft komme ich nach Lobuje (4940m). Von AMS Symptomen weiterhin keine Spur.
Zu meiner Überraschung kommt Eric auch noch zwei Stunden später. Er war doch nicht ganz in Chukkung und in Thukla hat es ihm auch nicht gefallen. Also bin ich doch nicht allein. Aber aus drei Trekkern sind zwei geworden.
Nuptse bei Sonnenuntergang von Lobuje
Day 13
21.12.2002 |
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[ Lobuje (4940m) - Kala Pattar (5600m) - Thukla (4620m) ] |
Heute ist Summit Day! Kala Pattar steht an. Dieser 5600m „schwarze Felsen“ hinter Gorak Shep ist wohl der beliebteste Everest View Point in Nepal.


Um 7:30 breche ich mit Eric auf. Zunächst nach Gorak Shep (5140m). Der Weg ist zunächst flach und steigt dann über Geröllfelder an. In Gorak Shep hat man zwei Möglichkeiten Kala Pattar zu besteigen. Wir entscheiden uns für die weniger steile Variante, die aber zu einem höhergelegenen Viewpoint (5600m) führt. Am Anfang ist es dennoch schon recht steil, dann flacher und dann wieder steil, um am Ende super-steil ohne Pfad auf großen Steinen zu enden. Ich komme mit der Höhe einigermaßen klar. Eric, der sonst immer vorne weg geeilt ist, hat heute mehr Probleme. Später sagt er, dass er wohl umgekehrt wäre, wenn er allein gewesen wäre.



Für den Aufstieg brauchen wir sämtliche Snickers- und Keks-Vorräte auf. Und es zeiht sich hin. Die Füsse werden mit jedem Schritt schwerer. Aber je höher man steigt, desto mehr sieht man von Everest und dem Khumbu Icefall. Der perfekte Augenblick ist aber wirklich erst erreicht, wenn man auf dem mit unzähligen Gebetsfahnen geschmückten Gipfel steht. Es entfaltet sich ein traumhaftes Panorama aus Everest, Nuptse und Lhotse und man hat das Gefühl direkt unter Pumo Ri zu stehen. Dementsprechend viele Bilder werden auch geschossen. Wir haben den ganzen Gipfel für uns alleine und bleiben ca. 1 ½ Stunden oben.
Der Weg wieder runter ist schon wesentlich einfacher. In 40 Minuten sind wir wieder unten. Hoch waren es 1:45h. Auf dem Rückweg treffen wir in Gorak Shep einen alten Bekannten wieder. Fabio, unseren flüchtigen Italiener. Sehr weit hat er es also auch noch nicht gebracht. Zudem nimmt er ständig Diamox, was ja auch ziemlich kritisch ist.
Nach einem kurzen Lunch in Lobuje beschließen wir noch nach Thukla abzusteigen, da wir beide auf dem Weg hoch zum Kala Pattar über leichte Kopfschmerzen klagten. Das waren die ersten leichten AMS Symptome. Außerdem hatte ich die Nacht vorher in Lobuje auch ziemlich schlecht geschlafen. Mein Husten und die Erkältung werden auch eher schlimmer.
