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06.12.2002 - 08.12.2002 |
[ Kathmandu - Vorbereitungen ] |
Der Anflug auf Kathmandu ist schon spektakulär. Der bewusst gewählte linke Fensterplatz zahlt sich aus. Eine einzige weiße Bergkette, kaum Wolken. Das Flugzeug geht tiefer und fliegt über die terrassigen Hügel des Kathmandu Valleys. Im Hintergrund sieht man das schneebedeckte Langtang. Traumhaft! Es ist als wäre ich gestern erst weggeflogen. Dabei ist es drei Jahre her, dass ich das letzte Mal hier war...
Taxi nach Thamel. Der obligatorische Hotel Tout wird abgewimmelt. Ich habe schon ein Hotel. Das „Hotel California“, wo ich mit Eric (Franko-Kanadier) und Fabio (Italiener) verabredet bin, die ich über das Internet kennengelernt habe. Später kommt auch noch Sameer (Inder) dazu. Wir wollen von Jiri aus den Everest Trek laufen.
Die Gefahr durch die Maoisten scheint nicht so hoch zu sein. Die anderen haben sich schon mal erkundigt. Bei KEEP haben sie ein OK gegeben. Man sollte nur nicht alleine gehen und das habe ich ja nicht vor. Führer oder Träger nehmen wir aber dennoch nicht mit. Wir machen es individuell. Jeder trägt seinen eigenen Rucksack.
07.12.02Ich mache noch abschließende Besorgungen. Kleinkram, warme Sachen. Eine Daunenjacke miete ich für 0,50 €/Tag. Sieht sehr warm ist und ist daher auch recht schwer.
Dann ziehen wir noch ein wenig durchs „richtige“ Kathmandu, wo es keine Touristenshops und Hassles, dafür aber Märkte der Locals gibt. Ich kaufe mir hier ein paar lange Unterhosen und Eric ein paar „total abgefahrene“ Woll-Pantoffeln, die gut ins Deutschland der 50er Jahre gepasst hätten.
08.12.02Endlich geht es los. Fabio kommt jetzt doch nicht mit. Er fliegt nach Lukla. Mit Eric und Sameer fahre ich um 6 Uhr zur Bus Station. Wir bekommen die letzten 4 Tickets für einen „Express-Bus“ um 7 Uhr nach Jiri. Einen Platz nehmen wir für die Rucksäcke. Da die Tickets ja quasi nichts kosten, kann man das sehr gut machen. Jeder zahlt so ca. 4€. Ein Taxi hätte 50€ gekostet.
Es ist ziemlich unbequem. Wir sitzen in der letzen Reihe und werden gut durchgeschaukelt. Die Fahrt dauert 8 ½ Stunden, was eine sehr gute Zeit ist. Aber wir haben auch kaum angehalten. Selbst die Mittagspause war hektisch. Auf der ganzen Strecke gab es 3 Checkpoints, wo die Männer aussteigen müssen. Frauen, Kinder und Touristen dürfen im Bus bleiben. Bei uns werden nicht einmal Pässe kontrolliert.
Erst geht es auf der guten Strasse, die nach Tibet führt gen Norden und dann rechts ab. Von einem Pass hat man eine fantastische Aussicht. Eine riesige weiße Bergkette breitet sich aus. Nach dem Lunchstop in Mude begleitet der „zweiköpfige“ Gauri Shankar (7135m) den Bus für eine halbe Stunde. Es ist keine Wolke am Himmel. Atemberaubend. Wie soll das nur weitergehen?

Day 109.12.2002(6,5h) |
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[ Jiri (1935m) - Deorali Pass (2705m) ] |
Heute ist der erste Trek-Tag. In Jiri endet die Strasse – für den Moment. Denn sie wird bereits weitergebaut. Momentan bewegt sie sich auf Shivalaya zu. Der Weg folgt allerdings nicht der Strasse, die einen Umweg macht. Es ist am Anfang etwas verworren, aber man muss einfach nur den Trägern folgen. Die laufen alle in eine Richtung.
Von Jiri (1935m) steigt der Weg langsam an zu einem kleinen Pass (2400m), von wo man zum ersten Mal schneebedeckte Berge in der Distanz sieht. Es sind sehr viele Träger unterwegs, aber Trekker nur wir drei. Die meisten Leute lassen sich auf diesem Stück doch von den Maoisten verschrecken.
Vom Pass geht es wieder steil bergrunter nach Shivalaya auf 1800m, wo wir Dal Bhat zu Mittag essen. Danach beginnt der steile Aufstieg zum Deorali Pass, der es in sich hat. Die erste Stunde bis ins Dorf Sangbadanda ist am steilsten. Dazu läuft man jetzt auch noch in der vollen Sonne. Eric ist ziemlich fit und schon über alle Berge. Zusammen mit Sameer bilde ich den Schluss des Feldes. Nach 3 Stunden von Shivalaya erreichen wir schließlich den Deorali Pass (2705m).



Day 210.12.2002(7,5h) |
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[ Deorali Pass (2705m) - Sete (2575m) ] |
Der Deorali Pass ist einer von drei großen Pässen, die auf dem Jiri-Namche Stück überquert werden müssen. Im Gegensatz zur Annapurna Runde folgt der Everest-Trek nämlich keinem Tal. Der Weg geht von Westen nach Osten und die Flüsse bzw. Täler gehen von Norden nach Süden. Dass dies viel Auf- und Ab bedeutet, kann man sich wohl vorstellen...
Heute geht es zunächst recht steil runter nach Bhandar (2190m). Nach Bhandar geht es ein Stück angenehm bergab, um dann wieder dramatisch nach Kenja (1630m) abzufallen. Zur Mittagspause dort hatten wir schon einen Abstieg von ca. 1200m in den Knochen und bei mir besonderes in den Knien. Die Brücke vor Kenja ist mit ca. 1500m der niedrigste Punkt der gesamten Strecke.
Nach Kenja beginnt der lange Aufstieg zum Lamjura Pass (3530m) – der höchste Punkte bis Namche! Insgesamt sind es von Kenja aus 1900m Steigung. Daher macht es Sinn in der Mitte zu rasten – in Sete. Die 3 ½ Stunden bis dahin sind aber noch einmal Höllenqualen. Es ist unheimlich steil und das für 3 ½ Stunden! So etwas anstrengendes hat es auf der gesamten Annapurna Runde nicht einmal im Ansatz gegeben.
Aber der Lonely Planet bewertet das Stück Jiri-Namche als „medium“. Naja... Gut dass ich auch den „Trekking in the Everest Region“ Führer von Jamie McGuiness habe. Der ist besser als der LP.

Day 311.12.2002(6h) |
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[ Sete (2575m) - Junbesi (2700m) ] |
In Sete haben wir in einer tollen Lodge übernachtet (Sherpa Guide Lodge). Am Abend saßen wir mit der ganzen Familie in der Küche und waren mitten drin im „richtigen“ Leben. Abgesehen davon war es da sehr warm ;-) Insbesondere Sameer ist eine ziemliche Frostbeule. Dem beinharten Kanadier macht die Kälte fast gar nichts aus...
Von Sete geht es auf die zweite Etappe zum Lamjura La (3530m). Es sind zwar fast wieder 1000m, aber ich empfinde es als nicht so schlimm wie gestern. Es ist auch nicht so heiß am Morgen und außerdem geben Rhododenron Bäume Schatten. Den Pass erreiche ich nach 3 ½ Stunden.
Der Pass an sich ist unspektakulär. Es gibt keine Aussicht. Bergab beginnt für mich die Qual. Es geht fast 800m wieder runter bis Junbesi (2700m). Der Anfang ist enorm steil und der Weg ist ziemlich fies. Es sind so mittelgrosse Steine, auf denen ich gar nicht gut laufen kann, weil man mit jedem Schritt wegknickt. Dazu schmerzen die Knie vom Bergablaufen und der Rucksack sitzt heute auch nicht gut auf dem Rücken. Habe ich am Morgen total schief gepackt. Ich bin heilfroh als ich in Junbesi ankomme. Ich bin gegen 14 Uhr da. Ein kurzer Tag...


Junbesi hat eine merkwürdige Atmosphäre. Es ist leergefegt wie eine Geisterstadt. Von den Einheimischen sind viele über den Winter nach Kathmandu gezogen. Dazu hängen im Dorf Plakate von ermordeten Menschen - vermutlich maoistische Propaganda. Es macht den Ort irgendwie unheimlich. Maositen haben wir aber immer noch keine gesehen...

Day 412.12.2002(6,5h) |
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[ Junbesi (2700m) - Nunthala (2330m) ] |
Es ist ruhig geblieben im Ort. Dennoch bewegen wir uns jetzt in einem Gebiet, in dem Maoisten besonders aktiv sein sollen. Ich bin ja vorbereitet meine 500 Rupien „Spende“ zu leisten und habe da auch wenig Probleme mit. Schließlich ist dieses Gebiet de facto unter der Kontrolle der Maoisten. Der Staat hat sich längst zurückgezogen. Armee und Polizei gibt es nur bis Jiri. Und dem Staat zahlt man ja auch 1000 Rp. Trekking Gebühr, also warum sollen die Maos nicht auch was bekommen? Sie geben einem ja eine Quittung, damit man nicht von mehreren Gruppen zur Kasse gebeten wird. Klasse Souvenir...
Der heutige Tag beginnt mit dem ersten längeren entspannten Stück seit Jiri. Der Weg führt recht flach durch einen Wald und dann hoch über einem Tal entlang. Etwa 1 ¼ Stunden nach Junbesi kommt man zum ersten Everest View Point. Man kommt um eine Kurve, der Hals wird immer länger und dann sieht man ihm zum ersten Mal: Everest mit seiner typischen Wolkenfahne. Er ist relativ unspektakulär klein hinter vielen anderen Bergen zu sehen. Interessanter sind eigentlich Thamserku (6608m), Kusum Kanguru (6367m) und Mera Peak (6461m). Eine atemberaubende Wand!


Dann geht es wieder 300m runter nach Ringmu, wo es immerhin noch Sichten auf Numbur (6059m) und Khatang (6853m) gibt. Der Aufstieg zum Taksindu Pass (3071m) ist nicht sehr schwer. Oben hat man Sicht auf Karyolung (6511m).
Der Abstieg nach Nunthala (2330m) ist wieder sehr beschwerlich und dauert ca. 2 Stunden. Wieder diese fiesen mittelgroßen Steine. Grauenhaft! An einigen schattigen Stellen sind Pfützen vereist.
In Nunthala gönne ich mir eine heiße Dusche und eine Rasur, werde aber bald zu der Erkenntnis kommen, dass das überbewertet wird...


Day 513.12.2002(8,5h) |
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[ Nunthala (2330m) - Cheubas (2780m) ] |
Dieser Tag war höllisch. Da wir in 2 Tagen in Namche sein wollen, steht uns einiges bevor. Es beginnt mit einem Abstieg zum Dudh Kosi Fluss auf fast 1500m. Alle Höhe ist wieder verloren und muss wiedergewonnen werden. Von da geht es nur noch berghoch. Zunächst nach Jubing (1700m), weiter nach Kharikhola (2040m) und dann wird es ganz besonders steil und heiß beim Aufstieg nach Bupsa (2350m). Wenn man da unten am Fuß des Berges steht, wird einem schlecht vor Grauen. Oben gibt es aber zumindest erst mal Lunch.
Frisch gestärkt geht der Aufstieg weiter. Der Weg macht einen großen Bogen weg vom Dudh Kosi und führt unaufhörlich aufwärts zum Khari La Pass (2850m).
Von dort kann man das Dorf Puiyan schon auf der anderen Seite des Tals sehen. Aber es gilt noch einen großen demoralisierenden Bogen zu laufen. Ich bin zu diesem Zeitpunkt an dem Punkt angekommen, wo ich den Schmerz gar nicht mehr spüre. Mir ist alles egal. Knie, Knöchel, Rücken. Alles wird ignoriert. Einfach nur weiter. Einen Fuß vor den anderen setzen. Mit Sameer gemeinsam schleppen wir uns von Puiyan noch eine Stunde weiter nach Cheubas. Es ist bereits nach 17 Uhr als wir ankommen. Völlig am Ende. Das Dorf ist sehr klein und die Unterkunft wohl mit das einfachste, was wir auf dem ganzen Trek haben. Dafür unheimlich billig.
Day 609.12.2002(8,75h) |
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[ Cheubas (2780m) - Namche Bazar (3450m) ]
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Gestern war ja schon schlimm, aber heute war noch mal eine Steigerung drin. Um 7 Uhr ging es los. Erst einmal 500m Abstieg. Die Knie schmerzen. Es ist steinig. Jeder größere Schritt zieht ins Knie. Am Ende des Abstiegs liegt Surke.
Bei Chaplung, wo der Lukla-Pfad hinzukommt geht es noch einmal berghoch, dann bis Phakding relativ ebener und besserer Weg. Man merkt das der Weg jetzt für die „luschigen“ Lukla-Flieger geeignet ist. In Phakding (2640m) bin ich nach 4 ½ Stunden und treffe Eric beim Lunch. Man merkt, dass die Preise höher sind als in den vergangenen Tagen. Es ist halt deutlich touristischer hier.
Nach Überqueren des Dudh Kosi geht es relativ leicht weiter nach Monjo (2815m). Zwischendurch gibt es Sichten auf Thamserku (6608m), der zum Greifen nah ist.
Man sieht dass der Kartenausschnitt rechts sehr gross ist. Und das sind wir alles an einem Tag gelaufen. Reiner Wahnsinn!
Hinter Monjo ist der offizielle Eingang zum „Sagarmantha Nationalpark“, wo man seine 1000 Rp. (13€) löhnen muss. Danach beginnt die Hölle. Es geht zunächst über eine Hängebrücke und dann den langen Berg hinauf nach Namche (3450m). Es sind 600m Höhenunterschied zu bewältigen und ich bin schon kaputt, als ich an den Fuß des Berges komme. Inzwischen macht sich auch meine Achillesferse schmerzhaft bemerkbar – bei jedem Schritt. Es ist eine Qual. Knöchel und Knie schmerzen vermutlich auch. Aber die merke ich nicht mehr. In einem monotonen Rhythmus schiebe ich mich den Berg hinauf. Plötzlich sehe ich hinter einer Kurve die ersten Häuser. Ein Triumphschrei. Ich habe es geschafft. Als ich im Hotel bin, ist es nach 17 Uhr, zehn Stunden, nachdem ich aufgebrochen bin. Sameer kommt noch später, als es schon fast dunkel ist
![]() Thamserku (6608m) |
![]() Man kann sich gar nicht vorstellen, welche Freude es ist, dieses Schild zu sehen! |
Auf die Anstrengung gönne ich mir am Abend in der ziemlich professionell geführten Khumbu Lodge Yak Steak und Bier. Das habe ich mir heute verdient! Namche verfügt über soviel Strom, dass es neben reichlich Beleuchtung auch Mikrowelle und Kühlschrank in der Lodge gibt.
Im Endeffekt kann man von dem Jiri-Namche Stück sagen, dass es wohl mit Abstand das härteste Stück Trekking ist, das ich je gemacht habe. Es ist wirklich ein einziges Auf und Ab. Die Stücke wo es mal eben war, kann man an einer Hand abzählen.
Stellt sich also die Frage, ob es sich wirklich lohnt hier zu laufen? Maoistenproblem einmal beiseite - wir haben wirklich keinen einzigen gesehen und daher auch keine Quittung bekommen - erfordert es schon eine gewisse Fitness, ist aber andererseits auch ein gutes Training für den Rest des Treks. Beine und Rücken wurden bei mir merklich trainiert (für die Knie war es eher nicht so gut) und auch für die Höhenanpassung kann es nur gut sein, da man fast immer auf einer Höhe um die 2700m schläft.
Auf der "Belohnungs-Seite" stehen Berg-Sichten, die natürlich bei weitem nicht mit denen ab Namche mithalten können, aber dafür mehr "Dorfleben" als im restlichen Stück. Denn nördlich von Namche bestehen die Dörfer ja sehr oft nur aus Lodges für Trekker. Hier auf diesem Stück leben wirklich Leute in den Dörfern und die Dörfer wären auch vorhanden, wenn es keine Trekker gäbe. Das ist eher vergleichbar mit der Annapurna Runde und von diesem Aspekt her sicher auch sehr interessant. Für mich aber noch viel entscheidender ist der Fakt, dass ich Fliegen nach Lukla einfach als Schummeln empfinde ;-)